Abstract Essence "Aftermath"
13.8.2008
Was für zarte, aber bizarre Töne stören und erfreuen mein Ohr zugleich! Das erste Album der sechs Tschechen, die in ihren heimatlichen Gefilden bereits einen relativen Bekanntheitsgrad genießen, machen ihrem Namen alle Ehre und warten mit verdammt abstrakten Kompositionen auf... “Timecross” startet rein instrumental mit einer geballten Ladung Synthesizern. Die hierbei erzeugte Atmosphäre lässt jedem noch so hart gesottenen Metaller das Blut in den Adern gefrieren! Abstract Essence verstehen es wirklich durch schräge Töne und ein skurilles Arrangement ihre Zuhörerschaft erstarren zu lassen! Glücklicherweise wird diese kleine, aber feine Angststarre aber wieder aufgehoben in “Harmony”. Der Titel dieses Songs trifft fast wie die Faust auf´s Auge, betrachtet man den Vorgängersong. Hier schlagen das Sechserpack gitarrenlastige, metallische Wege ein, die zwar Kreativität und Individualität beweisen, aber nicht mehr ganz so abstrakt klingen. Neben tiefen und akzentuierten Gitarren legen Abstract Essence mit einem verhältnismäßig dominanten Keyboard und treibenden Drums einen Song vor, der zu von seiner instrumentalen Seite fast schon an finnischen Gothic Rock in seiner Hochphase erinnert. Das einzige Manko dieses Meisterwerks ist, dass bei aller Exzellenz der Instrumente, die Stimme des Sängers Ondras etwas statisch klingt und nicht wirklich zur Atmosphäre des Songs passt. Bliebe er bei seinem beachtlichen Growlgesang, würden sowohl er als auch der Song an Glaubwürdigkeit gewinnen. Hervorzuheben an “Harmony” ist definitiv noch die herausstechende Dissonanz der Keyboard-Passagen. Wie ein Stich in die Gehörnerven interveniert Keyboarder Mani immer wieder als wolle er vor zuviel Konformität gegenüber der lange tradierten europäischen Konsonanz warnen – und er hat Recht! Die betont schrägen Klänge verleihen dem Song ein ganz besonderes Flair. Ein Komponist des frühen letzten Jahrhunderts hätte es nicht besser machen können – es lebe der Expressionismus...
Ein weiteres Gesicht zeigen die Tschechen in ihrem dritten Song “Lost Life”, welcher mit Gitarren in fast schon Power Metal-Manier beginnt, über orchestral angehauchte Passagen dann zu schnellstem Metallgewitter überleitet und Ondra die Möglichkeit gibt zu zeigen, was wirklich in ihm steckt: Dieser Mann stellt Danny Filth beinahe in den Schatten! Eine solche stimmliche Breite sucht verdammt nochmal ihresgleichen! Doch nicht nur seine Stimme bereichert den Song. Auch chorale Passagen schmücken die Mitte von “Lost Life” und verleihen ihm die Tiefe seiner Vorgängersongs. Bei all dem Facettenreichtum muss angemerkt werden, dass es der jungen Band gelingt immer eine eigene Note beizubehalten und einen individuellen Stil aufrecht zu erhalten.
Auch “Aftermath” schafft es wieder eine Überraschung parat zu haben. Hier beginnen die Tschechen nun mit mystischen Klängen, dicht gefolgt von harten, tiefen Gitarren, was leicht an Nile erinnert. Jedenfalls ist die uralte, tradierte musikalische Form nicht von der Hand zu weisen und erinnert stark an das, was wir uns ägyptischen Klängen verstehen. Auch in diesem Song schafft es Ondras erneut all seine stimmliche Gewalt zu beweisen. Es ist einfach bemerkenswert, wie seine tiefe Grunzstimme neben seinem Gekreische klingt. Unfassbar, dass beides von ein und derselben Person stammt! In Kombination mit den epischen, bisweilen synthetischen Keyboards eine unschlagbare Mischung!
Wer sich also vorstellen kann, die leider fast schon modernen Vorurteile gegen CoF einzuschränken und sich auf Experimentelles einzulassen, der wird mit diesem Scheiben Atmospheric Metal – wie Abstract Essence ihre Stilrichtung selbst beschreiben – keinen Fehlkauf begehen, sondern sich einer musikalischen Suchtgefahr aussetzen! Schade nur, dass die Qualität der Songs nicht immer ganz konstant ist, was zu Punktabzug führen muss, aber beim nächsten Album schaffen es unsere östlichen Nachbarn mit etwas Arbeit an die 10-Punkte-Marke.
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