Arathorn "Treue und Verrat"
1.4.2008
Nicht ganz leicht einzuordnen ist diese durchaus talentierte Ein-Mann-Armee aus Berlin, die sich den metallischen Klängen irgendwo zwischen sinfonischem Zartgefühl und breschendem Black Metal verschrieben hat. Was man Sköll, dem klugen Kopf hinter Arathorn allerdings lassen muss – er ist überzeugend. Gegründet wurde die Band im Jahr 1996 und erlebte bis heute den ein oder anderen Line-up-Wechsel. Schließlich entschloss man sich dazu, die Existenz Arathorns für´s Erste auf sich beruhen zu lassen. Im Jahr 2003 dann erlebte die Band ein Revival durch Sköll.
Neben der gewöhnlichen Standardausrüstung – sprich, Bass, Gitarre, Drums – wartet er mit Flöten, Akkordeon und weiteren mittelalterlich anmutenden Instrumenten auf, die keinesfalls wahllos in die Songs eingebaut werden, nein, sie verzaubern dort, wo auch Zauber angesagt ist. Somit mischen sich tiefe, stereotype Black-Metal-Passagen mit sensiblen, melodischen Instrumentalzwischenspielen. So wie zum Beispiel in „Siegfried von Xanten“, welches auf Grund seiner imposanten Länge in drei Kapitel eingeteilt ist, welche die nicht allzu kreativen Untertitel „Kapitel I“, „Kapitel II“ und „Kapitel III“ tragen. Nichstdestoweniger bleibt die Spannung durch das gesamte Stück erhalten – belebt durch eben diese enorme Bandbreite zwischen metallischem Geschrubbe und hymnenhaft-melodischem Beiwerk.
Auch thematisch hat sich Sköll nicht lumpen lassen und tief in die Kiste der germanischen Mythologie gegriffen. Seine Musik entführt den Hörer in die alten Tage der Nibelungen, genauer gesagt in die Phase der Schlachten und des Verrats. Hier stellt er uns die letzten Tage Siegfrieds vor, Hagens Hinterhalt und den Untergang des Xanteners. Literarisch korrekt sind die Texte in den Stücken sehr wohl, auch passt die Auswahl der musikalischen Passagen zu 100% zur Dramaturgie des Erzählten, doch leider ist weniger manchmal mehr und so mutet der Text an der ein oder anderen Stelle fast schon etwas theatralisch an. Ebenfalls fällt dem geschulten Ohr auf, dass Skölls an sich wunderschöne, ausdrucksvolle und vielseitige Stimme, um die man ihn beneiden könnte, nicht immer jeden Ton trifft. Besonders deutlich wird dies im Opener „Am Tage der letzten Schlacht“. Aber mal ehrlich: Wen stört so etwas, wenn man neben zwei, drei nur 99%igen Koloraturen hochwertige, mitreißende und individuelle Klänge geboten bekommt.
Alles in allem kann das Fazit also nur positiv ausfallen. Mancher kleiner Mangel wird die Zeit ausmerzen, da Arathorn noch sehr jung ist und in dieser Ein-Mann-Band unglaubliches Potential steckt, welches Sköll hoffentlich zu dem Erfolg verhelfen wird, den er verdient hat.
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