Ascension of the watchers "Numinosum"
29.1.2008
Burton C. Bells neues Betätigungsfeld, “Ascension of the Watchers” könnte für viele ein ziemlicher Schlag vor die Rübe werden. Vor allem für all jene, die Burton wegen seiner Betätigung bei Fear Factory mögen. Sicher wurde im Vorfeld schon gesagt, dass sich seine neue Band weg vom Metal hin zu sphärischen Klangwelten bewegen wird, nachzuhören war das dann auch auf der EP „Iconoclast“. Wer nun aber vollkommen unbedarft an das Debüt-Album von „AotW“ herangeht, wird seine liebe Last haben mit dem musikalischen Output von Mr. Bell und seinem Partner in Crime John Bechdel (Ex-Ministry, Killing Joke, Ex- Assembly Line).
„Numinosum“ ist eine Collage aus Trip-Hop, Folk-Gitarren-Versatzstücken und weitläufigen Ambient-Keyboardteppichen. Burtons Stimme bewegt sich sehr weit im Hintergrund und agiert fast ausschließlich als zusätzliches Instrument. Man könnte fast meinen, dass Bell versucht aus seinem jahrelangen Frontmannstatus auszubrechen. Weg von der Kampfsau an vorderster Front, weg vom ewigen „der harte Kerl sein“. Burton C. Bell versteckt sich förmlich in seinen atmosphärischen, schummerigen Soundwelten. Entspannte Beats, monotone Gitarrenläufe und nur vereinzelte Ausbrüche von fühlbaren Emotionen. Ja, meditativ und fast esoterisch mutet die neue Spielwiese des ehemaligen Angstfabrik-Mitarbeiters an. Dies ist kein Album für die gestandenen Fans, neue Fangruppen oder sonstige potentielle „Abnehmer“ sondern ein Album von Burton C. Bell und John Bechdel für Burton C. Bell und John Bechdel. Selbstfindung und Neuorientierung nach den letzten turbulenten Jahren stehen im Vordergrund. Ein Album das aus reinem Selbstzweck entstanden ist, sozusagen Bells eigenes „St. Anger“, „Host“ oder wie sie auch sonst heißen. Die Alben die gemacht sind, nicht um eine Relevanz innerhalb einer Szene zu erfüllen, sondern weil sie wichtig für die Musiker dahinter sind. Da geht er nun mal Trip-Hoppig wie in „Evading“ oder leicht und beschwingt, mit Zitaten aus Folk und Weltmusik, wie in „Moonshine“ oder „On the River“ vor, und dazwischen singt Bell auch mal nur von einer Akustik- Gitarre begleitet verträumt vor sich hin (Violent Morning). Leider fehlen in den teils überlangen Songs die zwingenden Melodien, die Dynamik und die erkennbaren Highlights die ein gutes Album nun mal ausmachen sollten. Das einzige Mal auf der gesamten Scheibe, an dem eine Melodie hängen bleibt ist in „Sounds of Silence“; und das ist? Richtig, eine, zugegeben gelungene, Coverversion des „Simon & Garfunkel“- Klassikers, dem sich ja auch schon „Nevermore“ auf ihre eigene Art und Weise angenommen haben.
Als Fazit kann man stehen lassen, dass Burton C. Bell zwar musikalisch neue, für ihn spannende Wege einschlägt, es aber fraglich bleibt ob ihm seine Fans folgen werden. Zu wenig greifbar, und stellenweise zu abgehoben wirkt das neue Material. Zu selten kommt Mr. Bell auf den Punkt, allzu schwer macht er es uns. Vielleicht werde ich dieses Album aber auch erst in ein paar Monaten oder Jahren verstehen. Keine Ahnung. Hört rein und entscheidet selbst. Ich kann unter diesen Umständen aber kaum mehr geben als...
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