Agro "Ritual 6"
2.10.2006
Welcher anständige Metaller hat noch nie von Agro gehört? Ich zum Beispiel. Das liegt aber weniger daran, dass die Band nie über ihren Proberaum hinausgekommen ist oder ein absoluter Neuling im Metal ist, sondern eher mit dem Ursprungsland: Cliff Crabb (v),Shane Pennicott (g), Grant Merricks (dr), Robert Riebler (b) und Nick Vassilev (kb) stammen allesamt aus Südafrika, wo die Band einen hohen Bekanntheitsstatus genießt. Kein Wunder, schliesslich hat die Band seit ihrer Gründung im Jahr 1992 bereits 6 Alben herausgebracht! Ihr aktueller Output, Ritual 6, wird erstmals professionell außerhalb Südafrikas vertrieben, was dem Bekanntheitsgrad stark erhöhen sollte.
Zumal das neue Material sehr melodisch und abwechslungsreich ist. Ursprünglich im Thrash/Death Metal der alten Schule, mit skandinavisch klingendem Einschlag verwurzelt, sind Agro spätestens seit ihrem neuen Album nicht mehr in diese Kategorie einzuordnen. Diese Schublade im Regal jeder Metal-Sammlung muss wohl erst noch geschnitzt werden! Stilrichtungen werden geradezu durcheinandergewirbelt. Man höre sich nur das (Fast-)Instrumental „TR333“ an, und direkt im Anschluss „The Crimson Sea“. Während mich ersteres etwas an W.A.S.P.´s ähnlich aussergewöhnlichen Song „Euphoria“ erinnert, klingt das zweite eher nach, nun ja, Ensiferum oder ähnlichen Kapellen. Und eigentlich habe ich hier nur mal ganz willkürlich zwei Stücke herausgepickt! Die 11 Tracks machen dennoch alle einen durchdachten und trotzdem frischen Eindruck. „10x Over“ oder „Carpe Diem“ glänzen mit an Samael, Sentenced und Rhapsody erinnernden Elementen (ihr seht, man kann sie wirklich in keine Schublade packen). Der Gesang wechselt zwischen melodischem Power Metal und Death Metal. Für echte Hartheimer ist die Scheibe deshalb nichts, an mancher Stelle übertreiben es die Jungs mit den harmonischen Solos - aber wer es melodisch mag, wird hier abwechslungsreich bedient. Geschwindigkeitsweltrekorde werden auch nicht aufgestellt, aber Moment, ich vergesse „A Place of Healing“, wo manchmal doch auf das Gaspedal getreten wird. Übrigens ein wahnsinnig „toller“ Hidden Track dahinter-Humor haben die Jungs auch noch. Was , so denke ich, ebenfalls aufden schrägen Humor zurückzuführen ist, sind die teils kryptischen Songtitel. Was zum Geier soll C7511? Oder Whizzdel? Oder TR333? (Halb 666?) bedeuten? Das wär doch noch ne gute Frage für das Interview mit den Jungs gewesen, dass sich ebenfalls auf eurer Visions Underground Zinesite befindet...
Alles in Allem ein gutes Album, das sicher seine Fans finden wird. Mir persönlich ist es einen Tick zu melodisch und stilübergreifend, was aber 90% der restlichen Metallerwelt nicht stören dürfte. Deshalb gibt es von mir respektvolle 8 Punkte. Vollkommen ohne Exoten-oder Sympathiebonus, den die Jungs bei mir auf jeden Fall nach Durchsicht ihrer Bios auf der liebevoll gestalteten Homepage www.agro-metal.com haben. Unbedingt auschecken, und diese Metallers unterstützen, auf das sie bald wieder hier nach Deutschland finden!
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