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Amok "Lullabies of Silence"

Amok - Lullabies of Silence - CD-Cover

1.8.2006
Hereinspaziert, hereinspaziert! Willkommen im AMOK Zirkus zur heutigen Show “Lullabies of Silence”! Zirkusdirektor Grindcore bittet seine Artisten zur wildesten Grind- Death- Jazz- Orgie die die Welt je gesehen hat. Nehmen sie gar nicht erst Platz. Sitzen bleiben wird nicht möglich sein. Gesangsakrobat Ugo Rodriguez wirbelt wie ein Derwisch durch die Manege und vollführt einen Vokalsalto nach dem anderen. Von tiefstem Gegrunze zu Cradle of Filth- verdächtigen Schreien und zurück. Gitarrenzauberer Philippe Suarez zeigt Kunststücke bei denen den Zuschauern (...hörern) der Atem stockt. Abgefahrene Gitarrenläufe, wirre Soli, und Riffs die alles zermalmen entspringen seinem Hut. In luftiger Höhe wirbeln die Rhythmusartisten Wladislav Marian (b) und Edward Hey (d) wie Wahnsinnige durch die Luft, dass einem Angst und Bange wird ein Griff könnte danebengehen. Doch alles läuft Hand in Hand und jedes Zupacken sitzt. Ohne Netz und doppelten Boden. Und alles gleichzeitig. Man befürchtet fast den Überblick zu verlieren doch je länger man dieser irrwitzigen Darbietung zusieht, bzw. –hört desto klarer bietet sich dem Publikum ein prächtiges Gesamtbild, welches derart spektakulär und packend ist, dass ein Kopf gar nicht ausreicht um die nötigen Hüte zu ziehen.
„Lullaby of Silence“, der Opener macht seinem Namen so gar keine Ehre. Stille? Fehlanzeige! Ein Orkan bricht vom ersten Moment an los und reißt den Hörer mit.
Groovende Riffs und ein immer wieder in Blastbeat- Raserei losbrechendes Schlagzeug lassen kaum Zeit zum durchatmen. Ein Zustand an den man sich für die nächsten 35 Minuten besser gewöhnt. Die Gitarrenleads flirren durch die Luft dass es nur so eine Art hat. Unterbrochen wird der Song zudem von stampfenden Panteramäßigen Parts und Jazz-Anleihen.
Ohne Umschweife oder Pause geht’s gleich zu Song nummero zwo über.
„Fortress“ erinnert an Nile auf nem Kilo Speed und macht ebenso wie der Vorgänger keine Gefangenen. Die Riffs grollen düster im Hintergrund, rasen los wie ne Horde wahnsinnig gewordener Pit Bulls und werden von den, in Hülle und Fülle vorhandenen Breaks immer wieder ausgebremst. Dem Schauspiel zu folgen fällt da schwer. Zu viel Raserei und das dominante Schlagzeug machen jetzt schon mal ne Atempause nötig.
Die sollte man sich nach diesem Song auch gönnen.
„Sip of Thorns“ haut nämlich in dieselbe Kerbe. Aber wer redet da von Eintönigkeit? Hier nicht! Kurze melodiöse Einsprengsel, moderne Heavy Riffs, und ne Portion mehr Deathmetal schieben sich angenehmerweise in diesen fast schon „straighten“ Bastard aus Jazz, Doom- Death- Blackmetal und dem allzeit gegenwärtigen Grindcore.
„Jailed in Mind“ beginnt mit Gitarrenläufen, die entfernt an Slipknot erinnern nur um gleich wieder loszupowern wie gehabt. Doch wird dieser Song wieder von melodischen Parts durchzogen die eine eigenartige, nichts gutes verkündende Stille in den Song impfen, und die wie einzelne Sonnenstrahlen im Orkan aufblitzen.
„Internal Void“ klingt fies. Sehr fies. Black Metal fließt wie Blut durch dieses Stück tonales Chaos und haucht ihm eine morbide Atmosphäre ein. Zum Ende hin kriecht der Song immer langsamer, wie ein sterbendes Ungetüm seinem Ableben entgegen. Rückkopplungen, Drumbreak, und Peng! Wir sind mittendrin in „Shattered Honor“ hier gibt’s nach anfänglichem Jazz-Prog Verwirrspiel wieder mehr Grindcore und moderne, New-Metal-artige, Riffs. Aber die entspannt im Hintergrund laufenden Bass- und 6 Saiter-Läufe unterwandern immer wieder das brutale Geholze im Vordergrund. Monstrosity und Death gehen mir als Vergleiche immer wieder durch den Kopf. Das einleitende Drumming beendet den Titel, der nahtlos in „Rynch“ übergeht. Abgehackt, hämmernd stößt dieser kurze Song (54 sec.) immer wieder auf den inzwischen wehrlosen Hörer ein.
Deathmetal von amerikanischer Prägung läutet danach „Lady Addiction“ ein. Und hübsch ist diese Lady nicht gerade. Räudiger Death, der pervers schnell nach vorne gepeitscht wird, treibt einen durch den Song, dass man gar nicht mitkriegt was passiert. Und dann; endlich!
Ein relaxter melodischer Teil mitten im Song, mitten im Geballer, wie eine Oase. Lockere Gitarren und cool vor sich hingroovende Drums. Luft holen wäre angebracht. Denn das war nur das Auge des Hurrikans, der jetzt mit unverminderter Energie unser kleines Eiland der Ruhe in Millionen Stücke fetzt.
„Screams Noises“ ist als nächstes dran uns ordentlich gegen die Wand zu pfeffern. Die Übergänge zwischen den Songs verschwimmen nun vollends. Schneidendes Riffing und die uns schon die ganze Zeit malträtierenden kranken Vocals brechen derber, wirrer und gemeiner aus den Boxen als vorher. Mittendrin groovt es wieder mächtig und die Stile werden einmal mehr durch den Amok-Fleischwolf gedreht. Im Übrigen mit über 5 Minuten das längste Teil Bosheit auf diesem Album. Mittlerweile ist die Aufnahmefähigkeit des Publikums im Zirkus AMOK erschöpft, der Wille gebrochen. Man gibt nach knapp 30 Minuten konzentriertem Chaos einfach auf. Aber die Akteure kennen keine Gnade. Zwar gibt es noch einmal feinste spielerische Leckerbissen aber der Malstrom aus sich überschneidenden Riffs, Breaks, Melodien, Soli macht kontinuierlich weiter. Von monströs stampfenden Riffs wird man schließlich „A Life with no One“ zum Fraß vorgeworfen. Hier regiert wieder der Black Metal.
Rasend schnelles Gesäge kulminiert mit hysterischem schreien in einem endgültigen, rauschenden, alles mit sich reißenden Wirbel aus Wahnsinn und Musik, der die ergebene Menge mit sich nimmt in eine andere Dimension.
Damit ist die Vorstellung beendet. Ein leeres, eingestürztes Zirkuszelt bleibt in einer apokalyptischen, leergefegten Wüste stehen und ein völlig geplätteter Rezensent versteht nun den Titel der Show „Lullabies of Silence“. Nie war Stille vollkommener als in den wenigen Minuten die man nach dem erlebten braucht um wieder völlig zu sich zu kommen ein brutaler Kontrast zum Erlebten. Bleibt zu sagen dass AMOK auf diesem Album eine Gästeliste vorzuweisen haben die sich sehen lassen kann. Atheist, Cryptopsy, Death, Monstrosity, King Crimson, Cephalic Carnage und und und tauchen vor meinem inneren Auge auf. Wenn der Zirkus in der Stadt ist, besucht mal eine Vorstellung. Vielleicht traut ihr euch auch mehrmals hin. Lohnen tut sich’s auf alle Fälle.

Tracklist

1. Lullaby of Silence
2. Fortress
3. Sip of Thorns
4. Jailed in Mind
5. Internal Void
6. Shattered Honor
7. Rynch
8. Lady Addiction
9. Screams Noises
10. A Life with no One
Punkte: 8/10 Daniel/ V.U. Label: Fastbeast Entertainment
Recorded at: RecStudio Genf by Serge Morattel CD suchen bei

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