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Disillusion "Gloria"

Disillusion - Gloria - CD-Cover

19.10.2006
Soli deo Gloria (Gott allein die Herrlichkeit) heißt es in der Bibel. Und göttliches kündigt sich mit dem zweiten Disillusion Album an! Schlicht eben „Gloria“ betitelt, ziehen Disillusion alle Register. 18 Monate Arbeit stecken in diesem Meisterwerk und das macht sich bemerkbar. Alle verwendeten Stilelemente die die Jungs hier unter einen Hut bringen, fügen sich schlüssig und harmonisch ineinander, erschaffen ein Klangkonstrukt voller Vielfalt und Abwechslungsreichtum, ohne überfrachtet oder unübersichtlich zu wirken. Disillusion gelingt der schwere Spagat zwischen progressiver Vertracktheit und straighter Melodiösität ohne sich in ihrem Gebräu aus monströsen Riffs, elektronischen Versatzstücken, Chören, epischen Gitarrenharmonien u8nd getragenen Parts zu verzetteln. Insgesamt geht man Industrial-lastiger zu Werke als noch auf „Back in Times of Splendor“ aber die großen, mitreißenden Melodien und die rasanten, Thrash-Einschübe sind dennoch geblieben.

Countdownartige Keyboardklänge leiten „The Black Sea“ ein, und ab geht die turbulente Reise ins Metal-Nirvana. Grollende Riffs und verzerrte Vocals treiben den Song voran, bevor er mit weiblichem Harmoniegesang hinterlegt in einem gleißenden Chorus explodiert. Ein schlichtweg fantastischer Opener. Vertrackte, zuckende Riffs begleiten sonoren Gesang durch „Dread it“. Der Chorus erweist sich mit cleanem, melodischem Gesang und bombastischen Chören erneut als absolutes Musterbeispiel für alle Songwriter die auf der Suche nach genialen Melodiebögen sind. Erinnert so ein bisschen an Sisters of Mercy. Nach einem verstörenden Anfang mit verzerrten, gesprochenen Vocals, branden massive Riffs auf den Hörer ein, und lassen das nachfolgende „Don’t go any further“ zu einem echten Banger mit düsterer Grundstimmung mutieren. Ein ums andere mal großartig gemachter Metal jenseits aller bekannten Pfade. Energisch preschen in „Avalanche“ Gitarrenwände aus den Boxen, die an Dissection und Emperor erinnern. Doch direkt im Anschluss tönt manischer Gesang geleitet von tänzelnden Gitarrenleads durch den Raum und der Song wird entgegen dem eröffnenden Gitarrensperrfeuer zunächst recht verhalten, baut die anfängliche Aggressivität zum Ende hin aber wieder ein wenig auf. Groovende Riffs und engelsgleiche Chöre eröffnen den mehr als herausragenden Titelsong. Danach wird’s wieder düster und vertrackt mit verzerrtem Sprechgesang und progressiv rhythmischem Aufbau, um daraufhin in einem Refrain für die Ewigkeit zu zerbersten. Das Stück strahlt eine verhalten traurige Schönheit aus jeder Pore und geht echt unter die Haut. Pathetisch, würdevoll und einfach nur ganz großes Kino! Aber die stampfenden elektronischen Beats in „Aerophobic“ zerren einen ganz schnell aus dem wärmenden Licht von „Gloria“ in eine düstere kalte Welt. Doch auch die ist faszinierend bis in den letzten Winkel. Dunkel und bedrückend schwellen Synthie-Sounds und monströse Riffs zu einem beängstigenden Koloss an, der irgendwie an Meshugga erinnert und sich „The hole we are in“ nennt. Herr Schmidt singt, brüllt, kreischt und raunzt sich durch diesen Batzen Metal dass einem schwindlig wird. Ein vertonter Fiebertraum der euch da erwartet. „Save the Past“ überrascht mit einem ungewöhnlichen Refrain und perkussivem Drumming. „Lava“ macht seinem Namen alle Ehre und wälzt sich mit ultrafiesen Riffs beängstigend durch die Botanik, birgt aber ein Refrain-Thema in sich welches eine gewisse Anmut ausstrahlt. „Too many broken cease Fires“ entpuppt sich als treibender, eingängiger Rocker mit Widerhakenmelodie, und „Untiefen“ schließlich bildet den klaustrophobischen, balladesken Ausgang für ein Ausnahmealbum der Oberklasse.

Als Fazit kann ich’s hier ruhig kurz machen. Tatsächliche 10, aber gefühlte 50 Punkte für diese Killerplatte. Kaufen, niederknien und hingeben. Soli Disillusion Gloria.

Tracklist

1. The Black Sea ****
2. Dread it *****
3. Don’t go any further ****
4. Avalanche ****
5. Gloria *****
6. Aerophobic ***
7. The hole we are in ***
8. Save the Past ****
9. Lava ****
10. Too many broken cease Fires ****
11. Untiefen ***
Punkte: 10/10 Daniel / V.U. Metal Blade Records
Anspieltipps:*****
VÖ: 20.10.2006 CD suchen bei

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