Helheim "The Journeys And The Experiences Of Death"
21.6.2006
Drei Jahre mussten ins Land gehen bis die Welt mit einer neuen Veröffentlichung der Viking Metal Helden von Helheim gesegnet wurde. Doch nun ist es soweit, die Norweger haben ihre fünfte Full-Length Scheibe fertiggestellt und treten ihren Eroberungszug in die Gehörgänge der Menschheit an. „The Journeys And The Experiences Of Death“ dreht sich thematisch um verschiedene Totenkulte in der Nordischen Mythologie zur Zeit der Wikinger. So beschäftigt sich „The 2nd Death“ zum Beispiel mit dem zweiten Begräbnis, welches nach nordischem Mythos vorgenommen werden muss, wenn der Tote die Lebenden heimsucht. Auch der Bandname lässt erkennen, dass sich die vier Norweger mit ihrer alten Geschichte auseinandersetzen – schließlich ist Helheim das Totenreich, in welchem die Totengöttin Hel diejenigen willkommen heißt, welche an Alter oder Krankheit gestorben sind. Man sieht also, dieses Album ist sehr konzeptionell und episch – musikalisch wie lyrisch. Die seit 1992 bestehende Band nahm „The Journeys And The Experiences Of Death“ in den Conclave Studios in Bergen auf, in denen sie ihren Sound sowohl verfeinern wie auch erweitern konnte.
Los geht die Reise in die Vergangenheit mit dem intensiven „Veneration For The Dead“. Da knüppelt die Doublebass , da schrammelt die Gitarre, da kreischen V’gandr und H’grimnir , dass einem die Ohren wegfliegen und keine Zeit zu überlegen bleibt. Muss man auch nicht, denn es reicht, sich einfach der Musik hinzugeben. Am Ende des Massakers hört man dann lautes Atmen mit Feuerknistern im Hintergrund , doch lange hält diese Verschnaufpause nicht an, denn weiter geht’s mit dem genialen „Dead Man’s Eyes“ und weiteren Doublebass Attacken. Doch kommt das Melodiöse keineswegs zu kurz, und vor allem ThorbjÆrns Gitarrenspiel sticht hier hervor. Auch hier ist am Ende des Liedes ein kurzer Einschnitt, in dem weiteres Feuerknistern zu hören ist, sowie eine sich ins teuflische steigernde Lache. „The Bewitchment“ startet ruhiger als seine Vorgänger, doch schon bald schneiden die erbarmungslosen Gitarrenriffs wieder durch Mark und Bein, um in der Mitte des Liedes von einer melodischen Akustikgitarre abgewechselt zu werden, die wiederum von der charakteristischen, rasenden Doublebass abgelöst wird. An Variation fehlt es dem Album garantiert nicht! „The 2nd Death“ startet rasant und kompromisslos, wobei eine dunkle Keyboardmelodie dem Ganzen die Atmosphäre verleiht. „Entering The Beast“ ist ebenfalls mit einer Keyboardmelodie unterlegt, wobei Drums und Gitarren im Vordergrund die Sau rauslassen und die intensiven Vocals tatkräftig unterstützen.
„Helheim 5“ beginnt ruhig mit Frauengesang im Hintergrund , bald darauf setzen Trommeln ein. Das ganze Lied ist sehr atmosphärisch, es wirkt wie ein Aufmarsch und ist weniger ein eigenständiges Lied als der Übergang zu dem epischen „Oaken Dragons“. Man hört Rudergeräusche, dann setzen Drums ein, und auch hier muss man nicht den genialen Wechsel von langsamen und schnelleren Passagen missen. Auch kann man hier den Gastsänger Jiri „Big Boss“ Valtar von Root (tschechische Kultband) hören, und sowohl klarer Gesang als auch das wunderbare Kreischen ist in diesem Lied zu hören, welches mein absoluter Favorit des Albums ist, da es wahnsinnig atmosphärisch ist. Am Ende ertönt wieder einmal Meeresrauschen und Rudergeräusche, bevor es bei „13 To The Perished“ wieder von Anfang an die volle Härte gibt. Der Wechsel von schnellen, Doublebass-dominierten Passagen und langsameren, melodiöseren Momenten ist hier einmal mehr perfekt abgewogen. Wenn das Lied sich zu seinem Ende neigt, ist das verzweifelte Heulen einer Frau zu hören, zu dem sich die Geräusche von Meeresrauschen, Segeln, die sich im Wind bewegen und Feuer gesellen. So bildet dieses Lied den Höhepunkt des Wikingerbegräbnisses. Der letzte Track, „The Thrall And The Master“ ist tragend, der „Big Boss“ verleiht auch hier durch das Beisteuern einiger Gesangspassagen dem Lied eine besondere Note. Ein ruhiger, Trommel- dominierter Schluss bildet den perfekten Abschluss dieses Wikinger-Epos.
Ohne Frage, dieses Album versetzt einen tatsächlich in die rauhe und harte Zeit der Wikinger zurück – ein atmosphärisch Meisterwerk, welches Helheim zu einem Meister ihres Faches macht !
Für Viking Metal Fans ist dieses Album ein absoluter Pflichtkauf, doch auch Death Metal Interessierte können bedenkenlos zugreifen, da die Platte durchaus in diese Richtung tendiert. Das Limited Edition Digipack kommt übrigens zusammen mit der unveröffentlichten „Helsviti“- Maxi, also lohnt es sich diese zu besorgen !
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