Metal CD Review

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Ihsahn "The Adversary"

Ihsahn - The Adversary - CD-Cover

3.4.2006
Wie die Überschrift schon vermuten lässt handelt es sich bei „The Adversary“ um das langerwartete Soloalbum des Emperor – Masterminds Ihsahn.
Die Bandkonstellation liest sich interessant. Vocals: Ihsahn. Lead guitars: Ihsahn.
Rhythm guitars: Ihsahn. Bass: Ihsahn. Lediglich das Schlagzeugspielen hat Ihsahn dann doch Asgeir Mickelson überlassen, der auch bei Borknagar und Spiral Architect fürs Felle vermöbeln zuständig ist. Der Meister lässt sich hier also von wirklich niemandem die Schau stehlen. Emperor – Fans dürfen sich freuen, versprühen die Songs doch genau jenes düstere Flair, dass die Band trotz stilistischer Richtungswechsel über die Jahre jederzeit ausgezeichnet hat. Die charakteristische Stimme und die wahnsinnig morbiden Gitarrenläufe sind Markenzeichen, die den Gesamtsound einfach unglaublich prägen. Clever arrangiertes Zusammenspiel im Leitmotiv von Keyboard und Gitarre der insgesamt neun Stücke verdeutlicht, dass bei den Songs nicht nur irgendwelche verworfenen Ideen und für Emperor als zu schlecht befundene Songfragmente verwurstet wurden, sondern im Gegenteil richtig viel Herzblut in ihnen steckt. Durchgängig sehr abwechslungsreich, stimmlich ist vom heiseren Bellen bis zum Falsett nach King Diamond – Manier alles vertreten. Tempomäßig wird von langsam bis Blastspeed variiert. Stellenweise erinnert das Material an richtig altes Zeug, die melodiösen Parts lassen aber auch Vergleiche mit Bands mit progressiverem Sound wie Lacuna Coil zu. Ihsahn hat also durchaus recht, wenn er behauptet, dass auf diesem Album alle seine Schaffensperioden vertreten sind, seit er zum ersten Mal vor 20 Jahren eine Gitarre in die Hand genommen hat, auch wenn der Schwerpunkt eindeutig bei denen jümgeren Datums liegt.
„Invocation“ ist ein recht keyboardlastiges Stück, dass bereits deutlich zeigt, wie variabel der Stil Ihsahns ist.
„Called by the Fire“ glänzt durch seine Eingängigkeit, der Refrain erinnert sogar eher an eine Power–Metal Band. Was ja aber nichts schlechtes sein muss, denn das in diesen Bereichen häufige Abrutschen in Kitsch bleibt uns bei Ihsahn gnädigerweise erspart. „Citizen“ zeigt aber im direkten Anschluß, dass man keine eingeschlafenen Füße beim Hören kriegen wird. Der Song geht flott nach vorne los, beim langsameren Zwischenpart legt der Herr aber dann doch ordentlich Pathos in die Stimme. „Homecoming“ ist wohl der vertrackteste Song des Albums, mit jeder Menge Tempiwechsel und Stimmungsänderungen.
„Astera Ton Proinon“ ist wieder eher im „epischen“ Bereich anzusiedeln, schnelles Gebolze also Fehlanzeige. Dafür gibt’s damenhaften Chorgesang. Wer´s mag, mich hauts nicht vom Hocker, wenn im Hintergrund irgendwo eine „Tarja 2“ rumheult. Dass es sich trotzdem jederzeit professionell und keineswegs platt anhört, sei hier noch mal erwähnt. „Panem et Circenses“ wartet mit einem so irren Lead auf, dass ich jedes Mal eine Gänsehaut bekomme. Geil! Insgesamt nehmen die schwarzmetallischen Einflüsse gegen Ende des Albums scheinbar zu, „And He Shall Walk in Empty Places“ könnte genauso gut auf einer Dimmu Borgir – Scheiblette neueren Datums zu finden sein. „Will You Love Me Now?“ ist nicht so romantisch wie der Titel vermuten lässt und eignet sich bestens als Soundtrack zur Enthauptung des Ex- Partners (nur ein Beispiel, nicht zu Hause nachmachen). Bei “The Pain is Still Mine” werden nochmals etwas sanftere Töne angeschlagen. Ein getragenes Stück, dass ich ebenfalls eher einer Power Metal Band zuschreiben würde als dem Frontmann von Emperor.
Alles in Allem ist die Scheibe gelungen, auch wenn meiner Meinung nach etwas Aggressivität dem Ganzen gut getan hätte. Eingestreute Akustikparts mit cleanen Vocals sind ein gutes Stilmittel, um die darauf folgenden Stellen härter klingen zu lassen; hier hat Ihsahn meines Erachtens nach aber etwas zu oft darauf zurückgegriffen, so dass bei manchem Song der Biss verloren geht. Trotzdem gut!

Tracklist

1. Invocation**
2. Called by the Fire*
3. Citizen**
4. Homecoming
5. Astera Ton Proinon
6. Panem et Circenses***
7. And He Shall Walk In Empty Places****
8. Will You Love Me Now?***
9. The Pain is Still Mine*

Punkte: 7,5/10 Ruupü/V.U. Label: Candlelight Records
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