Mushroomhead "Saviour Sorrow"
2.10.2006
Mushroomhead aus Cleveland kamen mir bisher immer als Slipknot-Klone über den Weg gelaufen. Dabei besteht diese Sicko-Combo ja schon ne Weile länger als die Jungs aus Iowa.
Auf ihrem neuen Release zeigen sich die Herren mit den lustigen Masken auf jeden Fall schon mal abwechslungsreicher als Slipknot. Vom herben Hassbatzen wie „Tattoo“ bis hin zu psychopathischen Halbballaden wie „Save Us“ ist alles da und geht Einiges. Irre Samples, Gothic, Alternative Rock, Hardcore, die Maskenmänner wildern einfach überall rum. Angenehm fällt auch der Gesang von Frontmann Waylon, für J-Mann ins Boot gekommen, ins Ohr der von gefühlvoll wie in „The Need“ und oben erwähntem „Save Us“ bis total krank hin und her pendelt. Produziert wurde der Silberteller übrigens von Drummer Skinny. Aber stürzen wir uns doch mal ins Kampfgetümmel.
„1200“ haut uns gleich mal ne saftige Keule um die Ohren. Groovendes Riffing und Brüllgesang lassen zunächst noch Vergleiche mit dem Iowa-Kampfkommando aufkommen. Hardcorelastiger Nu-Metalbrecher nach bekanntem Strickmuster. Aber gleich im zweiten „Simple Survival“ merkt man den Unterschied der Mushroomhead ausmacht. Wieder Hardcore, aber untermalt von sirrenden Samples und mit atmosphärischem Wechselgesang ausgestattet geht der Song gut nach vorne und direkt ins Ohr. „Stoned“ macht seinem Namen alle Ehre und unterbricht die Hüpfkombatible Groove-Orgie mit Perkussion und Sitarklängen.
Ein Song wie ein Rausch, der am Ende betäubt und entrückt im Rauch von Samples und verzerrtem Sprechgesang davonschwebt. Die ruhig beginnende Ballade „Save Us“ drückt mit schweren Riffs und doomigem Flair aufs Gemüt, unterstützt von Piano und leidendem Gesang der Marke „Down“, versetzt mit singenden Leads und heiseren Schreien, gerät das Stück zum ersten Höhepunkt. Eingängig aber mit Power. Mit noch mehr Power pfeffert dann „Tattoo“ aus den Membranen. Hier wird wieder gegroovt und gebrüllt wie die Hölle. Ansonsten bietet das genadelte Bild hier wenig Überaschungen oder Abwechslung. „The Doubt“ fängt dann mit elektronischen Beats, Samples und wirren Gitarrensprengseln an bevor sich eigenartig verzerrte Vocals dazugesellen. In der Strophe kraftvoller Gesang, geleitet von eher verhalten bratenden Gitarren im Wechsel mit den elektronisch dominierten Parts ist das Stück eher Geschmacksache. „Bum“ hat nen lustigen Titel und presst den Hörer wieder mit Gewalt an die Wand. Brüllender und cleaner Gesang spielen Bäumchen wechsel’ dich und werden von Samples begleitet, die nach schlagenden Insektenflügeln klingen. Nicht schlecht, aber auch nicht besonders. „Pretending“ gehört zu meinen Lieblingen auf dem Silberling. Pianoklänge, cleaner Gesang, und ne ordentliche Portion Rock machen den Song zum Stimmungsgaranten. Episch und kraftvoll fräßt sich der Song in den Gehirnwindungen fest. Mushroomhead in Bestform. Ebenso wie in „The Need“, wo wieder die balladeske Schiene gefahren wird. Aber nicht ohne Pfundsgewaltige Riffs. Der melancholisch angehauchte cleane Gesang und ein eingängiger Chorus halten das Niveau vom vorangehenden Song aufrecht, und verbreiten eine fast traurige Atmosphäre. Klasse! „Cut Me“ fällt wieder deutlich elektronischer aus. Aufgebaut aus zwei Schichten, einer harten Schale und dem weichen Kern, klingt der Song mit dem unterschwelligen Piano-Schönklang und dem ruhigen Ausklang durchaus interessant.
Zackiger Rhythmus und vermehrt rockige Anteile treiben das gutklassige „The Fallen“ voran. Sänger Waylon lässt die klassische Rockröhre anklingen und gibt dem Song den letzten Schliff, so dass „TheFallen“ zum erstklassigen Abgehsong wird. Düster, rockig, gut.
„Embrace the Ending“ schließlich bildet einen perfekten Ausklang für ein durchaus herausragendes Album. Noch einmal wird es balladiös und melancholisch, lediglich von Akustikklampfen begleitet. Da fällt einem der Abschied fast schwer. Ja, Mushroomhead sind meine Freunde geworden. Besucht die Jungs doch auch mal in ihrer keinesfalls perfekten aber mit eigenartigen Wesen besiedelten Welt, die, so schroff und unwirtlich sie mancherorts sein mag, durchaus schöne Seiten hat die man gesehen haben sollte.
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