Mygrain "Orbit dance"
30.5.2006
Und eine weitere Metalband aus Helsinki, Finnland. Mygrain drücken jedoch wie so manch andere finnische Band nicht auf die Tränendrüse, sondern treten voll aufs Gaspedal, und präsentieren uns energiegeladenen skandinavischen Death Metal kombiniert mit eher typisch amerikanischen Einflüssen. Somit handelt es sich nicht um den klassischen Deathmetal Sound, sondern die Musik lässt sich vielmehr als modern Death Metal, der durch ein sehr hohes Maß an Melodie sehr eingängig ist, charakterisieren. Die Band entstand 2004 aus den Ruinen der vorherigen Band (New Science Band) von dem Vokalisten Tommy und den Gitarristen Matthew und Resistor, die schon seit 1999 zusammen Musik gemacht haben und ihre Leidenschaft für rauhen Metal in dieser Kollaboration nicht so schnell aufgeben wollten. Mit der Zeit fanden sich auch die anderen Mitglieder und das LineUp wurde mit DJ Locomotive (drums), Eve (keyboards) und Jonas (bass) im Sommer 2005 komplett. Das erste Demo wurde zur selben Zeit aufgenommen und brachte der Band den Deal mit Spinefarm ein, das jetzt das erste Full-length Metalbiest der Band, welches drei Stücke („Plastic“,“Downfall“ und „W.I.F.“) des Demos beinhaltet, auf den Markt loslässt.
Der erste Eindruck, den ich nach dem ersten Durchlauf von Mygrain habe, ist der, dass der Sound der Band mir nicht wirklich eigenständig vorkommt und alles andere als herausragend ist, da er nichts wirklich neues aufwirft. Ich werde teilweise stark an In Flames erinnert und auch andere Elemente erinnern mich an Musikbands der unterschiedlichsten Richtungen, die mir aber auch nach intensiven Grübeleien auf den Tod nicht in den Sinn kommen wollen (sollten sie also geklaut sein, dann zumindest sehr geschickt ;) ). Egal, denn wenn man sich weiter auf den Sound von Mygrain einlässt, kann man durchaus erfreuliche Entdeckungen machen und feststellen, dass sie alles andere als schlecht anzuhören sind. Als markantestes Markenzeichen der Band drängt sich einem vor allem anderen der Gesang auf. Es wird sehr viel variiert zwischen deathtypischen Growls und eher NuMetal charakteristischem cleanen Gesang. Letzterer tritt zuweilen in verstärkter Dichte auf, und kann einem eher Growls bevorzugenden Metalfan in bestimmten Stimmungen gewissermaßen auf die Nerven gehen, vor allem da der Sänger scheinbar einen Hang zu langen Noten hat, die er zuweilen in weinerlichem Tone ausdehnt. Wer cleanen Gesang in jedem Song jedoch mag, der wird an Mygrain seine wahre Freude haben, und natürlich kommen die Growls auch bei weitem nicht zu kurz. Die Musik ist sehr energetisch, die Gitarrenriffs und Drums treibend, es werden aber auch wie zum Beispiel in „W.I.F.“ durch sphärische Keyboardmelodien weitere atmosphärische Dimensionen erschlossen. „Humanimal“ zeichnet sich durch einen fast schon tanzbaren, treibenden Rhythmus aus, und in „Missery Assembly Line“ steht erneut das Keyboard sehr im Vordergrund und nimmt schon beinahe solistische Züge an. Ich kann der Platte jedenfalls nach mehrmaligen Durchläufen positive Charakteristika wie (vor allem gesanglichen) Variationsreichtum, rhythmisch angenehmer Härte und viel Melodie abgewinnen, die vor allem live sehr gut rübergebracht werden dürften. Hoch innovativ oder nicht, es gibt nun mal allgemeingültige Gesetze, die Musik einfach zu guter Musik machen, und die wissen Mygrain mit einer gehörigen Portion Power einzusetzen. Wer etwas ganz neues und andersartiges sucht, wird hier nicht viel finden; wer aber auf den typisch skandinavischen Deathmetal mit sehr modernen Tendenzen steht, der ist hier absolut richtig und sollte sich „Orbit dance“ umgehend besorgen, und darüber hinaus nach Livedates Ausschau halten, da es bei Mygrain live sicherlich angemessen abgeht.
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