Twilight Ophera "Descension"
11.9.2006
Die finnischen Senkrechtstarter von Twilight Ophera zeigen auf ihrem neuen Output, zu was sie in kompositorischer Sicht fähig sind. Der von Toni Näykki komponierte und Timo Puranen arrangierte Extrem-Metal Opus bewegt sich über das gesamte Spektrum des Metal, der wie wohl kein anderer musikalischer Stil Emotionen ausdrücken kann. Ob infernalische, aggressive Blastspeed Parts, gemäßigtere Stücke, die auch mit cleanen Vocals aufwarten könnern, gesprochene Passagen oder an Samael erinnernde Verwendung von Synthies, hier fügt sich alles zusammen. Manche Bands scheitern an derart aufwändigen Projekten und das Endresultat hört sich nach einem zusammengewurschtelten Brei aus verschiedenen Spielweisen an, ohne den Spirit der Einzelnen zu transportieren. Nicht so bei Twilight Ophera. Die Übergänge sind kaum zu bemerken, und nach einer halben Minute bemerkt man, dass sich der gehörte Track von einem Banger in eine Ballade verwandelt hat. Manchmal orientiert man sich meiner Meinung aber doch noch zu stark an den „großen“ Bands aus dem Genre, stellenweise fühle ich mich an Dimmu Borgir zu „Enthrone...“-Zeiten errinnert. Beispielhaft hierfür steht der Song „Sulphur Spiral“, in dem ziemlich viele „Anleihen“ an die Genannten zu finden sind. Textlich heben sich Twilight Ophera aber angenehm von stumpfen Satan und Deibel-Lyrics ab, die Texte handeln aber alles andere als von Blümchen und grünen Wiesen. Typisch finnische suizidfördernde Lyrics über Wahnsinn und Schmerz, verbrannte Erde und Hoffnungslosigkeit. Cool. Auch wenn die Texte manchmal doch ein wenig überladen wirken. Ich bin kein Linguist, aber mir kommt es so vor, als ob der für alle Lyrics verantwortliche Mikko Häkkinen das große Oxford-Wörterbuch genommen und ab und an nach ausgefallenen Vokabeln gesucht hat.
Ich hoffe, dass viele Leute sich die Mühe machen, diese Scheibe intensiv zu hören und der Band die Anerkennung zukommen lassen, die sie für dieses Werk verdient hat. Ein wenig Toleranz ist hier allerdings erforderlich, denn möglicherweise fällt das Album in einen Bereich, der manchem als zu hart, anderen hingegen als zu melodisch erscheinen wird. Das Album ist Beides! Als Anspieltipp möchte ich mein Lieblingsstück „Syn“ herausstellen. Der extrem variable Gesang, die Tempiwechsel...
Fazit: Das Album ist nicht perfekt, aber es ist einzigartig und hörenswert.
Jeder, der hier nicht mindestens ein Ohr riskiert, ist selbst schuld.
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