Delphian "Unravel"
6.5.2007
Der Mensch lernt ja bekanntlich nie aus. Toll! Ich hab heute nämlich gelernt, dass man niemals eine Band nach ihrem Cover-Artwork beurteilen sollte. Denn ginge es danach, dann hätte ich hundert-pro darauf getippt, das die Holländer Delphian auf ihrem neuen Album „Unravel“ Popmusik machen. Was völlig falsch wäre! Direkt der erste Song, sinnigerweise mit „Starting to Unravel“ betitelt, brettert einem so derb entgegen, dass man meinen könnte, man habe versehentlich die falsche CD in die Anlage gepackt. Ein ganz schön rockiger Einstieg, der keine falschen Versprechungen macht, denn auf „Unravel“ gehen Delphian einer Art groovenden Heavy Rock entgegen. Sehr rhythmisch und melodisch, und dennoch mit genügend Härte.
Überrascht hat mich auch die Sängerin Aniek Janssen. Eine glockenhelle Stimme, die mit ihrem klaren Klang einen Kontrast zu den Instrumenten bildet, wie er stärker kaum sein könnte. Und wenn sie an manchen Stellen nicht singt, dann setzt sie zum Flöten an – das kann sie auch ganz schön gut! Doch ganz gleich, was sie nun einsetzt, Gesangs- und Flötenpassagen geben ein klasse Hörerlebnis ab, indem sie sich partiell über die Riffs erheben, um sich dann wieder in die Grundmelodien einzufügen.
Dies lässt sich sehr schön sehen an Songs wie „Creation“ und „Hidden“, zwei ganz wunderbaren und sich ins Ohr brennenden Liedern, was vor allem dem starken Gesang und den toll ruppigen Gitarren zu verdanken ist. Zwei echte Highlights!
Und auch, wenn es zwischendurch an ein wenig Eingängigkeit fehlt und man sich mehr wiederkehrende Elemente herbeiwünscht, wie es zum Beispiel bei „Undone“ der Fall ist, so muss ich doch sagen, dass dieses Album vor dynamischem Rock und elegantem Arrangement zugleich nur so strotzt.
Das Paradebeispiel schlechthin hierfür ist der 10-minütige Song „Air“, der sich aus schweren Gitarren, zart-melancholischen Gesängen und leichtfüßigen Flötensoli zusammensetzt. Ein Glanzstück, das im Aufbau für das gesamte Album stehen könnte.
Delphian setzen sich mit „Unravel“ ganz klar von der Masse von Metalbands mit Frauen am Mikro ab. Ihr individueller Sound braucht keine computer-gemasterten Chöre, keine Gothic-Attitüde und keinen Bombast. Sie lassen sich nicht genau auf einen Stil festlegen, und das ist auch ganz okay. Denn was sie machen, das machen sie gut. Einen kleinen Punktabzug gibt es nur für die manchmal etwas untergebuttert abgemischte Sängerin, was aber nicht großartig stört.
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