Metal CD Review

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Eisregen "Blutbahnen"

Eisregen - Blutbahnen - CD-Cover

8.5.2007
Kontrovers waren Eisregen schon immer und auch auf ihrem nunmehr 6. Album begehen die Thüringer keinen Stilbruch sondern überschütten ihre Anhänger mit blutigen, räudigen Symphonien klanggewordener Krankheit. Die Thematisierung von Schuld und Sühne bzw. krankhaften Obsessionen bilden den roten Leichenfaden auf „Blutbahnen“. Morden aus Liebe, aus purem Überlebenswillen oder aus sinnlosem Hass heraus, ferner die Frage nach gerechter Strafe oder Rechtfertigung paaren sich mit Kompositionen bestehend aus dem ihnen eigenen Gore-Blackmetal. Dieser ist packender, düsterer und abwechslungsreicher als bisher und wartet auch mit der einen oder anderen Überraschung auf. Das Album ist somit so gut wie indiziert und auf bestem Wege in die Herzen der Fans.

Eine kleine Schlachtmusik“ öffnet dem Hörer die halb verfallenen, rostigen Tore zur Welt von „Eisregen“. Symphonische Keyboard-Klänge künden mit morbider Schwere vom kommenden Unheil. 1 Minute und 37 Sekunden später werden wir schon Zeugen grässlicher Vorgänge in den Wirren des Krieges...
...doch zwischen tausend andren Toten gefror sein Leib auf kaltem Boden...“ – Eisenkreuzkrieger“
Eisenkreuzkrieger liegt nicht etwa blinder Patriotismus zu Grunde, sonder beschreibt auf drastische Weise Grauen und Sinnlosigkeit vergangener und aktueller Kriege und erzählt die Geschichte zweier Soldaten im zweiten Weltkrieg, in deren verzweifelter Lage einer von ihnen zum Kanibalen wird. Doch nicht platte Illustration schockierender Tabus steht im Vordergrund. Denn letztlich rettet nicht einmal diese Verzweiflungstat den kanibalistischen Soldaten. Straff nach vorne gepeitschter Song mit molltönender Keyboardbegleitung und Geigenuntermalung. M.Roths krächzendes Organ wechselt sich mit klarem Gesang im getragenen Refrain ab.

Versuche deinen Weg zu gehen wohin er dich auch führen mag
Denn am Ende jener Reise
erwartet dich ein frisches Grab
“ – „Im Dornenwall“
Im Dornenwall“ stellt die Sinnfrage im Leben mit sehr persönlichen Lyriks von Roth. Inbrünstig und rasend, episch und düster prescht das Stück nach vorne. Rock-Gitarren neben schwermütiger Klavier- und Geigenuntermalung bilden den morbiden Nährboden für das Dornengewächs und Roths Blutkehle.

...so leg ich meine Finger in die Wunden
die häufig eitern, beständig wachsen...
bis meine Seele sich verschliesst,
und mein gesundes Auge keine Träne mehr vergießt...
“ - „Ein Hauch von Räude“
Ein Hauch von Räude“ treibt die Ekelgrenze wieder nach oben. Fantasien von Nekrophilie beschrieben in eitrigen, verwesenden Versen voller Fäulnis und Abartigkeit. Musikalisch langsam gehalten, morbide schwelend und im Refrain im Wahn losbrechend. Der Wechselgesang von Roth geht erneut durch alle Extreme.

...17 Menschen starben,
durch Erfurts schlimmsten Sohn...
“ – „17 Kerzen am Dom“
Das Lied, das wohl nach den meisten Antworten in kommenden Interviews verlangen wird.
Robert Steinhäusers Tat minutiös nacherzählt. Brutal offen und schmerzhaft aufwühlend. Bereits im Vorfeld wurde heftig diskutiert, ob man mit dem Täter in der lyrischen Bearbeitung nicht zu wohlwollend umgeht. Aber Titulierungen wie im Textausschnitt oben, oder die Bezeichnung seiner Tat als „feige“ sowie das Herausstellen der Sinnlosigkeit seiner Tat sprechen wohl für sich. Begleitet von rockigen Riffs die in etwa an einige Lieder der Onkelz erinnern, unterlegt mit Orgelsounds singt M. Roth mit cleaner Stimme, immer im Wechsel mit stampfendem Metal, durchzogen von Roths Blutkehle, und tiefen Growls. Gegen Ende steuert der Song noch einmal in epischere Gefilde.

...Schaut sie euch nur an
meine Kaiserin im Fleischexil...
“ – „Blutbahnen“
Blutbahnen“. Der Titelsong des Albums ist eine getragene Ballade mit opulenter Geigenuntermalung. Roth singt, durchgehend clean, ein leidendes Poem von mörderischer Liebe. Und wieder folgt der Täter seinem Opfer.

...Vater eins sei dir gewiss
dein Rudel ändert sein Gesicht...
“ – „Alphawolf“
Eine junge Frau wird in „Alphawolf“ zur Beute. Aber hier wird nicht gemordet. Ein Lied über Fleischeslust und Triebhaftigkeit. Eine Fabel, in der Männer als hungrige Wölfe im Konkurenzkampf um ihre „Beute“ stilisiert werden. Klavierbegleitung in tiefstem Moll und treibende Gitarren begleiten Roths krächzenden, growlenden Gesang.

...sie hat sie halt zum Fressen gern
bis kein Fleisch mehr übrigbleibt...
“ – „Frischtot“
Diesmal sind junge Männer die bevorzugte Kost der Angebeteten des Täters. Er mordet für seine geliebte Kannibalin und wird am Ende selbst zu ihrem Opfer. Schön kranker Metal mit Doublebass und fast beschwingter Klavierarbeit.

...mal schaun ob sie noch immer höhnen
wenn ich sie aus dem Leben reis’...
“ – „Schlachthaus Blues“
Zurückgewiesene Zuneigung wird in „Schlachthaus Blues“ 4 Frauen zum Verhängnis. Der Täter übt blutige Rache und folgt seinen Opfern am Schluss in den Tot. Langsam und schwer wälzen sich die Riffs, begleitet von Hammondorgel-Klängen durch die Mordsynphonie.

Zum Ende des Albums gehen wir noch einmal „Zurück in die Kolonie“. Der Kranke aus der Krebskolonie kehrt zurück um sein Werk zu vollenden. In einer Menschenleeren Welt befreit er sich schließlich vom von Krankheit geplagten leben. Musikalisch geht es ebenfalls zurück zu den Anfängen. Garstiger Black-Metal, unterbrochen von einem kurzen Walzerrhythmus.
Schneuz dir den Kasper“ schließlich ist eine opulente, schwermütige Ode an... ja, hört euch den reichlich ulkigen Text an und alles ist klar. Musikalisch echt gelungen und eines der besten Lieder auf „Blutbahnen“.
Eisregen machen große Schritte nach vorne. Ob es nun der vielfach eingesetzte, cleane Gesang von M. Roth oder die erstklassige Gitarrenarbeit von Bursche Lenz ist. Musikalisch spielen Eisregen inzwischen in der oberen Liga. Textlich gibt es die gewohnte Kost und wird wohl keinen Fan enttäuschen. Wer schon immer Probleme mit den Thüringern hatte, wird auch diesmal nicht mit ihnen warm, interessierte sollten aber mal ein vorsichtiges Ohr riskieren.





Tracklist

1. Auftakt: Eine kleine Schlachtmusik ***
2. Eisenkreuzkrieger ****
3. Im Dornenwall ***
4. Ein Hauch von Räude ****
5. 17 Kerzen am Dom *****
6. Bltbahnen ****
7. Alphawolf ***
8. Frichtot ****
9.Schlachthaus-Blues *****
10. Zurück in die Kolonie ****
11. Schneuz dir den Kasper *****

VÖ: bereits erhältlich
Punkte: 9,5/10 Daniel/ V.U. Label: Massacre Records
Anspieltipps: ***** CD suchen bei

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