Ellipsis "Imperial Tzadik"
31.3.2007
Eine definitiv andere Band sei Ellipsis, psychopathisch und schizophren, mit Doom- und Progressive- Einflüssen. Ich habe mittlerweile gelernt, dass Bands, welche als anders, verrückt oder sonstwie außergewöhnlich angepriesen werden, meistens vor allem außergewöhnlich schlecht sind. Dementsprechend erwartungslos bin ich an diese Review gegangen, und wurde glücklicherweise positiv überrascht. Die seit 1996 bestehende französische Band legt mit „Imperial Tzadik“ eine interessante, kurzweilige und musikalisch hochwertige Platte vor, welche sich an den hochgestochenen Ankündigungen durchaus messen lassen kann. Produziert wurde die Platte von niemand geringerem als Terje Refsnes, welcher seine Hände schon bei Bands wie Tristania und Theatre of Tragedy im Spiel hatte. Dementsprechend klar und professionell ist der Sound auf Ellipsis‘ vierter Platte.
„Perfect Rage“ eröffnet dieses außergewöhnliche Musikspektakel, und zwar mit shreddenden Gitarren und druckvollen Drums. Doch schon bald ertönen eine süße Melodie und psychedelische Vocals. Der Doom-Einschlag ist unverkennbar, doch gleichzeitig wirkt die Konstruktion leicht und rockig. Der Titeltrack brilliert vor allem durch Sänger Emmanuelson, dessen Gesangspektrum zwischen hohen und psychedelischen Tönen und einem psychopathischen Singsang liegt. Eine musikalische Überraschung ist gegen Ende ein sich sehr nach Project Pitchfork anhörender Einschub. „The Witness Tree“ ist dann wieder ein bißchen härter, Grunten und klarer Gesang wechseln sich ab. Auch ein Klavier ist zu hören, und zwischendrin ertönt eine orientalisch angehauchte Melodie. Diese Musik einzuordnen ist beinahe unmöglich, und mit jedem weiteren Mal, das man die Platte hört, fallen einem neue Einzelheiten auf. „A Box In Ocean“ legt zum ersten Mal eine ziemliche Schnelligkeit vor, hier werden einige progessive Aspekte miteinbezogen. Die Geschwindigkeit variiert auch hier, die zweite Hälfte des Liedes ist ein langsames, die Gitarren in den Vordergrund stellendes, instrumentales Experiment. Auf dem aggressiven „Tribal Misericordia“ erklingen indianisch anmutende Rufe, das langsamere „Possessed by Dilemna“ weist sowohl interessante Gitarrenriffs als auch eine im Hintergrund stehende, wunderschöne Keyboard-Melodie auf. Hier wundere ich mich einmal mehr wie viele verschiedene Aspekte man in einem Lied unterbringen kann, ohne dass es schief klingt, sondern im Gegenteil trotzdem in sich geschlossen ist. Nach dem instrumentalen Zwischenstück „Mentalogy“ geht es druckvoll mit „Temple of Anarchist Empire“ weiter. Auf dem komplexen „Green Kommando“ werden unter anderem spanische Gitarren verwendet, „Liquid Machine X“ dagegen wirkt eher synthetisch und platt. Dafür kreiren Ellipsis mit dem über neun minütigen „Kingdom of Hate and Green“ einen genialen Abschluss eines überraschenden Albums. Der rein instrumentale Schlusssong zieht in der zweiten Hälfte das Tempo an und hinterlässt am Ende einen sprachlosen Hörer.
So wie die Länge der Tracks zwischen zwei und neun Minuten variiert, so variieren auch die Geschwindigkeit und Stilrichtungen auf diesem Album. Dementsprechend interessant ist es, sich in dieses experimentelle Goldstück einzuhören. Empfehlenswert!
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