Kiuas "The New Dark Age"
16.7.2008
Hierzulande noch eher ein Insider-Tipp, haben KIUAS in ihrer Heimat Finnland einen so großen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad, dass sie mit Ihrem in Finnland bereits im März dieses Jahres erschienenen dritten Full-Length-Album direkt in die Charts einsteigen konnten. Das mit „The New Dark Age“ betitelte Werk bietet abwechslungsreichen Power Metal, der sich bereits beim allerersten Anhören seinen Weg durch den Gehörgang direkt in die Gehirnwindungen bahnt. Ein eingängiger Song reiht sich an den nächsten, und so ist der kommerzielle Erfolg im Rest von Europa für mich schon vorprogrammiert. Wer jetzt aber an eine nach Schablone gepresste Hammerfall/Stratovarius Soundalike Kapelle befürchtet, der ist schief gewickelt; trotz wirklich extrem melodischen und dementsprechend mainstream-artigen Vocals rocken Kiuas auf einem deutlich härteren Level als genannte Bands. An manchen Stellen ballern KIUAS derartig los, dass man meinen könnte, man hätte es mit einer unekannten Bay-Area-Thrash Band zu tun. Im Akustik-Song „Ater the Storm“ zeigt man hingegen echte Liedermacher-Qualitäten und kann mit fantastischem Duett-Gesang ein Glanzlicht setzen. Solche kurzen Ausflüge in genrefremde Gefilde zeugen von der musikalischen Vielfalt und dem Können der bereits seit 2000 bestehenden Formation, deren Bandname merkwürdigerweise das finnische Wort für „Saunaofen“ ist.
Wenn also Kiuas zwar bei der Wahl ihres Bandnamen für meinen Geschmack, nun ja, vielleicht nicht ganz so treffsicher sind, so sind die Artworks ihrer Scheiben wirklich sehenswert; ein Bonusschmankerl zu den präsentierten 10 Tracks, die ich jetzt kurz vorstellen werde.
Eröffnet wird mit „The Decaying Doctrine“ das im Refrainbereich unschlagbare Eingängigkeit aufweist, ansonsten aber auch mal etwas kantiger nach vorne losgeht.
Das folgende „Conqueror“ zählt zu den härtesten Stücken der Scheibe (Refrain natürlich ausgenommen, hier wird wieder volles Rohr mit der Melodie-Keule draufgehauen), ohne den harmonisierenden Keyboardeinsatz hätten wir hier eine ziemliche Metal-Abrissbirne vorliegen.
„Kiuas War Anthem“ hat außer dem furiosen Anfangsthema nicht allzuviel Spektakuläres zu bieten, dieser Song ist eher Mittelmaß.
„The New Dark Age“ bietet wieder überraschend hartes Material, hier wird an mancher Stelle hübsch auf die Doppelfußmaschine getreten.
To „Excel and Ascend“ vermischt orientalisch angehauchte Melodie mit gegrowlten Vocals während der Strophe, und wieder einmal einem super eingängigen Refrain. Auch der mit gezogener Handbremse gespielte Zwischenpart verdient das Prädikat „hörenswert“. Einer meiner Favoriten auf diesem Album!
„Black Rose Withered“ reißt mich jetzt nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hin, ist aber trotzdem besser, was eine andere 08/15 Powermetal-Kapelle anzubieten hat.
„After the Storm“ ist definitiv nicht Metal. Aber auf jeden Fall ein Super Song, der mich dazu verleitet, nach meiner Wandergitarre zu greifen und sie nach fünf Minuten verzweifelten Nachspielversuchen wieder in die Ecke zu pfeffern.
„Of Sacrifice, Loss and Reward“ knallt nach diesem Ausflug in ruhige Gefilde richtig schön rein; auch wenns für meinen Geschmack beim Refrain mit der Schönklang (mal wieder) etwas übertrieben wird.
Dasselbe in Grün auch für „The Summoning“: etwas mehr Kante könnte auch hier nicht schaden.
„The Wanderer´s Lamentation“ klingt während der ersten Minute eher nach einem Eric Fish-Song, der Wechsel in metallische Gefilde wird allerdings gekonnt vollzogen, und mit hymnenhaftem Charakter steht hier am Ende des Albums noch ein ganz großer Song des Fünfers.
Zusammenfassend kann man hier ruhigen Gewissens neun Punkte verteilen.
Daumen hoch.
weitere CD-Reviews »»
