Mevadio "Fresh Kill Daily"
19.8.2008
Bewegten wir uns im kulturpolitischen Bereich, wäre “multikulturell” der treffende Begriff, um die fünf Dänen um Mevadio zu beschreiben. Vielen Einflüssen haben die Jungs auf ihrem neuen Album ein Plätzchen bereitet, welche von Rockklassikern, über Power Metal-Gitarren bis hin zu Death Metal-Einlagen reichen. Etwas ungestüm beginnt “The Abusers´ Manual”, welches dem Hörer rasch bewusst werden lässt, dass sich Mevadio nicht den Stempel eines einzigen Genres aufdrücken lassen. Ertönen zunächst noch verspielte, melodische Gitarren, die, wenn man es nicht anders wüsste, auch gut dem finnischen Melodic Death Metal zugeordnet werden könnten, schlägt die Stimmung bald in tiefe, doomige Riffs um, die alsbald von Krugers facettenreicher Stimme untermalt werden. Dieser erweitert das beeindruckende Spektrum und röhrt in Lagen zwischen Metalcore und Linkin Park (kein Witz!). Was nun so positiv klingt, hat aber auch einen Haken: Vor lauter Individualität vergessen die Dänen die Eingängigkeit! “The Abusers´ Manual” ist wirklich kein Song, der lange im Ohr bleibt, auch wenn er auf der Mikrokebene sehr gut komponiert ist.
Anders sieht es dann mit “Ultimate Human Virtues” aus. Dieser Song verlässt zwar die Wege des Schmelztiegels vielfältiger Einflüsse und steht mehr im Zeichen des modernen Metalcore bis Death Metal, aber bewegt weitaus mehr. Der Versiertheit der Musiker wird der Song dennoch gerecht und auch Kruger kann sämtliche Stimmlagen einfließen lassen, doch scheint es fast als hätten sich Mevadio im etwas weniger verkrampften Streben nach Einzigartigkeit einen größeren Gefallen getan als im Versuch sämtlichen jemals bewunderten Idolen Tribut zu zollen.
Gleiches gilt auch für den dritten Song “Norma Jean”. Ohne die sich fast schon bekämpfenden Stile wirken die fünf wesentlich eigenständiger und singen eine Ode an die jung verstorbene Marilyn Monroe, deren bürgerlicher Name Norma Jean war, wie das vor ihnen sicherlich noch niemand getan hat. Jedenfalls fällt es schwer einen zweiten Rock/Metalsong ausfindig zu machen, der der Blondine huldigt...
Glücklicherweise verlassen Mevadio diesen Pfad auch nicht mehr, den sie nach dem etwas verwirrenden Opener eingeschlagen haben. Es bedarf nicht großer Worte, um hervorzuheben, dass Mevadio ein Album kreiert haben, welches hart und zart zugleich ist, nicht zuletzt dank der beeindruckenden Bandbreite des Sängers. Ihre geliebte Individualität haben die Dänen sicherlich erreicht, sicherlich aber nicht auf dem Weg, auf dem sie sie erreichen wollten. Macht aber nix! Eine charakteristische Band in einem bestimmten Genre zu sein, ist mehr wert, als eine öde Gruppe, die sich jeglicher Kategorisierung entzieht. Hoffentlich lernen das auch noch andere...
weitere CD-Reviews »»
