Nightmare "Genetic Disorder"
3.12.2007
Die französische Band Nightmare bietet uns auf ihrem neuen Album „Genetic Disorder“ wieder ein ganz klares Power-Metal-Brett und bleibt somit ihrer Linie treu, jedoch mit deutlich mehr Härte als auf ihren bisherigen Alben. Da scheint der Wechsel zu Regain Records doch äußerst gut getan zu haben – ein Label für Leute mit gut durchtrainiertem Nacken! Denn allein mit dem Song „Nothing Left Behind“ beweisen Nightmare, dass Power Metal von heute nicht mehr in die weichgespülte Klischee-Schublade gesteckt werden muss. Ein Opener, der mit deftigen Gitarren und der einzigartigen, rauen Stimme von Sänger Jo Amore zwar den alten Charme der vergangenen Alben wiederbelebt, allerdings ein neues Kapitel aufschlägt, mit treibenderen Rhythmen, mehr Düsterheit, und mehr Nachdruck. Schon mal ein Rübenschwinger!
Auch im folgenden werden dem Hörer ordentliche Leckerbissen dargeboten, vor allem mit den starken „Battleground For Suicide“ und „Leader Of The Masquerade“, die ich als Beilage zu Bier und Schwert empfehle – mehr Power Metal geht nicht! Neben dem wie schon erwähnt sehr charismatischen Gesang bestechen vor allem diese beiden Songs durch ein kräftiges Schlagzeug und ein beeindruckendes Konstrukt von Gitarrensoli mit extrem melodiöser Linie. Der ganze Zauber ist leider wieder verflogen, sobald „The Dominion Gate (Part II)“ erklingt. Das ist schon schade, denn was im ersten Teil dieser Scheibe so dynamisch begonnen hat, verschwindet hier durch eine recht lahme und zu eingängige Radio-Nummer, in der ich höchstens das Giterrensolo loben kann, das einem sehr angenehm ins Ohr geht. Dem Titel nach zu urteilen, kann dieser Song vielleicht ein Nachruf an das vorangegangene Album „The Dominion Gate“ sein, und somit nicht allzu relevant für meine Wertung, da „Genetic Disorder“ im Grunde durch eine härtere Linie besticht.
„The Winds Of Sin“ und vor allem „Forsaken Child“ ziehen den Wagen ganz eindeutig wieder aus dem Graben! Ganz fantastische Refrains, die richtige Ohrwurmkandidaten sind, und vor Kraft und Keule nur so strotzen, machen sich hier breit und Jo Amore lässt sich sehr schön mit der Melodie von seiner finster rauchenden Stimme bis hinauf zu markanten Schreien leiten, was eine Steigerung der Vehemenz innerhalb des Albums umso besser verdeutlicht. Zum Ende hin wird die Scheibe einfach immer stärker. (Da war „The Dominion Gate (Part II)“ glücklicherweise ein kleiner Ausrutscher.)
„Genetic Disorder“ ist kein Meilenstein der Metal-Geschichte, aber durchaus ein Album, das mich wählerischen Metaller für sich gewinnen konnte. Und ganz bestimmt werden sich diejeinigen an diesem Album erfreuen, die von Nightmare nichts neues mehr erwartet hatten. Auch Fans von Hammerfall oder Freedom Call empfehle ich diese Scheibe, damit mal an einem guten Beispiel der Power Metal exerziert werden kann – ihr werdet begeistert sein!
weitere CD-Reviews »»
