Metal CD Review

V.U.-Site durchsuchen

Orden Ogan "Vale"

Orden Ogan - Vale - CD-Cover

17.2.2008
Orden Ogan, schon vor Veröffntlichung mit ordentlich Vorschusslorbeeren überschüttet, werden nicht selten als DIE Hoffnung für den deutschen Metal dargestellt.
Sicher ist, dass sie mit dem aktuellen Output Vale eines der meisterwarteten (Melodic-Metal) Underground Releases in den Startlöchern sitzen haben.
Wer jetzt gähnt, abwinkt und an Freedom Call und Spießgesellen denkt, hat bei manchem Song / Arrangement zwar recht (aber das ist nun mal das, was der „Zielgruppe“ gefällt), aber Orden Ogan haben darüber hinaus ausnahmsweise auch ein paar eigenständige Ansätze. Besonders die Gitarrenarbeit ist stellenweise deutlich tougher als bei vergleichbaren Kastratenkapellen.
Klar, Thrash Metal findet nun WIRKLICH nicht statt, aber an manchen Stellen kann ich mir sogar ein angedeutetes Kopfschütteln nicht verkneifen, vor allem wenn man mal ein wenig mehr AC/DC Dreck und etwas weniger ABBA-Melodie einbaut. Leider viel zu selten, so dass unter dem Strich doch wieder eine verweichlichte Harmonie-Friede-Freude-Eierkuchenplatte dabei herauskommt. Mit hoch fiependen Synthies á la Stratovarius!
Wem´s gefällt... mir einfach zu, na ja, verspielt?
Kurze Zusammenfassung der Tracks:
Graves Bay: Nettes, stimmungsvolles Intro.
To new Shores of Sadness: Beginnt sehr skandinavisch, könnte man sicher auch als einen Bastard aus In Flames und neueren Blind Guardian (Chöre!) beschreiben.
Winds of Vale: Überrascht mit teilweise vorhandener Härte, vor allem die nett rockenden Strophen (wobei die ultra seichte Bridge wieder sämtliches Bangpotenzial entfernt-da fühlt man sich eher verleitet, mit der Freundin gaanz eng zu tanzen und ein wenig zu kuscheln). Unter dem Strich trotzdem einer der besten Tracks des Albums.
Farewell: Eine Halbballade so lahm und seicht, dass mir beim Hören fast die Augen zufallen. Gut, kleinen Mädchen und HIM-Fans könnte das ganze vielleicht ein paar Tränchen in die Augen treiben, aber ein gestandener Metaller kann so einem Geschwurbel nix abgewinnen.
Reality lost: Hier wird endlich mal wieder ein bisschen am Pegel gedreht, und Orden Ogan rocken sogar ganz ordentlich. Ganz okay der Song. Jetzt erinnerts mich doch auch wieder ein wenig an Blind Guardian. Was gut ist.
This is: Netter Rocker, sehr eingängig. Ziemlich radiotauglich. Wenn Bands noch was mit Singleauskopplungen verdienen könnten, dann wäre das hier eine.
Tut niemand weh. Trotzdem nicht schlecht.
This was: Kurzes Interlude.
Something pretending: Der Song fängt ausgenommen hart an, und könnte aufgrund des eingespielten Frauen-Synthie-Singsangs Fans von Epica und Konsorten ansprechen. Ansonsten aber echt nix besonderes. Der Zwischenpart ist wieder so süßlich, dass ich versucht bin, mir eine Ladung Insulin zum Zuckerabbau reinzupfeifen. Die netten Gitarrenduelle im Mittelteil sind für mich das klare Highlight bei diesem Song.
The Lord of the Flies: Immer wieder ein nettes Thema, dass gerne von Bands aufgenommen wird, und mehr oder minder gut umgesetzt wird.
Der Song ist recht gelungen, überzeugt mit einer guten Gesangsleistung, und Sänger Seeb nutzt hier auch mal zur Abwechslung mehr als nur den Spülschongang, und setzt ein wenig „Macht“ in die Stimme. Das würde anderen Songs auch gut zu Gesicht stehen!
...and if you do right: Jetzt zur Abwechslung mal ne richtige Ballade, die ganz nett daherkommt, aber durch die ewige Wiederholung des gleichen Refrains zum Ende hin eher langweilt. Meinetwegen hätte man den Song bereits nach dreieinhalb Minuten abschneiden können und die unnötigen Schlagzeugparts gleich weglassen können.
What I´m recalling: Eine absolute Standard-Nummer für Melodic-Metal Fans. Geht rechts rein und links raus, das einzig coole an dem Song sind die Backing Vocals „What I´m recalling“. Das nervigste: Das Mitsing-Wo-oh-ho Gedöns am Ende.
A Friend of mine: Hier wird auch mal etwas groovig zu Werke gegangen. Haut definitiv mehr rein als 95 % des Albums. Aber leider muss man sich dann wieder in fiependem Keyboard-Gefrickel ergehen.
The candle lights: Episch. Jaaa, das gefällt mir. Null harte Klampfen, trotzdem ein Highlight des Albums.
Danach folgt noch ein Hidden track, der mich an eine schlechte Version des Titellieds von „The fresh Prince“ erinnert. Au Mann, Body Count hätten das auch nicht schlechter hingekriegt. Selten so über einen hidden track gelacht.

Hier von der Rettung des deutschen Melodic Metal zu sprechen, finde ich doch etwas übertrieben. Für Fans des Genres aber sicher zu empfehlen. Wer also Slayer viel zu hart findet und hofft, dass Edguy endlich wieder ein paar melodischere Songs schreiben ist hier richtig.
Allen anderen wird es hier aber eindeutig zu brav und handzahm zugehen.
Einen Pluspunkt sollte man für die super geile Aufmachung der CD vergeben. Sollte man. Tu ich aber nicht.
Ordentliche Melodic-Kost, aber DIE Metal Hoffnung Deutschlands? Hoffentlich nicht.

Tracklist

1. Graves Bay
2. To new Shores of Sadness**
3. Winds of Vale***
4. Farewell
5. Reality lost
6. This is***
7. This was
8. Something pretending
9. The Lord of the Flies**
10. ...and if you do right
11. What I´m recalling
12. A Friend of mine*
13. The candle lights***
Punkte: 6,5/10 Ruupü/V.U. Label: Yonah Records
Anspieltipps: ****** CD suchen bei » CD bei Hitflip tauschen

weitere CD-Reviews »»
© Visions Underground Heavy Metal Magazin, webdesign by Grit Laskowski