Paganize "Evolution hour"
9.1.2007
Paganize sind als Sideproject von ZYKLONs und EMPERORs Trym enstanden und sind nun zu einer ebenbürtigen, soliden Band gereift. Wer hier allerdings Black Metal oder ähnliches erwartet, ist vollkommen fehl am Platz: Paganize sind laut Infoblatt “Power Metal mit klassischen Heavy Metal Melodien und –Groove“. Die Norweger werden als Melting Pot verschiedener Genres beschrieben; hier sollen sich Parallelen zu Größen wie Queensryche, Black Sabbath, Dio, Iron Maiden, Judas Priest und Accept finden.
Ob sie all den Vergleichen gerecht werden oder nicht, sei mal dahingestellt. An die Originale kommt wohl sowieso keine noch so gute Kopie heran, mal ganz abgesehen davon, dass ein Abklatsch alter Größen nichts Originelles ist. Daher ist es also gut, dass sich die Band auf ihren eigenen Stil fokussiert, wo sie verschiedene Stile des Metalgenres zusammenmixen. Mit dem druckvollen Opener „The Hour“ zeigen sie sogleich unumgänglich, wo’s langgeht: hier ist klassischer, traditioneller Heavy Metal am Werk, der mit einer zielstrebigen Härte und viel Groove vorantreibt, dabei jedoch immer sehr melodisch bleibt. Geprägt wird dies durch hohen und druckvollen Gesang, der leider gar nicht mein Geschmack ist, doch die Musik macht mir das Ganze erträglich: in progressive Gefilde driftend und im Metal der 70er und 80er Jahre verwurzelt, bleiben bis auf den Gesang wenig Spuren von Melodic Power Metal in seinem eigentlichen Verständnis übrig. Originelle, heavy Riffs und melodische Gitarren werden hier groß geschrieben, es gibt viele virtuose Soli und gerne wird auch mal ins Progressive abgedriftet. „The Hour“ ist für mich der stärkste Song des Albums, doch mit „Hollow“, das man als Heavy Metal Ballade bezeichnen könnte, schaffen die Norweger eine kleine Abwechslung. Das darauffolgende „Turn of the Tide“ hat mit seinem hypereingängigen Refrain das Potential einer typischen, perfekt zum Mitgröhlen geeigneten Heavy Metal Hymne. Der Rest des Albums bereitet mir jedoch Bauchschmerzen, was aber lediglich auf meinen persönlichen Geschmack zurückzuführen ist; hat man die nötige Toleranzschwelle für diese Frequenzen, hat man sicherlich am ganzen Album seine Freude. Einen fetten Minuspunkt gibt es jedoch für die Tatsache, dass man nach dem letzten Song noch 15 Minuten absoluten Leerlauf anhängt, der nicht mal mehr zum Schluß mit einem Hidden Track überrascht und somit augenscheinlich nur der Verlängerung der Gesamtspielzeit dient, die dann statt 45 Minuten eine knappe Stunde beträgt. Sehr originelle Ver*****ung des Konsumenten...
Paganize bieten eigenständigen, groovig-erfrischenden Heavy Metal, den jeder Fan des traditionellen, melodischen Heavy Metals, der nichts gegen hohe Stimmlagen einzuwenden hat, mal auschecken sollte.
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