Pathosray "Pathosray"
13.12.2007
Mit Pathosray wird ein Album auf dem deutschen Markt angeschwemmt, das im Gegensatz zu vielem anderem Strandgut etwas zu bieten hat.
Beim Durchlesen der Labelinfo war ich zunächst skeptisch, was da wohl gleich zu hören sein würde. Ein Schriftzug, der doch etwas an den von Stratovarius erinnert, und eine Band aus Italien. Doch meine Befürchtungen, es mit einem der vielen Rhapsody / Labyrinth / Sonata Arctica Clones zu tun zu haben, wie sie zuhauf im südeuropäischen Raum herangezüchtet werden, wurden zum Glück schnell zerstreut. Das Repertoire Pathosrays reicht wesentlich weiter als der Bereich „Hoher Cleangesang plus zuckersüße Gitarren- und Keyboardläufe“. Klar, auch hiervon ist ordentlich was auf der Scheibe vertreten, aber abwechslungsreich in Szene gesetzt mit coolen Doublebassparts, irrwitzigen Bassläufen und einer flexiblen Gesangstimme, die nicht nur in den hohen Lagen überzeugen kann.
Insgesamt ist das Album ein Schmankerl für jeden Fan gut gespielter Rock/Metalmusik, jeder Dream Theater-Fan sollte seine Freude daran haben (auch wenn das vielleicht doch ein Vergleich zwischen UI-Cup und Champions League ist).
Allein die Tatsache, dass das Album bei einer Spielzeit von 52 Minuten insgesamt 7 „vollwertige“ Songs enthält, ist schon ein deutlicher Fingerzeig in die Frickelecke. Das hier gute Instrumentalisten zu Werke sind, merkt man sofort – dass das einem Song nicht immer gut tut, ist aber auch nicht zu bestreiten.
An mancher Stelle baut man Komplexität nur der Komplexität willen ein, wo eine einfachere Songstruktur wirkungsvoller wäre. Beispielsweise beim Opener „Faded Crystals“, der nach dem Piano-Intro „Free of Doubt“ meiner Meinung nach zugunsten von kleinen Schlagzeugspirenzchen an Punch verliert.
In den meisten Fällen gelingt Pathosray aber der Spagat zwischen Technik und Eingängigkeit.
Das schöne an so einem Album ist, dass man bei jedem Hördurchgang neue Details entdeckt, die jeden Song dazu gewinnen lassen. Wer ausschließlich auf geradlinigen, dreckigen Rock´n´Roll mit Punkattidüde steht, sollte auf jeden Fall einen Bogen um Pathosray machen. Für Leute, die aber auch mal gewillt sind, etwas genauer hinzuhören und mit den bekannten Verdächtigen wie Symphony X, 70-Jahre Rush oder Pain of Salvation etwas anzufangen vermögen, werden hier bestens bedient.
Zudem sich das Album nicht nur im CD-Schacht gut macht, sondern auch im Regal: Für das stimmungsvolle Booklet ist Mattias Norén verantwortlich, der auch schon Silberlinge von u.a. Evergrey, Kamelot, Ayreon oder Epica veredelt hat (aber sich leider aufgrund mieser Zahlungsmoral einiger Bands/Labels in Zukunft einem „normalen“ Job widmen wird).
Einen einzelnen Song hier hervorzuheben ist vielleicht nicht angebracht, da ich hierzu das Album wohl noch einige Male anhören müsste (mit wechselndem Ergebnis), aber derzeit gefällt mir eigentlich „Sorrow never dies“ am besten.
Hier lohnt sich auf jeden Fall mehr als nur Reinhören. Absolute Kaufempfehlung und Daumen nach oben!
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