The Provenance "Red Flags"
9.1.2007
The Provenance, eine Band die es bereits seit 1996 gibt (damals unter dem Namen Asmodeus), stammen aus der vielversprechenden schwedischen Region um Göteborg, die bekanntlich klassische Bands wie At the Gates, Dissection, Dark Tranquillity oder auch In Flames hervorgebracht hat. Umso gespannter bin ich, als ich das vierte Album der Band einlege. Früher noch beim italienischen Label Scarlet Records unter Vertrag, hatte die Band angeblich Melodic Death Metal und Folk Wurzeln, von denen jedoch auf ihrem Debüt bei Peaceville Records leider nichts mehr zu spüren ist. Female-fronted Progressive Rock mit traurigem Gothic-Farbton könnte man den Stil von The Provenance wohl am anschaulichsten beschreiben. Ich sage hier ganz gezielt Progressive Rock, denn als Progressive Metal kann man diese Scheibe nun wirklich nicht bezeichnen. Fans von The Gathering u.Ä. dürften jedoch vielleicht Gefallen an „Red Flags“ finden, möglicherweise sogar sogenannte Emo- Fans, die gerne in Selbstmitleid schwelgen.
Mit ihrer Musik will die Band durch einen mit einem Schuß düsterem Humor geprägten Realismus die trostlose Welt, in der wir leben, und die damit einhergehende Frustration und Hoffnungslosigkeit porträtieren. Schon der Opener „At the barricades“ demonstriert die Zielsetzung des Albums: verzweifelt gesungene, emotionale Lyrics, untermauert von treibendem Rhythmus und eingängigen Melodien. Mit Track 2 geht’s genauso energisch weiter, und hier meldet sich Tobias’ Stimme auch erstmals zu Wort. Stimmungsvoll, melancholisch und trostlos geht’s dann auch mit dem langsameren „Thanks to you“ weiter, wo Emma’s und Tobias’ Gesang sich erst abwechseln und dann gemeinsam harmonieren. Hier sind vor allem die Keyboards hervorzuheben, die nicht vordergründig durch die Gegend dudeln, sondern gezielt Akzente setzen. Überhaupt ist der Zugang zum Album recht dynamisch, seine Soundlandschaften beinhalten und vermitteln eine gewisse Distanz, und die Kombination von Emma’s und Tobias’ Gesang ist sicherlich mit Abstand die größte Stärke dieser Band. Die Stimmen duellieren, vereinen sich in zusammen vorgetragenen Melodien und gehen dann wieder getrennte Wege. Der Sound ist also recht eigenständig, an der Produktion gibt’s auch nicht viel auszusetzen, doch reicht dies leider noch lange nicht für qualitative Musik aus, denn spätestens ab der Hälfte wird das Album ziemlich eintönig. Nach einem temporeichen Einstieg wechseln sich langsame Songs stetig mit schnelleren ab, was zwar ziemlich abwechslungsreich klingt, aber sehr bald große Langeweile erzeugt, da sich die Band einfach ständig selber wiederholt, ohne den Hörer dabei in irgend einer Art oder Intensität gefühlsmäßig zu ergreifen. Ausnahme hierbei bietet, wenn überhaupt, „Second and last but not always“, für mich der stärkste und bestarrangierteste Song des Albums. Die Songs beinhalten zwar alle nette Arrangements und eingängige Melodien, doch die Gitarrenriffs sind recht monoton und ihr instrumentales Gesamtpotential verkümmert geradezu- es gibt kein Solo auf dem ganzen Album. Insgesamt ist die musikalische Virtuosität mal abgesehen vom Gesang daher eher simpel und unspektakulär; lediglich beim Tempo und Rhythmus wird etwas mehr variiert, doch bleibt alles viel zu sehr im Gewöhnlichen. Bei der Ballade „Deadened“ stellt Emma zwar mit ihrer Engelsgleichen Stimme ihre gesanglichen Qualitäten unter Beweis, aber diesen Song, der ultralangsam beginnt, im letzten Drittel des Albums unterzubringen, erzielt auch nicht gerade eine Wirkung, die mehr Spannung auf den Rest erzeugen soll. Gähn!!
Trotzdem schaffen es The Provenance mit „Red Flags“ ein sehr melancholisches, stimmungsvoll-trostloses Klangbild zu erschaffen, ohne dabei in kitschige Gefilde abzudriften. Ein sehr dramatisches Album, dass Fans von etwas ruhigerem Düsterrock gefallen könnte.
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