Thyruz "Northern Blasphemy"
24.7.2007
Also, rein optisch gibt „Northern Blasphemy“, das Debüt der Norweger Thyruz, einiges her: Überdimensionale Norwegen-Flaggen, Ziegenbock-ähnliche Gestalten und ultra-böse Fotomontagen der Bandmitglieder lassen mich den Silberling gespannt in den CD-Schacht legen und auf Play drücken.
Und siehe da: Nichts!!!
Irgendwie passt hier einfach nichts zusammen – nach einem Kirmes-Black-Metal-Intro, welches noch am ehesten an Arcturus zu „La masquerade infernale“ erinnern lässt, scheppert der erste Song „Gautatyrs Vrede“ los, und lässt mich fragend auf meinem Sofa allein. Denn allein die vielen Tempobrüche (von Tempowechseln kann man hier gar nicht reden) nehmen diesem Song, wie auch allen anderen, jegliche Dynamik, mit welcher er recht vielversprechend begonnen hat. Die Band versucht irgendwie krampfhaft, alle existierenden Black Metal-Attribute in ihre Tracks einfliessen zu lassen, was mal mehr und mal weniger gut funktioniert. Bei „Braattsjoers Slag“ verwendet man zum Beispiel nordische Chorpassagen, die einen etwas an Kampfar und Konsorten erinnern, was dem Song äußerst gut zu Gesicht steht.
Ansonsten wirken die einzelnen Songs, die jedoch nahtlos ineinander übergehen, hoffnungslos überladen und aufgesetzt. Die hier vereinten Komponenten wie Percussions, Keyboards, zu viel Hall auf einem eher zu gewollten jedoch nicht gekonnten Krächzgesang, überflüssige Akustikpassagen und Tierstimmensamples relativieren sich gegenseitig und heben die Wirkung wieder auf. Es verhält sich hierbei genau wie Koffein: Nimmt man zu viel davon zu sich, wird man wieder müde.
Betrachtet man nun nach dem Genuss dieses „Werkes“ das Booklet noch einmal, schließt sich der Kreis. Die übertriebene Aufmachung und Zurschaustellung der eigenen Evilness spiegelt die musikalische Ausrichtung der Band perfekt wieder.
Wenn man es dann auch noch für nötig hält, den Hörer zum Konsum von Alkohol oder gar Kokain aufzufordern, um so „sein Unterbewusstsein zu finden und süchtig nach der eigenen Zukunft zu werden“ (Zitat Thyruz ....), so ergibt es ein doch sehr lachhaftes Gesamtbild. Jeder sollte es für sich selbst entscheiden, ob er schmerzbefreit genug ist, sich diese CD zuzulegen und Spätpubertierenden beim Philosophieren zuzuhören.
weitere CD-Reviews »»
