Twilightning "Swinelords"
19.4.2007
Mit "Swinelords" hauen die Finnen von Twilightning bereits ihre 5. Veröffentlichung seit 2002 raus, und "Wandel" lautet das oberste Gebot dieses 4. Fullength-Albums. Seit dem Debütalbum hat man sich Schritt für Schritt von seinen Powermetalwurzeln entfernt, die bis zu Japantouren mit Größen wie Dragonforce und Helloween geführt haben. Die Band beschreitet seitdem konstant neue Wege, und dieser Zustand der fortlaufenden Wandlung hat zu immer besseren Resultaten geführt. Nachdem man kürzlich auf einmal ohne Keyboardplayer dastand, entschloss man sich kurzerhand dazu, auch keinen Ersatz mehr in die Band zu holen und den Sound somit ein Fünkchen roher zu machen.
Twilightning hat diese Entscheidung scheinbar gut getan, denn mit "Swinelords" ist eine Scheibe am Start, die dem Hörer einen Melting Pot aus verschiedenen Metalstyles bietet, der Melodic Hard Rock sowohl mit traditionellen 80´s Heavy Metal als auch Progressive Rock Elementen kombiniert, sehr leicht zugänglich ist und ein hohes Level an Eingängigkeit besitzt- gepaart mit, wie der Titel andeutet, sarkastischen Texten; hier werden Themen wie MTV, die Konsumgesellschaft und Religion mit scharfer Zunge kritisch behandelt. Schon der Opener "Isolation Shell" ist ein sehr tanzbarer Song und entpuppt sich im Refrain als etwas poppiger, solider Rocksong. Beim folgenden "Swinelord" spürt man förmlich das Augenzwinkern aller Beteiligten, und abgesehen von den coolen Sprecheinlagen wird´s hier schon etwas power-metallischer. War der Gesang beim Opener noch durchweg clean, geht die Stimmlage nun schon erheblich höher. Und diese allmähliche Steigerung wird fortgesetzt, denn auch die beiden folgenden Songs driften häufig in Eunuchen- Ebenen ab, dass es mir an die Schmerzgrenze geht. Glücklicherweise kommt man aber auch auf den Boden der erträglicheren Tonlagen wieder runter, und der etwas seltsam anmutende Titel "Pimps, Witches, Thieves& Bitches" ist ein sehr tanzbarer, cooler Rocksong und eine witzige Kritik an Dingen, die die Finnen unter "Mental Masturbation" verstehen. In cleaner Stimmlage und bei tiefen Tönen ist der Gesangsstil von H.M.I. Pöyhiä durchaus ansprechend, denn seine Stimme ist alles andere als schlecht, jedoch weitaus erträglicher, wenn er einem das Gefühl gibt, dass er noch im Besitz seiner Männlichkeit ist. Bei "The Gun" tut er das aber leider nicht, doch der Song ist trotz allem eine rockige, sehr melodiöse Power Metal Hymne mit coolem Solo. Dafür werden bei "Not A Word" mal ganz andere Töne angeschlagen, nämlich die einer Akkustikklampfe, womit man das Stück fast schon als ´Ballade´ und im Vergleich mit dem restlichen Album als außergewöhnlich und eigenwillig klassifizieren könnte. Die beiden weiteren Songs werden dann wieder sehr unerträglich für mich, aber mit "Wounded & Withdrawn" gelingt der Band ein ausgezeichneter Abschluß des Albums, denn dieser Song ist sehr viel ruhiger als der Rest, ja sogar ungewöhnlich melancholisch und experimentell, sodaß dieser Track zu meinem persönlichen Highlight auf "Swinelords" wird. Das Album hat auf jeden Fall eine abwechslungsreiche Zusammenstellung, die Band leistet dynamische Gitarrenarbeit mit eigenständigem Gesang und die Musik hat zweifelsfrei ihren eigenen Stil- netter und moderner Melodic Power-Heavy-Metal Hardrock, wenn man so will. Erfreulich wäre für mich persönlich, wenn die Band sich noch etwas weniger in den Power Metal Bereich abdriften würde, aber das ist nur mein Geschmack. Wer hohe Tonlagen gut aushält, die sich hier jedoch mit cleanem Gesang in etwa die Wage halten, der wird an diesem Album seine Freude haben. Gut gelungene Scheibe.
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