Art of Violence "Shadows of the Past"
22.3.2007Als ich das Debutalbum der Pforzheimer Mannen “Art of Violence” aus dem Briefkasten fischte und mir kurz danach der Begriff “Melodic Death Metal” ins Auge fiel, befürchtete ich eine weitere Truppe von Göteborg-Epigonen mit Metalcoreausrichtung, aber meinereiner wurde nach dem Einlegen in den Player gleich vom Gegenteil überrascht. Nach Norden haben die Jungs zwar geschielt, aber mehr in Richtung England. Zwar greifen Art of Violence auf deathige Riffs und fiesen Kreisch/Growlgesang zurück, mischen diese Basiszutaten aber mit ner kräftigen Portion Iron Maiden und Co. Eine Mischung die es in sich hat.
Rüpelten Art of Violence auf ihrem 2006 erschienenen selbstbetitelten Demo noch mit eher punkiger Attitüde, hat man sich bereits ein Jahr später um Einiges weiterentwickelt und bietet dem Hörer treibende Metalsongs die von Anfang bis Ende Spaß machen. Bereits beim Opener „Me against Myself“ zündet das Gebräu und geht ohne Umschweife in die Nackenmuskulatur und setzt sich im Großhirn fest. Heiserer Schreigesang und derbe Growls wechseln sich zwischen bissigen Riffs und doppelläufigen melodischen Leads ab. Da stehen Thrash-Walzen wie das sechsminütige „Hellfire“ oder „Alone“, die wie eine Lawine talwärts rauschen neben Power Metal getränkten Granaten wie „Risk to Fall“ oder dem bereits erwähnten Opener. Ruhepausen gibt es nur beim Akustik- Einsprengsel „Memories“ oder bei dem ebenfalls akustischen Intro/Outro von „Dawn of December“. Ansonsten herrscht die Vollgasbedienung. Vor allem der Schluss-Song „Dispatched“, der zum einen schwere Grooves und zum anderen echtes Hochgeschwindigkeitsfutter bietet, ist ein ausgesprochener Nackenbrecher. All diese Zutaten stehen in perfekter Eintracht nebeneinander und funktionieren vortrefflich.
Das alles könnte also so schön sein, wenn diese Platte nicht auch einen kleinen Makel hätte. Und zwar hätte man vielleicht noch so ein- zwei Tracks mehr ins Boot holen sollen, denn mit etwas über dreißig Minuten fällt die Gesamtspielzeit nicht gerade üppig aus. Aber Slayer haben ja schon gezeigt, das nicht Quantität, sondern Qualität der Maßstab ist. Und davon bietet „Shadows of the Past“ reichlich. Den Melodic Death- Stempel kann man getrost ignorieren. Das hier ist einfach geiler Metal der keiner weiteren Stilisierung als eben dieser bedarf. Macht schon mal ein Plätzchen in eurem Plattenregal für „Art of Violence“ frei.
