Dead Poetry "Broken Harmonies"
5.5.2008Dead Poetry heißt die neue – ja, wie bezeichnet man die Stilrichtung der Band? Sie selbst kategorisieren sich als “von Synthesizer-Sounds unterstützten Death Metal”. Hier vereinen sich in der Tat harte Gitarrenklänge und leicht technisch bearbeitete Sounds, wie im ersten Stück Hall of Silence unschwer zu erkennen ist. Neben eingängigem Melodieverlauf und passendem Einsatz, der diversen musikalischen Mittel, darf hier aber nicht unbeachtet bleiben, dass sich das Stück rhythmisch und in seinem Ausdruck nicht ganz entfalten kann. Zwar weisen Dead Poetry eine enorme Grundkompetenz in Sachen Musik auf, doch wirkt Hall of Silence nicht so aktivierend wie man es sich vom Death Metal wünscht. Anders sieht dies schon im Nachfolgersong Thorn Inside aus: Hier stehen sich moll-lastige Gitarrenklänge und erdrückende Stimmgewalt in unfassbarer Tiefe gegenüber. Diese Verschmelzung gegensätzlicher Attribute ist mehr als faszinierend und lässt sicherlich keinen Hörer unberührt. Ein Stück, welches man sich nicht nur einmal anhören kann!!! Auch das nächste Stück beginnt harmonisch und verträumt, um dann in übelstes Death-Metal-Geknüppel auszuarten, natürlich nicht ohne den Synthesizer einzusetzen, der hier eine gelungene Abwechslung zu den harten Klängen der Truppe bietet. Anders als viele Kollegen nutzen Dead Poetry diese technische Errungenschaft weder inflationär noch in unpassenden Momenten, was für eine relativ neue Gruppierung, die erst seit 2006 besteht, eine beachtliche Leistung ist. Hier darf sich auch der Gitarrist der Jungs mal richtig austoben und legt zur Mitte des Stückes hin ein irrsinniges Solo dar. Auch erwähnt werden sollte, dass es schier unglaublich erscheint, wie aus dem sehr schlank wirkenden Frontmann Sören eine Stimmgewalt und Tiefe herausbricht, die ihresgleichen sucht. Wiedermal ein Beweis dafür, dass Gesang und körperliche Konstitution nicht zwingend in Korrelation stehen...
Alles in allem also sind Dead Poetry eine Bereicherung der Welt harter Klänge, die aufgrund vieler verschiedener Einflüsse eine breite Hörerschaft ansprechen dürfte. Auch positiv zu vermerken ist die individuelle Note der Sachsen-Anhaltiner, die nicht versuchen irgendwelche Vorgänger zu imitieren. Dennoch darf hier angemerkt sein, dass die Scheibe noch nicht zu 100% ausgereift klingt. Dead Poetry sind noch sehr jung, was sich nicht ganz leugnen lässt und mit der nötigen musikalischen Erfahrung, die jeder mal erlangen musste, werden sie die Erfolge erzielen, die ihnen gebühren. Bis dahin werden hoffentlich an den letzten Feinheiten geschliffen.
