My Tide "Love, Lies, Anguish"
22.2.2007Soso, “frischen Wind” wollen My Tide aus Norddeutschland also in die Düstermusikszene bringen. Und einen Sänger mit großer stimmlicher Bandbreite haben die Herrschaften also im Boot. Hm...
Wieso klingt der Opener „You’ll never know“ dann so zahnlos wie ein Säugling? Überhaupt folgt das Album nicht dem „roten Faden“ der im Beipackzettel erwähnt ist. Man folgt eher gar keinem Faden, sondern macht einen auf Moonspell in schlecht Moll, legt mit Erntezeit einen Elektrorock-Auswurf hin, den die als Vergleiche genannten Bands Oomph oder Rammstein sogar nach ner Lobotomie besser hingekriegt hätten und versucht mit „Whores“ einen auf tanzbar zu machen. Mit Disbelief ham die Burschen also schon nen Auftritt absolviert. Leider haben sie sich von denen auch nicht abgekuckt wie man ergreifende, gut strukturierte Musik schreibt, geschweige denn Arsch tritt. Die pubertäre, „wet panties Version“ von You’ll never know macht den Brei dann auch nicht mehr besser. Songs wie „Ember“ oder „Blood against oblivion“ kann man zwar ein Quäntchen Charme nicht absprechen, aber der Rest des Albums versagt mir dieses Vergnügen weitestgehend.
Schade Leute, aber wer seine Mucke so vollmundig anpreist sollte sich der Erwartungshaltung die man damit beim Hörer schafft bewusst sein und wenigstens zu Teilen erfüllen. Aber so wird das wohl nix. Erfahrung haben My Tide genügend. Jetzt sollten sie nur noch anfangen ihren Songs Leben einzuhauchen und ein eigenständiges Gewand zu verpassen; gerade in einer Szene, die zum großen Teil an den eigenen Klischees langsam erstickt.
