Interview

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Daily Terroristen - Interview

Kürzlich landeten die Daily Terroristen mit Ihrem aktuellen Album „Tritt in den Arsch“ wieder einen absoluten Klassiker und so war es klar für Visions Underground, diesbezüglich kräftig nachzuhaken und den Jungs einen fetten Fragenkatalog zu präsentieren...

Herzlichen Glückwunsch erstmal zu eurem 20 Jährigen bestehen und zu eurer derzeit aktuellsten CD „Tritt in den Arsch“. Wie fühlt man sich nach so langer Zeit nochmals im Musikgeschäft tätig zu sein?
Cobi: Fühlt sich gut an.
Lutz: Was heißt hier nochmals? Wir haben nie aufgehört! In der Zeit unserer Trennung haben wir nur nichts veröffentlicht, das hätte keinen Sinn gemacht.
Uwe: Danke, aber stell mir die Frage 2026 nochmal, dann haben wir nämlich mit den Daily Terroristen unser 20zig jähriges Jubiläum. Nach dem Split von Daily Terror haben wir quasi von vorn angefangen, war für uns so ne Art Jungbrunnen und wir fühlen uns jetzt wie die ältesten Newcomer Deutschlands.

Es scheint als ob Ihr immer mehr zusammen wachst und geradliniger werdet. Was würdet Ihr als Grund für eure Erfolge und den Entwicklungsstatus bezeichnen?
Lutz: Wir wissen einfach nach dieser langen Zeit, wie wir alle denken und fühlen. Nach der „Gesundschrumpfung“ mehr denn je. Schau dir mal diese lange Zeit der Band an, manche Ehe hält nicht halb so lange.
Cobi: Zusammenwachsen stimmt schon, das liegt aber auch daran das wir schon so lang zusammenspielen. Dass es menschlich zwischen uns gut klappt ist meines Erachtens eine Grundvoraussetzung für Erfolg.
Uwe: Das mit dem Zusammenwachsen hat ja auch gerade erst begonnen, warte noch einmal 10 Jahre bis wir alle in unsere gemeinsame Pflegeheim-WG mit angeschlossenem Sauerstoffzelt Übungsraum einziehen, dann pogt der Bär - allerdings im 3/4tel Takt.

Wie würdest du jemanden eure Musik beschreiben, der noch keine Note von euch bisher gehört hat?
Uwe: Könnte ich nicht, unsere Songs sind einfach zu unterschiedlich, wir passen nunmal in keine Schublade, was ich aber nicht unbedingt als Nachteil ansehe und von uns auch so gewollt war. Aber gut - aus dem Tenor unsere bisherigen Kritiken würde ich unsere Musik wie folgt beschreiben: Energy-emotionaler, back to the rootiger, 3-5 akkordiger satt aufs Maul pöbelnder Deutschpunk mit fettsoundigem, play it loudigem und arschtrittigem Metaleinfluss und gassenhauerverdächtigen, zummitgröhleinladenden Ohrwurmvocals sowie kritisch/selbstkritischer und nachdenklicher bis agressiv-plakativer deutscher Texte. Kurz und knapp und trifft es genau auf den Punkt.
Bratze: Bassorientiert haste vergessen.

Habt Ihr den Ausstieg von eurem damals aktuellen Sänger „Peddy“ gut verkraftet und wie macht sich der neue?
Lutz: Die Trennung war sehr nötig. Die Band blüht auf, in jeder Hinsicht. Der neue Sänger ist Uwe und schon immer unser Gitarrist, ist also gar nicht neu. Die Stücke sind seit 18 Jahren in Fleisch und Blut, also kommt der Gesang wirklich von Herzen. Die neuen Stücke tragen eine neue Handschrift, und das ist gut so.
Cobi: Für mich gab es nichts zu verkraften. es war nach Daily Terror ein Schlussstrich und mit den Terroristen ein neuer Anfang, das einzige was Bestand hat ist Veränderung und das ist auch gut so.
Uwe: Wir haben die Scheidung von unserem Ex-sänger nie bereut, vielleicht den Zeitpunkt, wir haben sehr lange damit gewartet. Der einzige Wermutstropfen ist, daß wir zur Zeit zu ihm keinerlei Kontakt mehr haben, wir führen zwar keinen Rosenkrieg mehr aber sonst ist leider Funkstille. Also Pedder, bitte melde dich!

Könntest du es mal versuchen, einzelne Charaktere, ihre Eigenschaften und Rollen im Bandgefüge zu beschreiben?
Lutz: Kobi ist die Dampfmaschine im Hintergrund. Arbeitet an den Drums genauso wie in der Gießerei. Der Kerl treibt die Band vor sich her, und wehe wir versuchen zu schwächeln... Bratze ist ist die gute Seele der Band. Seit 1982 dabei, immer ein offenes Ohr und einen Schluck Jägermeister für jeden, der durchhängt. Er hasst Technik, die funktioniert. Wir haben ihm mal einen neuen Bass geschenkt, er kam überhaupt nicht damit klar. Jetzt verstecken wir Wackelkontakte und abgebrochene Stecker in seinem Equipment, und er ist wieder glücklich. Uwe spielt Gitarre, singt, schreibt und kümmert sich um alles, er lebt halt für die Musik. Man darf ihn nicht vor dem Auftritt warten lassen, sonst kommt er mit einem neuen fertigen Stück aus der Garderobe.
Bratze: Lutz fummelt und bastelt an allem, was sich nicht wehrt. Die Gitarre mit 4 Hälsen hat beim letzten Auftritt nicht funktioniert, aber er plant irgendwas mit 2 Fußpedalen, einem Toaster und einer Kettensäge...
Cobi: Dr Müller: der Souveräne hat immer alles im Griff, greift ein wenns nicht vorwärts geht. Uwe: der dezente Kopf, gefühlvoller Denker und Motivator. Bratze: Mr. Relax in Person, ist nicht aus der Ruhe zu bringen außer durch Rauchverbote. und schließlich ich an der Schießbude.
Uwe: Und nicht nur an der Schießbude, sondern neuerdings singt er auch mit - kennt die Texte fast besser als ich.

Was habt Ihr die letzten Jahre so getrieben?
Uwe: Die letzten Jahre mit unserem alten Sänger liefen für uns nicht optimal, musikalisch traten wir auf der Stelle, unsere letzte CD "Lebenswut" war auch nicht gerade der Hammer und bei unseren Konzerten lief es nicht mehr richtig rund. Ich selbst bin Anfang 2005 für den erkrankten Buschen von Dritte Wahl, der leider kurz darauf an Krebs verstarb, als Aushilfsbassist eingesprungen. Ich habe diesen Job 5 Monate gemacht und hatte viel Spass dabei, die Rostocker sind alles richtig nette Leute. Die positiven Erfahrungen die ich dort sammeln konnte waren für mich persönlich sicherlich mitentscheidend für einen Neuanfang mit den Daily Terroristen.

Wie seit Ihr überhaupt auf den Bandnamen „Daily Terroristen“ gekommen? (Begründung)
Lutz: Busch’n von Dritte Wahl war Schuld. Er hat uns von der Band so genannt, fand er einfach geiler. Na und da hatten wir den Namen.

Wann ist für euch klar geworden, dass Musik für euch eine Karriere und nicht nur ein Hobby sein könnte?
Cobi: Kariere würde ich nicht sagen, ich mag das Wort nicht - klingt nach Leistungsdruck .Musik ist für mich Lebensinhalt seit ich etwa 17/18 bin.
Uwe: Ich habe vor 40 Jahren für mich beschlossen, Rockstar zu werden - habe es bis heute noch nicht geschafft und hoffe auf die nächsten 40 Jahre.
Bratze: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Welche Bands haben euch inspiriert?
Uwe: Slade, Ramones, Black Sabbath.
Cobi: Deftones, Dritte Wahl, Rancid.
Bratze: Stray Cats

Was war das peinlichste bisher bei euren Bühnenauftritten?
Uwe: Fallen mir auf Anhieb mindestens zwei Megapeinlichkeiten ein, möchte ich aber nicht verraten, da sie jemand anderen betreffen. Meine ganz persönliche Peinlichkeit betrifft meine schwache Blase. Früher haben wir grundsätzlich 3 Stunden Konzerte gegeben und ich mußte regelmäßig in der Mitte des Gigs für kleine Punkrocker, teilweise runter von der Bühne und durch den ganzen Saal und zurück, während der Rest der Band ohne mich weiterrockte.
Cobi: Ich bin in Berlin zu spät auf die Bühne gekommen weil ich mir die Band auf der anderen Bühne angesehen hab. Als ich dann an kam, spielten die Jungens schon, der Drummer der Band vor uns half aus, das war mir sehr unangenehm.
Bratze: Bei mir geht bei etwa jedem zweiten Konzert irgendwas kaputt, ist mir aber schon lange nicht mehr peinlich, weil inzwischen Normalität.

Habt ihr ein Ritual mit der Band bevor man die Bühne betritt?
Uwe: Ein Bandritual gibt es bei uns nicht, aber jeder hat so seine Eigenarten. Nenn es Voodoo oder Aberglaube. Wenn ein Auftritt super gelaufen ist, und du erinnerst dich an die Vorbereitung, machst du es natürlich das nächste mal genauso. Bewährt hat sich bei mir, daß ich nach jedem Bier welches ich vor dem Auftritt trinke 20 Kniebeugen und Liegestütze mache. Das hat den entscheidenden Vorteil, daß der Alkohol sofort ins Hirn geht und ich sehr gut beurteilen kann, wann ich aufhören muß.
Bratze: Das Einzige,was bei jedem Konzi immer gleich ist - Uwe ist permanent der Letzte der fertig wird (Aufbau, Gitarren stimmen, nochmal Pinkeln gehn usw.) - da läuft schonmal das Intro zweimal durch.

Was für Musik hört Ihr zur Zeit oder generell überhaupt?
Lutz: Eigentlich alles. Es gibt nur gute oder schlechte Musik, und wenn es geiler Metal ist, dann bittesehr. Genausogut AC/DC, Cajun, Elektro-Ambient oder Rockabilly. Musik muss brennen, etwas bei mir auslösen. Große Namen nützen gar nix, wenn sie langweiliges Zeug herunterdreschen.
Cobi: Sehr gemischt- Fahnenflucht, Mudvayne, zum relaxen auch Mazzy Star.
Uwe: Ich höre zur Zeit ausschließlich die Bands, die ich selbst aufnehme und produziere. Wenn ich nach 10 Stunden mit vollgedröhnten Ohren aus dem Studio komme, genieße ich erst einmal die Ruhe und jedes noch so sanfte Tönchen - selbst Roland Kaiser in Zimmerlautstärke - würde unweigerlich zum Trinitus führen.

Stehen bei euch in nächster Zeit Gigs an und wenn ja, wo?
Bratze: Im Moment nur Einzeljobs (siehe www.dailyterroristen.de), aber für Ende des Jahres ist ´ne Minitour geplant.
Uwe: Im Juli sind wir dieses Jahr wieder beim Force Attack dabei, unserem Lieblingsfestival.

Was macht Ihr außerhalb eurer Band, arbeitet einer vielleicht von euch nebenher irgendwo noch?
Lutz: Leider müssen einige von uns nebenbei anschaffen gehen. Mehr oder weniger hart, je nach persönlichen Verpflichtungen.
Cobi: Ich arbeite in einer Gießerei.
Uwe: Nebenbei bin ich noch Hausfrau und Produzent, unser Basser Bratze ist einfach nur Lebenskünstler.
Bratze: Wenn schon nicht am Bass, dann eben so .....

Daily Terroristen Tritt in den Arsch Cover

Wer ist bei euch für das Songwriting zuständig oder bespricht ihr dies gemeinsam im Proberaum? Wer ist für die Texte zuständig und um welche Materie handelt es sich dabei?
Cobi: Wir kommen mit musikalischen Ideen, Gesangslinien oder Gitarrenriffs in den Probenraum, machen dort die Feinheiten und passen alles zusammen. Uwe macht später die Texte. Das Produzieren macht dann wieder Uwe, weil er da sehr erfahren und gut ist.
Uwe: Die Themen unserer Texte sind sehr breit gefächert, vom Kampf- bis zum Liebeslied - alles was mich so bewegt und deshalb nicht so einfach unter einem Oberbegriff einzuordnen. Meine Textideen entstehen aus der Stimmung heraus, welche die Musik bei mir auslöst. Das kann Wut, Zorn, Resignation, Sentimentalität oder Trauer sein aber auch Euphorie oder einfach nur gute Laune - wichtig ist nur, daß überhaupt ein Gefühl beim Schreiben aufkommt, nur dann können Musik und Text eine Einheit ergeben und letztendlich beim Hörer Emotionen auslösen.

Seit Ihr mit eurem aktuellen Album zufrieden? Oder findet man immer noch ein verkrümeltes Haar in der Suppe?
Lutz: Wir sind sehr zufrieden, aber natürlich findest du immer etwas zu mäkeln. So ist das halt, irgendwann sind die Aufnahmen im Kasten, und du bist zufrieden, weil du das Riff 20 mal geändert hast. Ein Jahr später hörst du die erste Version wieder und denkst, warum hast du das denn nicht gelassen, war doch astrein. Musik ist ein lebender Organismus, kein Auto, das man zusammenbaut .
Cobi: Ich war überrascht, ich hätte am Anfang von Daily Terroristen nicht mit so einem Ergebnis gerechnet. Wenn man will findet man immer irgendwas, die Frage ist nur ob man danach sucht oder ob es einem auffällt - mir fällt nichts auf.
Uwe: Im Grossen und Ganzen ja - ist mit Abstand das bisher beste Album der Daily Terroristen!

Welche Bands haben euch im Jahr 2007 besonders überrascht?
Cobi: The Music, ich hab mir beide Alben der Band zugelegt und bin immer noch sau begeistert.
Uwe: Die Ramones
Bratze: War das nicht schon vor 30 Jahren?
Uwe: Scheiße, wie die Zeit vergeht.

Wie lange spielt jeder einzelne von euch sein Instrument?
Lutz: Langelangelange.
Uwe: Lutz spielt seit Mitte der Siebziger Gitarre, ich seit 1969 - den Job als Frontmann und Sänger mache ich aber erst seit 2 Jahren. Bratze spielt Bass seit dem 30-Jährigen Krieg, .
Cobi: 11 Jahre
Uwe: Und hat immer noch keine Doppelfußmaschine.

In welchem Studio habt Ihr aufgenommen und wie verlief die Zeit?
Uwe: Aufgenommen haben wir in den Whiteline-Studios in Braunschweig, wo ich sonst als Techniker und Produzent tätig bin (z.B. Dritte Wahl, OHL). Wir mußten somit auch nicht den vollen Studiopreis zahlen und konnten uns bei der Produktion dementsprechend Zeit lassen, was vor allem beim Mixen sehr nett war. So konnten wir einen Titel pro Tag mischen, abends dann jeder das Ergebnis mit nach Hause nehmen, in aller Ruhe anhören und am nächsten Morgen noch kleine Korrekturen vornehmen.
Bratze: Ja, zum Beispiel den Bass lauter und die Snare mit mehr "Köööösch".

Noch Kommentare, denn Ihr habt die letzten Worte?
Cobi: Kann ich noch ne Kippe? bitte.
Bratze: Für mich Rotwein, trocken.
Lutz: 90-60-90 - im Doppelpack
Uwe: Ich hätt gern einen Runde drogenfreier, junger und unverbrauchter Musiker - Prost!
Lutz, Bratze, Cobi: ..................????!!!!


Markus Seibel/ V.U.

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