Disillusion - Interview
18 Monate liegen zwischen „Back to Times of Splendor“ und „Gloria“. Habt ihr durchgehend am Album gearbeitet, oder euch auch längere Pausen gegönnt? Oder besser, was hat sich letztendlich an der Arbeitsweise beim Komponieren und im Studio generell geändert?
Hallo. Ich weiß nicht, wo ich beginnen soll ... kurzum, die Arbeiten an GLORIA waren gänzlich anders als an BTTOS. Das lag vor allem daran, dass wir uns im März 2005 im Studio eingeschlossen haben, ohne direkte Vorstellungen, von dem was kommen wird, und ohne eine konkrete musikalische Idee. GLORIA sollte innerhalb von 2 Monaten geschrieben sein, spontan sein, direkt sein. Keine Ausschweifungen wie auf BTTOS, modern, urban, krachend. Das mit den 2 Monaten hat nicht direkt geklappt, dennoch wurde wahnsinnig viel Material geschrieben in der Zeit - fertig war es leider nicht. Im Nachhinein hätten wir eine Pause machen sollen, haben aber weiter dran gesessen. Das sich Verbeißen hat dann etwas zu viel Energie gekostet, bis es schliesslich hieß, wir kehren zu den Initialgedanken der Songs und Platte zurück und retten den Geist der Direktheit für die tatsächlichen Aufnahmen. So geschehen - die waren in 4 Wochen fertig.
Mit "wir" meine ich hier zum einen die Band und zum anderen Tippelt und Hirsch von film-m.de, die ebenfalls von Anfang an im Boot saßen, zuständig für Design, Video und eine gehörige Portion Querköpfigkeit. Stattgefunden hat jedoch eine Verschmelzung von Ideen, künstlerisch und musikalisch. Wir waren also zu fünft auf GLORIA. Das allein reicht schon an Änderung.

Es ist schwer vorstellbar, dass so vielschichtige Musik live so ohne weiteres umsetzbar ist. Auf der Tour zu „BTTOS“ habt ihr lediglich einen Bassisten angeheuert. Funktioniert das bei „Gloria“ ebenfalls?
GLORIA funktioniert live viel besser, möchte ich behaupten - sicher nicht in jedem Detail, aber soll auch gar nicht. Der Vibe ist entscheidend, und den bringen wir locker rüber. Es gab derweilen einige Konzerte zu GLORIA, die bewiesen, dass MetalHeads und TanzVolk gut miteinander können!
Eure Besetzung als Dreigestirn scheint sich endgültig etabliert zu haben. Sucht ihr weiterhin Bandmitglieder oder belasst ihr es jetzt bei dieser Konstellation?
Vor allem haben wir nach einem festen Live Mixer gesucht, den wir wohl endlich gefunden haben nach zu langer Zeit! Die Basser Problematik bleibt jedoch bestehen - übrigens, WIR SUCHEN!!!!! einen/eine BassSpielerIn dringend, live oder fest ist uns mittlerweile egal, so lange Verlaß ist!
Nach sechs Jahren mit Barthel, Maluschka und mir hat sich natürlich viel von selbst eingearbeitet. Ich hoffe, es bleibt auch dabei.
„Gloria“ stellt eine ziemliche Weiterentwicklung zum Vorgänger dar. Es ist insgesamt Industrial-lastiger. Habt ihr schon eine Ahnung wohin Album Nummer drei tendieren wird?
Mehr Industrial oder ganz was Anderes?
Hmmm. Recht früh dafür. Es gibt noch einen Haufen unveröffentlichten Materials zu GLORIA. Das wird bald gesichtet, und danach schauen wir.
Habt ihr keine Angst davor, dass bei solchen experimentellen und kopflastigen Alben nach und nach die Seele verloren geht und das Ganze zur reinen Technik-Schau verkommt?
Huch, Kopflastig?! Das meine ich aber nicht! Sicher, Sounds und Arrangements sind speziell, aber kopflastig sicher nicht. Dafür steckt viel zu viel Freude am Machen dahinter, am Spielen , und diese Freude ist sehr körperlich - vor allem im Nacken.
An „Gloria“ scheiden sich mit Sicherheit die Geister. Obwohl ich bisher fast aussschließlich von positivem Feedback gehört habe, gibt es bestimmt Fans die euch wegen B.t.T.o.S. lieben gelernt haben und jetzt mit Gloria klarkommen müssen. Gab es schon heftige Reaktionen mit denen Ihr konfrontiert wurdet?
Das war natürlich abzusehen. Der Schritt war bewusst und unausweichlich. Ebenso bewusst waren uns einige Reaktionen. Das Problem ist, dass uns vor BTTOS kaum jemand kannte, aber selbst BTTOS eine in sich geschlossene Einheit ergibt, die wir vorher so noch nicht gemacht haben. Wer uns kannte, war verwundert von 17-Minuten Songs und der Elegie. Das versuche ich mitzuteilen: bei Disllusion geht es wohl immer um das Einfangen des Moments und seiner Darstellung ohne Umwege. Einige nennen das Konzeptalben, ist mir zu viel. GLORIA war eigentlich nichts anderes als die Konzentration auf die Moderne und das Urbane - BTTOS das gänzliche Gegenteil. Dennoch, beide Platten sind focusiert, und ich hoffe, dieses Bild entsteht bei den Meisten mit und durch GLORIA: Disillusion machen Welten.
„Too many broken cease fires“ ist ein Überbleibsel von “Back to Times of Splendor”, fügt sich aber hervorragend in den Sound von “Gloria” ein. Habt Ihr den Song im Nachhinein angepasst oder im Original belassen?
Danke. Der Song wurde neu gedeutet. Teilweise umgeschrieben. Tatsächlich war er von Anfang an auf der Liste, hat also sicher EInfluß auf andere Songs gehabt.
Einer von euch, ich weiß nicht mehr wer, hat doch glaube ich mal in einem Interview gesagt dass er bei Emperors „Prometheus“ Tränen in den Augen hatte. Was ginge in euch vor, wenn man euch selbiges über „Gloria“ sagen würde? Abwegig wäre das ja nicht.
Ich würde mich freuen. Punkt. Deshalb macht man ja Musik.
Welche musikalischen Einflüsse außer Emperor, Opeth etc. also im Hinblick auf die elektronischen Parts, haben ihren Weg auf „Gloria“ gefunden?
Sicherlich Aphex Twin, Neurosis, Tortoise ... aus dieser Ecke kam viel Lebensgeühl für GLORIA
Gibt es jetzt schon Dinge, die Ihr an eurem Album anders gemacht hättet, oder seid Ihr mit dem Ergebnis vollauf zufrieden? Oder besser, wie wollt Ihr das Album noch toppen?
Es gibt etliche Dinge zu verbessern. GLORIA ist aber fertig. Eine Platte ist irgendwie immer eine Momentaufnahme, auch wenn der Moment lang ist. Dass man mit etwas Abstand die Dinge anders sieht, liegt in der Natur der Sache. Dass ich GLORIA nochmals anfassen wöllte, glaube ich jedoch nicht, ist eben fertig. Die nächste Platte wird wohl wieder ein Schritt, wie radikal, keine Ahnung.
Ein paar abschließende Worte an die Leser.
Es ist zu spät für große Worte *g
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