Fragments Of Unbecoming - Interview
Mit "The Everhaunting Past: Chapter IV - A Splendid Retrospective" haben Fragments Of Unbecoming einen weiteren Streich vollbracht, der jedem Fan von harter Musik was zu knabbern geben dürfte. Brutal, kompromisslos und erstklassig produziert, selten strahlte Musik solche Macht aus, wie Fragments Of Unbecoming im Jahr 2009. Doch nicht nur musikalisch, sondern auch künstlerisch und textlich haben Fragments Of Unbecoming was zu bieten. Bandkopf Sasha stand mir Rede und Antwort.
"The Everhaunting Past: Chapter IV - A Splendid Retrospective" besticht durch eine gelungene Mischung aus Härte und Melodie. War es schwer, die richtige Balance zu finden?Sasha: Hi Markus! Danke für Dein Lob. Eigentlich war es überhaupt nicht schwer, die richtige Balance zu finden. Es ist auch nicht so, dass wir vor Beginn des Songwritings für eine Platte bestimmen, welche Stilistiken auf dem Album vertreten sein müssen oder sollen. Ferner können oder wollen wir nicht voraussehen, welche Härtegrade das Material bestimmen wird. Die Balance entsteht wirklich automatisch während des kompletten Songwritingprozesses. Der Wunsch nach Melodie, nach Melancholie, nach Atmosphäre, Epik oder blanker Raserei sowie unterschiedlichste Inspirationsquellen wechselt je nach Stimmung beim Komponieren. Oftmals ist es so, dass Stefan und ich beim Komponieren charakteristisch unterschiedliche Riffs kategorisieren und stilistisch längerfristig mit anderem ähnlichen Material zusammenführen, um dann final einen Song zu bilden.
Insofern wird es auch zukünftig diese Balance geben, denn wirklich Mühe macht es nicht, diese einzuhalten.

Gab es eine konzentrierte Songwriting-Phase oder habt ihr einfach nach "STERLING BLACK ICON/ CHAPTER III - BLACK BUT SHINING " angefangen, neues Material zu sammeln?
Sasha: Meist haben wir bereits weiterführendes Material wenn wir ein Album aufnehmen, d.h. schon während der Aufnahmen zu „Sterling Black Icon“ existierten erste Songansätze und massenhaft neue Ideen für „The Everhaunting Past“. Stefan und ich komponieren im Grunde pausenlos voneinander isoliert zu Hause. Somit existiert immer Material, dass zum Zeitpunkt der Aufnahmen noch nicht verarbeitet wurde. Man kann also nicht sagen, dass der Prozess des Komponierens stagniert oder phasenweise auf Eis liegt. Da wir nicht sehr oft live spielen, nutzen wir eben die Proben eher fürs Songwriting.
Was entsteht bei einem neuen Song in der Regel zuerst?
Sasha: Mal andersherum. Zuletzt entstehen Songtitel und Lyrics, d.h. zeitweise existiert bis kurz vor den Aufnahmen nicht mal ein konkreter Arbeitstitel. Zuerst entstehen meist die Hauptriffs, eine mögliche Einleitung und ein paar sich stetig zu wiederholende Passagen. In der Regel haben wir die ersten beiden Minuten eines Songs schnell im Proberaum umgesetzt, vorausgesetzt, zu Hause wurden bestimmende Arrangements bereits ausgefeilt. Die Höhepunkte oder die Mitte eines Songs zu arrangieren bedarf meist mehr Zeit und Geduld.
Wie lange dauert es, bis die Endversion eines Stücks steht?
Sasha: Das kann man bei uns nicht wirklich pauschalisieren. Es gibt Songs, die entstehen innerhalb weniger Proben, bedürfen nur weniger Wochen Arbeit. Sicherlich gibt es Feinheiten wie addierte Harmonien oder Soli, die wir auch noch nach Monaten erst vor den Aufnahmen ausarbeiten. Der Grundsong ist aber da. Andere Songs benötigen fast Monate, um in ihrer finalen Version auf einem Album landen zu können. Der Song „Live For This Moment, Stay `Til The End“ vom „Sterling Black Icon”-Album waren z.B. schon während der Aufnahmen zu “Skywards” fertig, zündete aber irgendwie nicht richtig. Konsequent haben wir ihn überarbeitet, teils völlig neu strukturiert und arrangiert. Das Endergebnis ist grandios aber völlig anders als die ursprüngliche Version geworden. Ergo, der Song hat Jahre auf dem Buckel! Aber warum auch nicht, wenn es sich lohnt. Du siehst, die Zeitspanne für das Arrangieren unseres Materials differiert enorm.
Wie weit hatten Lob und Tadel für " Sterling Black Icon (Chapter III - Black But Shining)" einen Einfluss auf die Entstehung von "The Everhaunting Past: Chapter IV - A Splendid Retrospective"?
Sasha: Überhaupt keinen. Einfluss auf das Songwriting nehmen nur Inspiration, Anspruch und der Wunsch, sich von Album zu Album nochmals zu steigern. Sicherlich lesen wir unsere Kritiken und sind immer offen für Lob und Tadel. Letzteres nehmen wir natürlich ernst, können aber nicht auf jede subjektive Kritik mittels postwendend geändertem Songwriting reagieren, logisch. Letztlich ist es wichtiger, seinen persönlichen Weg zu gehen, sein Ziel konkret fokussiert zu verfolgen. Nicht mit Scheuklappen, aber mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen und Loyalität dem eigenen Stil gegenüber!
Trefft ihr euch bzw. probt ihr noch regelmäßig oder seid ihr eine von den Bands geworden, die nur noch vor Aufnahmen und Konzerten zusammentrifft?
Sasha: Um Gottes Willen! ;-)
Derartiges gab es noch nie und wird es auch nie geben. Selbstredend müssen und wollen wir regelmäßig proben. Zwar ist 1x pro Woche wirklich zu wenig, aber zeitlich kaum anders machbar. Da Songs auch nur im Proberaum ihre finale Version erlangen können, und wir es als sehr wichtig erachten, zusammen Musik zu machen, ist das Proben unerlässlich. Keine Frage, ein gutes Bandgefüge kann auch kaum entstehen, wenn man via Internet, Webcam und allerhand technischen Raffinessen jeder für sich vor dem heimischen Bildschirm musiziert, auch wenn es so etwas wirklich gibt. Um ehrlich zu sein, würde ich meine Band lieber auflösen, bevor ich mich mit den Leuten nur alle halbe Jahre mal treffen könnte, um mal live miteinander zu rocken. Gerade live merkt man sehr schnell, wenn Musiker einer Band nicht aufeinander abgestimmt sind. Darum hinein in den Proberaum und gemeinsam lärmen!

Kommt es innerhalb der Band bisweilen zu Streitereien?
Sasha: Streit ist das falsche Wort. Eher wird mal lauter, mal leiser diskutiert, wenn Riffs entstehen, die nicht auf allgemeine Begeisterung stoßen. Es ist eben nicht immer einfach einzusehen, wenn man tagelang ein Riff ausgearbeitet hat, es im Proberaum vorstellt und erfahren muss, dass man das Riff aus diversen Gründen nicht verwenden kann. Jeder in der Band hat seine oftmals sehr eigene Vorstellung, wie ein Song zu klingen hat, da kann es schon mal blitzen zwischen all den Dickköpfen, keine Frage. Es gab aber in all den Jahren keinerlei Streit, der eine Auflösung der Band in Erwägung gezogen hat. Und darüber bin ich sehr glücklich, denn es zeigt doch, dass wir uns seit den Anfängen von Fragments Of Unbecoming musikalisch und menschlich gut verstehen und einander begreifen können.
Wie weit im Voraus könnt ihr die Karriere von Fragments Of Unbecoming planen?
Sasha: Schwierige Frage, da ich mit Fragments Of Unbecoming nur so weit in die Zukunft plane, solange die Quelle an Material für kommende Alben nicht versiegt. Konkret heißt das, dass ich zumindest das nächste Album Nr. 5 wirklich planen kann, zumal bereits die Hälfte des Albums zum jetzigen Zeitpunkt bereits komponiert ist. Damit wären zumindest 2010 oder vielleicht noch 2011 einigermaßen terminiert. Tatsache ist und damit finden wir uns auch ab, dass wir aufgrund unserer Jobs keine Band werden können, die irgendwann pausenlos auf Tour sein wird und mit der Musik ihren Lebensunterhalt verdient. Mit Karriere würde ich daher eher jenen Umstand ansehen, der uns mit „The Everhaunting Past“ und dem kommenden Album eine noch größere Fanbase ermöglicht. Auch ich bin gespannt, was wir reißen können und werden, ohne im Nightliner leben zu müssen...
Markus, ich danke Dir für das echt coole Interview. War wirklich mal etwas ganz anderes als sonst! Hoffentlich sieht man sich mal auf einem Konzert!
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