Midwinter - Interview Nadine Sandfort / V.U. und Mordan / Midwinter
Visions Underground: Beginnen wir mit dem Üblichen: Stellt die Band den Lesern doch bitte kurz vor.
Mordan: Gegründet wurde die Band 1998 von Axtfrau Esther und Keymaster Tom. Kurz darauf stießen Bassmann Andi, der damalige Sänger Jörg und ehemaliger Drummer Patrick dazu. Nach ein „paar" Proben und einigen Gigs, durch welche die Band erste Wurzeln in den metallischen Untergrund zu schlagen vermochte, wurde 1999 der erste Silberling namens „Loss Of Light" geschmiedet. Im Winter anno 2000 besetzte ich, Mordan, nachdem sich die Band von Jörg getrennt hatte, die Position des Mikroschänders. Nach vielen Konzerten und dem Erscheinen unserer zweiten Scheibe „Astral Mirrors" im November letzten Jahres, können wir stolz behaupten, dass sich die Arbeit gelohnt hat und wir mittlerweile ein fester Bestandteil der lokalen Metalszene sind. Wir arbeiten natürlich beständig daran, unseren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Da wir ja noch nicht „gelabelt" sind, müssen wir die ganze Werbung halt selbst in die Hand nehmen...
Visions Underground: Wie kamt ihr auf den Namen Midwinter ? War es eher das Ergebnis langer Diskussionen oder ist er aus einer Laune heraus entstanden ? Hat er eine bestimmte Bedeutung ?
Mordan: Der Name Midwinter wurde aus verschiedenen Gründen gewählt. Zum einen bezeichnet er ein bedeutendes heidnisches Fest, nämlich das der Wintersonnenwende. Zum anderen beinhaltet dieser Name sämtliche musikalischen Facetten der Band: Eisige, schnelle Parts, welche wie ein Blizzard übers karge Land fegen. Atmosphärisch-melodische Passagen, die an einen glitzernden Winterwald erinnern oder an die schier ergreifende Melancholie des Mondlichtes auf vereisten Seen. Triumphale Bögen, bei denen, vor des Hörers geistigem Auge, eine Schlacht auf frostigen Feldern tobt...
Visions Underground: Ihr bezeichnet euren Stil laut eurer Homepage u.a. auch als Black Metal. Inwieweit habt ihr mit der Szene zu tun ? Was denkt ihr von der idealistischen und engstirnigen Szene Norwegens auf der einen und deren Einstellung zu Bands wie den "kommerziellen" Cradle of Filth und Dimmu Borgir auf der anderen Seite ?
Mordan: Wir bezeichnen unseren Stil als „Black Heavy Metal", da diese beiden Elemente in unserer Musik vorherrschen. Obwohl noch einige andere metallische Elemente mit einfließen, einigten wir uns kurzerhand auf diese Umschreibung. Mich hat dieses Thema des „true" Black Metals und der „kommerziellen" Bands nie wirklich interessiert. Ich denke, man kann die Bezeichnung „Kommerz" nicht definieren, da sie sowieso jeder für sich und seine Zwecke anders auslegt. Jeder soll das tun, was er möchte! Ich entscheide doch für mich, welche Musik und Band ich schätze und welche nicht. Ich höre sowohl Darkthrone, Burzum (die ersten 3 Scheiben ohne politischen Dünnschiss) und Konsorten, als auch „kommerzielle" Sachen. Hauptsache, deren Musik erreicht und berührt mich. Dies schaffen nämlich nur Bands, die mit Herzblut bei der Sache sind, ob sie nun angeblich „kommerziell" sind oder nicht, scheißegal! Die meisten Bands, die sich als „true" etc. bezeichnen, bieten mir auf jeden Fall eher köstliche, komödiantische Unterhaltung, ha,ha!
Visions Underground: Zu euren Lyrics: Schreibt ihr sie gemeinsam oder gibt es einen "kreativen Kopf" bzw. Chef ?
Mordan: Für den Großteil der textlichen Ergüsse sind Andi, Esther und ich verantwortlich. Wir haben alle drei ungefähr den selben Geschmack was die Themenauswahl betrifft, doch jeder seinen individuellen Schreibstil.
Visions Underground: Über welche Themen schreibt ihr und woher holt ihr euch die Inspiration ?
Mordan: Meine favorisierten Themen sind außerkörperliche Erfahrungen (luzides Träumen, Astralreisen etc.), Reinkarnation, alptraumhaft-groteske Szenerien, das namenlose Grauen aus den verfluchten Katakomben jenseits der Zeit (Lovecraft rules!) etc. Inspiration schöpfe ich aus verschiedenen Quellen wie z.B. der Literatur, der Musik, Filmen, ausgedehnten Spaziergängen durch die Natur und meiner kranken Fantasie.
Visions Underground: Entstehen bei euch im Songwriting zuerst die Lyrics oder die Musik ?
Mordan: Das ist unterschiedlich. In den meisten Fällen entsteht zuerst die Musik, für deren Komposition in erster Linie Esther, Andi und Tom zuständig sind. Dann bekommt derjenige, der den Text verfassen soll, eine Midi- oder Proberaumaufnahme des Songs und kann reinhauen. Manchmal existiert auch schon ein lyrisches Konzept oder gar ein Text, und die Musik und Atmosphäre werden ihm angepasst. Es gibt aber auch Stücke, die im Proberaum geboren wurden, was immer eine witzige Sache ist, da niemand weiß, wie das Endresultat aussehen wird. „Evoking the Grotesque" ist beispielsweise eine solche Geburt...
Visions Underground: Warum singt ihr auf Englisch und nicht auf Deutsch ?
Mordan: Die englische Sprache ist runder und geht beim Singen einfacher über die Lippen. Sie gleitet weniger kantig in die Ohren des geneigten Hörers. Außerdem existieren auch Fans außerhalb Germaniens, und wir möchten, dass unsere Lyrics für jedermann verständlich sind. Ich persönlich lese mir, wenn ich mir eine Platte neu zugelegt habe, immer gerne die Texte während des Hörens durch. Gehört einfach zum Gesamtbild dazu, finde ich. Zudem machen unsere Texte einen Teil der Atmosphäre der jeweiligen CD aus.
Visions Underground: Ihr habt schon einige Auftritte gehabt. Welche Live- Erfahrungen habt ihr gemacht ?
Mordan: Für mich sind Gigs immer wie ein Orgasmus. Es gibt nichts ehrlicheres, als mit einer tobenden Meute zu rocken. Ringsum fliegende Mähnen und schwitzende Leiber in der verqualmten, bierdunstigen Hütte. Ich würde auch vor drei Mann (oder Frau) auftreten, solange diese mitmachen und Spaß haben (ist am Anfang der Bandgeschichte auch schon vorgekommen). Bislang haben wir eigentlich durchweg gute Live-Erfahrungen gemacht. Klar, es gab auch Gigs, wo weniger Aktion im Publikum stattfand, aber im Schnitt hat´s immer gerockt! Danke, Leute!
Visions Underground: In der Vergangenheit hattet ihr auch diverse Line-up Wechsel. Wie sieht es z.Zt. aus ? Glaubt ihr, dass das derzeitige Line-up das endgültige sein wird?
Mordan: Die bisherigen Wechsel im Line-up waren mein Einstieg als Sänger anno 2000 und vor kurzer Zeit der Einstieg unseres neuen Schlagwerkers Flo, der wirklich solide Arbeit leistet! Man kann nie sagen, dass das aktuelle Line-up das Endgültige sein wird, da man nie weiß, was in ferner Zukunft passieren mag. Jedoch hoffen wir, dass es so bleibt, weil die jetzige Besetzung, musikalisch wie menschlich, passt und schädelt!
Visions Underground: Wie ist das Verhältnis zwischen den Musikern ausserhalb der Band ? Seid ihr auch privat befreundet oder macht ihr "nur" Musik zusammen ?
Mordan: Neben gemeinsamem Musizieren treffen wir uns auch „privat" am Wochenende, um gepflegt einen zu heben. Auf diesem Weg bin ich ja auch damals auf die Band gestoßen; beim feiern. Zusammen einen trinken zu gehen, schweißt die Band zudem zusammen und man kann schön die „Werbetrommel" rühren, hehe!
Visions Underground: Betreibt ihr die Band eher als Hobby oder wollt ihr sie, wenn sich die Möglichkeit bietet, zu eurem Hauptberuf machen ?
Mordan: Nun, ich denke in erster Linie sollte der „Spaßfaktor" vorrangig sein. Das heißt nicht, dass wir das, was wir fabrizieren nicht ernst nehmen, nur sollte die Sache ungezwungen bleiben und einem Freude bereiten. Natürlich ist es der Traum eines jeden leidenschaftlichen Musikers, einmal ausschließlich von der selbst kreierten Musik zu leben, doch gehen wir alle momentan nebenbei noch unseren regulären Jobs nach und so ist die Band vorerst noch der Nebenberuf. Ich denke, dass ich, wenn sich die Chance ergäbe, die Band schon zu meinem Hauptberuf machen würde.
Visions Underground: Ihr habt eure Alben selber produziert. Ist denn in Zukunft ein Plattenvertrag in Aussicht ?
Mordan: Die erste CD (Loss Of Light) wurde gemeinsam mit einem Bekannten in dessen Studio aufgenommen. Das Resultat war ganz ok, jedoch hört man heraus, dass zu damaliger Zeit einfach die Erfahrung in puncto Produktion fehlte. In der Zwischenzeit hatten wir die Gelegenheit, ein kleines, aber feines Studio in unseren Proberaum zu integrieren. So hatten wir die Gelegenheit, uns mit den technischen Finessen (und Tücken) vertraut zu machen und die dadurch gewonnenen Erfahrungen und Fähigkeiten bei der nächsten Produktion auszuschöpfen. Das Ergebnis ist unsere zweite Scheibe „Astral Mirrors", deren Sound um einiges erhabener geworden ist, als auf „Loss Of Light". Wir konnten uns halt genug Zeit nehmen, um an den Details herumzufeilen, bis wir zufrieden waren (an dieser Stelle noch einmal ein großes Lob an Andi, der sich am meisten in die Materie reingekniet hat!). Außerdem ergriffen wir diesmal die Möglichkeit eines prof. Masterings, welches die Soundqualität noch um einiges nach vorne pushte. Naja, wir sind immer noch auf der Suche nach einem „vernünftigen" Label, das uns wirklich weiterbringt.
Visions Underground: Welche Bands hört ihr privat ? Habt ihr Vorbilder bzw. was sind eure musikalischen Einflüsse?
Mordan: Durch meine Gehörgänge preschen meistens die Death-, Black- und Thrash Metal-Helden der späten 80er und frühen 90er, die mich auch maßgeblich beeinflusst haben (und es immer noch tun). Ich wandere jedoch auch mal gerne durch die Gefilde des nichtmetallischen Universums wie Neofolk, elektronischen Sachen, Klassik (vor allem Soundtracks). Auch neuere Sachen wie z.B. „Norah Jones" oder „Franz Ferdinand" gefallen mir. Momentan höre ich gerade „System Of A Down", die ich sehr gerne mag. Inspiration hole ich mir von den unterschiedlichsten Musikstilen. Vorbilder... Hmm, schwer zu sagen. Es gibt einige Menschen, die ich aufgrund ihrer Leidenschaft und ihres Herzblutes gegenüber der Musik sehr schätze, wie z.B. Satyr, der neben seiner Band (inkl. Projekten) noch sein eigenes Label hat, womit er auch unbekannte Bands unterstützt. Oder Peter Tägtgren, ein Wahnsinniger, der sein Leben wirklich ausschließlich der Musik widmet. Es gibt noch einige andere Persönlichkeiten, denen ich an dieser Stelle meine Bewunderung aussprechen könnte, aber ich will keinen langweilen. Ok, ein paar noch... Hail Proscriptor, Lemmy, Tom Angelripper, King Diamond, Mille Petrozza, Snake, Christofer Johnsson, Chuck Schuldiner, Trey Azagthoth, Warrel Dane, Blackheim, Dan Swanö, L.v.Beethoven......
Visions Underground: Gibt es eine Band mit der ihr unbedingt mal touren wollt / ein Festival, auf dem ihr unbedingt mal spielen wollt ?
Mordan: Ich würde gerne mal mit „Eläkeläiset" touren, weil dann Spaß und Komasaufen vorprogrammiert sind, haha. Ansonsten ist mir eigentlich egal, mit wem wir auftreten, solange kräftig gerockt wird und die Jungs (Mädels?) menschlich keine Arschlöcher sind. Die meisten größeren Festivals sind so unverschämt teuer geworden, das die Auswahl nicht mehr ganz so einfach fällt. Auf jeden Fall spielen wir am 3. Juli auf dem Blackside Festival im Hunsrück. Wir arbeiten an weiteren Gigs.
Visions Underground: Ihr habt die letzten Worte:
Mordan: Tja, vielen Dank für das Interesse an uns und für dieses Interview, was Spaß gemacht hat! Für weitere Infos besucht einfach unsere Homepage www.midwinteronline.de und schenkt unserem aktuellen Album „Astral Mirrors" mal ein Ohr!! Ansonsten kommt auf unsere kommenden Gigs und schädelt kräftig, wir freuen uns drauf!! Keep the black flame burning inside!!! Herzlichst, Mordan von Midwinter
NADINE SANDFORT / V.U.
