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Battlelore 07.05.2007 - Dortmund / Tarantula Cult Club

Battlelore 1Es ist ein ganz gewöhnlicher Montagabend: Gestresste Städter fahren in Hoffnung auf einen ruhigen Abend hektisch nach Hause, es wird langsam dunkel... Und wir machen uns auf den Weg zum Tarantula Cult Club, der vor kurzem noch Starclub hieß, und nun unter neuen Betreibern und neuem Namen wiedereröffnet wurde. Es war schwierig genug, überhaupt die Homepage des Ladens ausfindig zu machen, und wir bekamen schon im Vorfeld die leise Ahnung, dass uns heute ein kuscheliges kleines Büdchen erwarten würde. Und wie Recht wir hatten! Als wir um kurz vor neun in den Laden kommen, gucken wir in ungefähr 17 Gesichter. Das soll alles sein? Es kommen jedenfalls keine neuen Besucher mehr hinzu, doch der Veranstalter Dave versichert uns, dass er die Miesen lieber selber ausbadet als die Band dafür blechen zu lassen- eine sehr löbliche Einstellung. So werden Battlelore heute wohl auf ein großes Publikum verzichten müssen, doch kleine Gigs haben auch ihre Vorteile: Der Kontakt zur „Menge“ ist intensiv und falls etwas schiefgeht gibt es nur ein paar Augenzeugen.
Wir bestellen erst mal etwas zu trinken (auch ein Vorteil eines so mager besuchten Konzertes: Man muss nicht stundenlang auf sein Bier warten), und kurz darauf nach einer persönlichen Ankündigung vom Veranstalter marschieren die Finnen und Finninnen von Battlelore gegen halb zehn dann geschminkt, gewandet und bewaffnet (Sänger Tomi kann halt nicht ohne sein Schwert) auf, und nach einigen Umstellungen hat auch jeder einen Platz auf der relativ knapp bemessenen, etwa 15 cm hohen "Bühne" gefunden. Schon bald wird uns klar, dass dieser laut Bandaussage kleinste Gig, den sie je gespielt haben, ganz gemäß dem Motto: „Klein, aber oho“ abläuft – und laufen wird.

Battlelore 2Tomi lässt es sich nicht nehmen, alle zwei bis drei Songs ein paar Runden um den Tresen zu drehen, ein paar Leute anzushouten und dem ein oder anderen die Hand zu schütteln, zuzuprosten oder das Mikro zum gröhlen hinzuhalten. Er nimmt die anfangs für alle recht ungewöhnliche Situation gelassen hin und macht mit seinen sehr unterhaltsamen Einlagen das Beste daraus. Sängerin Kaisa bedankt sich auf Deutsch, und die wahnsinnige Spielfreude der Band macht dieses Konzert zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Trotz der geringen Besucherzahl gibt die Band alles, spielt das ganze lange Set durch und bangt was das Zeug hält, und das hätten sie selbst dann genauso getan, wenn nur eine einzige Person diesem Konzert gelauscht hätte. Gegen Ende kriegt die Band zwischen zwei Songs zur Stärkung einen Jägermeister vom Chef überreicht, woraufhin sie den Anwesenden auf Deutsch und Finnisch zuprosten (Kaisa: "It always works"), was die intime Atmosphäre noch erheblich verstärkt. Dieses Konzert fühlt sich an wie eine ganz persönliche Wohnzimmerparty mit guter Livemusik. Als Tomi mal wieder Reißaus von der Bühne genommen hat und mitten in der Bar steht, feuert er seine Band an, die ihm wiederum von der Bühne mit erhobenen Fäusten Feedback geben, ganz als seien sie selbst das Publikum. Schließlich lohnt es sich auch nicht, vor der Zugabe kurz in den kleinen Nebenraum zu verschwinden, weshalb diese ganze Prozedur kurz simuliert und dann lässig übergangen wird.

Battlelore 3Danach unterhält Tomi das Publikum noch mit einer Solo-Zugabe, da die anderen bereits ihre Instrumente abgelegt haben, und kündigt einen Napalm Death Song an, der allerdings nur aus der finnischen Zählung bis drei und einem lauten Brüller besteht. Sehr amüsant das Ganze, und die Sympathiepunkte der Band haben während des Gigs ungeahnte Höhen erreicht. Wir hatten Zweifel, ob die Jungs und Mädels überhaupt spielen würden angesichts des geringen Interesses, doch diese erweisen sich als absolut unbegründet, haben sie doch eher mehr als sonst gegeben und versichern uns nach der Show, dass dieses Konzert spieltechnisch eines der Besten der ganzen Tour war, da sie den Eindruck nicht losgeworden sind, in ihrem eigenen Proberaum zu stehen. Danach geht die Party in der Bar weiter und der Veranstalter hält die Band und Crew vom Weiterfahren ab, indem er unzählige Jägermeister springen lässt, sodass die anfängliche Wohnzimmerparty zu einer Privatparty im kleinen Kreis mutiert. Großes Lob an die Band, die alles gegeben hat, und an Veranstalter Dave, der alles für die Band gegeben hat. Ein rundum genialer und extravaganter Abend, der in seiner Außergewöhnlichkeit allen Beteiligten in positiver und betrunkener Erinnerung bleiben dürfte - der Cult Club trägt seinen Namen an diesem Abend zu Recht.


Setlist:
Intro
Fangorn
Into The New World
Ghan Of The Woods
House Of Heroes
Longing Horizon
Storm Of The Blades
Journey To Undying Lands
We Are The Legions
Buccaneers Inn
Beneath The Waves
The War Of Wrath
Ocean´s Elysium
Sons Of Riddermark
The Mark Of The Bear
Pallando-Forgotten Wizards I


Julia & Daniela S./V.U.

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