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Hellflame Festival - 02.09.2006 Eventcenter B51 / Osnabrück

Was macht man, wenn man festivalsüchtig ist, und alle Open Airs vorbei sind? Anstatt der nächsten Saison entgegen zu fiebern, ist ein Teil der Visions Underground Crew gen Norden aufgebrochen, um das Ein-Tages-Indoor-Event Hellflame mitzuerleben. Vom Veranstalter diverser Events wie dem Winternoise ins Leben gerufen, findet dieses Festival im Eventcenter B51 in Osnabrück statt. Acht Bands werden heute der Nackenmuskulatur des Publikums alles abverlangen, und im Biergarten vor der Halle kann man sich entspannen und in netter Gesellschaft ein oder zwei kalte Weizengetränke zu sich nehmen.
Leider geraten wir auf dem Weg, wie immer im Ruhrgebiet, in einen Stau, und so kommen wir zu den letzten Klängen der ersten Band Adversus gegen 15.00 Uhr an dem Eventcenter an. Unglücklicherweise ist die Schlange vor der Halle ziemlich lang, sodass wir nach ungefähr einer halben Stunde endlich in die Venue gelangen. Im Prinzip ist diese wie geschaffen für solche Veranstaltungen wie das Hellflame, aufgrund des relativ warmen Wetters ist die Luft allerdings sehr stickig und drückend, was der guten Stimmung während den Shows jedoch keinen Abbruch tut. Diejenigen, die sich mit Merchandise ihrer favorisierten Bands eindecken wollen, können dies zu Genüge, und auch für Essen und Trinken ist gesorgt. Anstelle von einem Bon- oder Bargeld-System muss man hier Getränkekarten kaufen, doch wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat diese Hürde zu meistern, nervt es einen auch nicht mehr allzu sehr.

So machen wir uns also mit unserem ersten erstandenen Bier auf zu 1349. Die Norweger haben ein bisschen am Besetzungskarussell gedreht, sodass Drummer Frost, bedingt durch seine Hauptband Satyricon, nicht die Stöcke schwingt, sondern dies Tony Laureano überlässt, der wiederum kein Geringerer als der Ex-Drummer von Nile ist. Ansonsten gibt´s wie immer mächtig böse Mine, ganz viel Corpsepaint, Nieten bis zum Ellenbogen, und jede Menge Black Metal Geknüppel. Allerdings kommt der Sound leicht verzerrt rüber, was der Stimmung aber keinen Abbruch tut. Gespielt wird ein Querschnitt der letzten drei Alben und trotz Sonnenschein, der hell und freundlich durch die Dachfenster fällt, und einer spärlich gefüllten Halle ein wirklich schwarrrzer Auftritt.



Etwas im Zeitplan verzögert, legen Necrophobic ganz ohne Corpsepaint, dafür mit umso unverfälschterem Death Metal los. Die Vierer-Bande aus Schweden hat es zwar aufgrund von Soundproblemen anfangs ein wenig schwer, das Publikum für sich zu gewinnen, doch das ändert sich zum Glück bald. In den knapp fünfzig Minuten Spielzeit lassen Sänger/Bassist Tobias Sidegard, Drummer und einzig übrig gebliebenes Gründungsmitglied Joakim Sterner, Lead Gitarrist Sebastian Ramstedt und Rhythm Gitarrist Johan Bergebäck die Ohren der Fans bluten. Die seit 17 Jahren bestehende Band veröffentlichte im Mai diesen Jahres ihr neues und hochgelobtes Album „Hrimthursum“ und gibt bei ihrem heutigen Auftritt unter anderem Hörproben hieraus zum Besten. „Act of Rebellion“ erlebt heute seine Deutschland-Premiere und wird ebenso wie das geniale „The Crossing“ durch eine eindrucksvolle Live-Show dargeboten. Weiterhin präsentiert das Stockholmer Death Metal Urgestein dem Osnabrücker Publikum Songs wie „Spawned by Evil“, „Nailing the Holy One“ , welches eindeutig als ein Highlight des Gigs bezeichnet werden kann und dem vor kurzem durch Selbstmord umgekommenen DISSECTION-Sänger Jon Nödtveidt gewidmet wird, und „Sithra Ara“. Die Lichteffekte unterstreichen die musikalische Wirkung eindrucksvoll und so stört nur das übertriebene, aber altbekannte „FUCK YOU, CHRIST!“

Wintersun können sich zwar nicht ganz so vieler Fans erfreuen wie die vorangegangene Band, doch diejenigen, die sich den Gig anschauen, bekommen eine musikalisch hochkarätige Show geliefert. Die Band um Gitarrist/Sänger Jari Mäenpää ist in Topform und spielt sich kompetent und überzeugend durch den Set. Dieses besteht aus dem gesamten Debütalbum (ausgenommen Bonustrack), und der relativ jungen Band ist die Spielfreude noch deutlich anzumerken, was der ganzen Show eine erfrischende und sehr sympathische Note verleiht. Die langen Spielzeiten der Songs wirken live zum Teil etwas langatmig, doch konzentriert man sich auf die musikalischen Fähigkeiten der Band, kann man darüber hinwegsehen und sich in Staunen versetzen lassen. WINTERSUN ziehen die Fans in ihren Bann, und hinterlassen nach einer knappen Stunde Spielzeit ein zufriedenes Publikum.

Die Holländer von God Dethroned machen sich nun daran uns eine gehörige Portion Death Metal um die Ohren zu ballern. Und obwohl sie schon 15 Jahre auf dem Buckel haben, haben sie nicht verlernt zu knüppeln. Auch dem Publikum gefällt es und so verwundert es nicht, dass mächtig Bewegung in der Halle ist. Mit
„Tombstone“ als letztem Song verlässt die Band dann schlussendlich die Bühne.

Als nächstes entern die Urgesteine von Marduk die Bühne und verbreiten ihren pechschwarzen Blackmetal unter der Meute. Der relativ neue Fronter Mortuus, der den seit 2003 nicht mehr zur Truppe gehörenden Legion ersetzt, hat sich gut in die Band eingefügt und so donnern uns die Musiker eine Dampfwalze nach der anderen um die Ohren. Kein Wunder, dass vor allem die Klassiker „Burn my coffin“, „Panzerdivision Marduk“ und auch „Throne of rats“ die Songs sind, wo der Moshpit vor der Bühne ins Heftigste ausartet. Mit ihrem finsterl-brachialen Sound kommen die bedrohlich wirkenden Schweden super an und man hat sein helle –oder in diesem Fall dunkle- Freude daran, den musikalischen Leistungen der Mannen zuzuschauen; vor allem das Geknüppel des Drummers Emil ist beeindruckend. Ein gelungener Auftritt, der dem Publikum ordentlich eingeheizt hat.

Als die Schweden von Unleashed nun die Bühne betreten, ist die Halle mächtig voll. Leider ist es Drummer Anders nicht möglich zu trommeln, da dieser mit einem Lungenkollaps im Krankenhaus liegt. Somit wird er von Incardine Drummer Jonas Tyskhagen vertreten, der den Verhinderten jedoch würdig ersetzt. In der knappen Stunde Spielzeit wird zwar kein neues Material gespielt, dafür aber Songs wie „Before The Creation Of Time“, „Into Glory Ride“ und „The Longships are Coming“. Zwischendurch klettert ein mutiger Stagediver die Bühne empor und bekommt als Belohnung den Inhalt von Johnny Hedlunds Trinkhorn über die Rübe. Ihm scheint es aber offensichtlich zu gefallen, denn er macht keine Anstalten zu gehen, sodass es der Hilfe der Securities bedarf, ihn wieder runter zu befördern. Alles in allem mal wieder ein gelungener Auftritt.

Die mitternächtliche Spielzeit der Headliner Gorefest erweist sich leider als wenig günstig, da der Platz vor der Bühne im Laufe ihres Auftritts aufgrund vorangegangenem, immensem Alkoholkonsums immer lichter wird. Mit „For the masses“ und „When the dead walk the earth“ legen die Holländer mit derselben Titelfolge wie auf dem Album los und die Fans vor der Bühne sind doch noch recht gut zu mobilisieren und feiern auch mit viel Stagediving gut ab. Die Death-Helden legen eine ordentliche Show hin, und das Publikum dankt es mit entsprechenden Reaktionen -hier wird gejubelt und noch ordentlich gemoshed. Schwerpunkt der Setlist bildet natürlich das neue Album „La Muerte“, und ansonsten werden noch Stücke von den Alben „False“ und „Erase“ gespielt. Vor allem Lead-Gitarrist Boudwijn zeigt was er drauf hat und präsentiert ein Hammersolo nach dem anderen, und auch Fronter JC ist in stimmlicher Topform. Die Lichtshow unterstreicht den extremen Sound der Band noch zusätzlich, wenn sie auch zuweilen etwas zu grell für den ein oder anderen sein mag und die Sicht auf die Bühne manchmal erschwert. Mit dem Kracher „Confessions of a serial killer“ gibt’s zum Abschluß noch einen Track vom „Mindloss“ –Album. Gelungene Show, wenn auch nicht ausreichend gewürdigt- der Alkohol hinterlässt zu so später Stunde nun mal seine Spuren.

Insgesamt war dieser Tag sehr entspannt, die Atmosphäre war gut, die Halle war nicht überfüllt, der Sound war zufriedenstellend und das Wichtigste – jede Band hat einen super Auftritt hingelegt.
Für 2007 sind bereits GORGOROTH bestätigt, also lohnt es sich, sich schon jetzt den 08.09. freizuhalten um erneut das Eventcenter B51 zu besuchen und der einzig wahren Musik zu frönen.
Den Schluss der Nachbetrachtung soll eine kleine Anekdote bilden : Zwei Iren, die eigentlich auf dem Weg nach Berlin waren, erfuhren im Zug durch Zufall von dem Festival und machten kurzfristig einen Abstecher nach Osnabrück. Ihr Kommentar : „ Great people, great music – it was worth coming here!“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Daniela S. , Nadine S. , Julia K. / V.U.

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