Sauna Open Air 2006
Das City Festival Sauna Open Air, welches im Park inmitten von Tampere stattfindet, ist ein schönes, mittelgrosses Festival in gemütlichem Ambiente und wunderschönem Ausblick auf den See. Auch dieses Jahr ist das Line-up nicht zu verachten, hat man doch den perfekten Querschnitt aus zur Zeit angesagten jungen Bands und Rockveteranen geholt. Natürlich kann auch Visions Underground sich dieses Festival nicht entgehen lassen, und so fliegen wir kurzentschlossen für ein paar Tage nach Tampere um dem puren und unverfälschten Rock´n´Roll zu fröhnen.......

Von Tag eins bekommen wir leider "nur" den Rest von IGGY AND THE STOOGES mit, da wir erst an diesem Tag gelandet sind. Iggy spüht vor Energie, verrenkt sich wie ein Schlangenmensch, fegt über die Bühne und macht den Alleinunterhalter, natürlich im typischen Outfit- engen Jeans und nacktem Oberkörper. Als er das Mikro in die Menge wirft, wird er von einem Fan aufgefordert, doch bitte sein bestes Stück zu zeigen, worauf er jedoch nur ein Grinsen von Iggy erntet. Dann geht es weiter mit jeder Menge Rock´n´Roll. Tolle, kurzweilige Punkshow !
Den zweiten Tag eröffnen KIUAS, eine noch relativ junge Band aus Finnland. Obwohl das Publikum noch nicht so zahlreich erschienen ist, rocken die Jungs kräftig los. Sänger Ilja schafft es sogar, beim Propellern zu singen, Hut ab ! Gespielt wird ein guter Querschnitt aus beiden Alben "The Spirit Of Ukko" und "Reformation". Beim Song "Black Winged Goddess" holt man sich ein growlende Unterstützung in Form von Amorals Niko Kalliojärvi, der mit cooler gelber Sonnenbrille die Bühne betritt. Das erste Mal, dass wir diese Band live sehen dürfen, traten sie doch bisher nur in Finnland auf.

Dann steht endlich die von VU heiß ersehnte Ausnahmeshow der aus dem finnischen Kuopio stammenden TURMION KÄTILÖT auf dem Spielplan. Und sie enttäuschen ihr Publikum nicht eine einzige Sekunde lang. Das heutige Bühnenoutfit ist wie gewohnt ein Blickfang, MC Rakka Pee wie immer als psychopathischer Fleischermeister mit weißem Kittel, der Basser mit Cowboyhut, Lederminirock und Netzstrümpfen und Stagewhore Speggel im knappen Krankenschwester-Lackkleid mit rosa Strumpfhosen an Armen und Beinen. Im Laufe der Show entblättert er sich jedoch nach und nach, sodaß er zum Schluß nur noch in knappen Lederhotpants auf der Bühne steht. Nachdem er sich die rosa Strumpfhosen zerrissen hat, kniet er sich immer wieder provozierend hin, um sein gepierctes Prachstsück zu präsentieren. Musikalisch bleibt für eingefleischte TK Fans auch kein Wunsch offen, werden Songs von den beiden Alben "Hoitovirhe" und "Pirun nyrkki" sowie der Debüt EP gespielt. Als Sahnehäubchen gibt es noch das Rob Zombie Cover "Superbeast" dazu. Zudem sind die masochistischen Einlagen geballt wie nie. Speggel und der MC duellieren nicht nur gesanglich, sondern verhalten sich auch in ihrer Körpersprache wie konkurrierende Löwen im Käfig. So laufen sie wie sich bedrohende Wilde auf der großen Bühne im Kreis herum, wobei der MC Speggel einen starken schubsenden Stoß versetzt oder an den Haaren packt und ihn zu Boden wirft. Als TK bei ihren Fans im Publikum eine Lederpeitsche entdecken, wird diese kurzerhand auf die Bühne befördert und in die Show eingebaut. Diesmal ist aber nicht nur Speggel der Leidtragende, der sich hinknien und sowohl vom MC als auch vom Keyboarder, der ganz spontan die Lust zu quälen verspürt, auspeitschen lassen muss, sondern auf Jubel des Publikums ist diesmal auch der MC an der Reihe seinen Metzgerkittel hochzuziehen und auf dem Rücken Peitschenhiebe von Speggel einzuheimsen. Beim letzten Song und der Zugabe "Kärsi" geht die Bühnenshow dann ins Finale: Auf lautesten Jubel des Publikums wird Speggel zunächst eine Kippe auf der Zunge ausgedrückt, bevor in der Mitte des Songs schließlich die Kreissäge angeht und sich Speggel vom MC mit brennenden Funken beregnen lassen muss, die dabei bis ins Publikum fliegen. Dieses rastet bei jeder dieser TK-typischen Showeinlagen komplett aus, und auch wenn gerade mal niemand gequält wird ist die Stimmung super. So verlassen sie nach länger als einer Stunde Spielzeit die Bühne und hinterlassen eine Schar hochzufriedener Fans.

Obwohl wir uns direkt auf den Weg machen, spielen NORTHER schon, als wir die kleine Bühne erreichen.
Wieviel der Show wir verpasst haben ist unklar, als wir ankommen ertönen jedenfalls die letzten Klänge von "Norther". Sänger Petri Lindroos präsentiert sich als Superrockstar mit Spielgelbrille und Armykappe, während der Rest der Band zum Glück nicht so sehr aufs Posen setzt. Haben sie auch eigentlich gar nicht nötig.
Auch hier gibt es einen guten Querschnitt, wird doch nicht nur neues Material wie "Omen" oder "Evil Ladies" gespielt, sondern auch mit "Hellhole" und "You don´t know Shit"-im Refrain ganz spontan zu "You don´t know Paska" umgewandelt- Songs der EP, sowie "Released" vom allerersten Album "Dreams of endless war". Ziemlich peinlich wird es, als bei "Fuck You" drei Go-Go Girls die Bühne betreten und auf der sowieso viel zu engen Bühne auch noch versuchen zu tanzen und Peitschen zu schwingen. Die männlichen Fans im Publikum dürfte dieses Experiment mit Sicherheit gefallen haben, ob aber die auffällig vielen jungen Fans etwas damit anfangen konnten, dürfte zu bezweifeln sein. Nichtsdestotrotz ein netter Auftritt, aber nächste Mal bitte nicht krampfhaft versuchen, dick aufzutragen!

Ihre Feuerprobe mit neuem Sänger haben FINNTROLL ja schon im Nightlife Rock vor knapp zwei Monaten bestanden und auch beim deutschen Rock Hard Festival hat man Vreth schon vorgestellt. Nun darf er also zum dritten Mal auf die Bühne und macht seine Sache wirklich gut. Zwar muss man sich erst dran gewöhnen, dass er-zumindest optisch- das absolute Gegenteil zum gefeuerten Ex-Sänger Wilska darstellt, der doch eine etwas massigere Präsenz hatte, doch in der kurzen Zeit hat er sich schon gut ins Bandgefüge eingefügt. Auf die Outfits als auch auf´s "Warpaint" scheinen Finntroll wieder deutlich mehr Wert zu legen als in letzter Zeit, haben sie sich einheitlich in schwarze Röcke gekleidet und sich von Gitarrist Skrymer kunstvoll bemalen lassen. Die Songauswahl ist gut, natürlich darf das obligatorische "Trollhammaren" nicht fehlen, aber auch auf Jaktens Tid ist ein grosser Schwerpunkt gesetzt. Leider spielen sie weit unter einer Stunde- auf jeden Fall zu kurz !

CRADLE OF FILTH aus England sind die Headliner des zweiten Tages. Sie liefern keine sonderlich neue Show ab. Sänger Dani kreischt sich durch Songs wie "Nymphetamine", "Babylon AD", "Guilded Cunt" oder "Born in A Burial Gown" in gewohnt auffälligem Outfit, während der Rest der Band böse schauend auf die Instrumente einhämmert. Neu im Bandgefüge ist hierbei Tourkeyboarderin Rosie Smith, eine weibliche Verstärkung zu Sängerin Sarah. Zwei Zugaben gibt es auch noch oben drauf und so klingt Tag zwei auch schon viel zu früh aus.....
Die Schlangen, die sich gegen 16 Uhr vor dem Einlass stauen, machen einen schwindellig, es scheint kein Ende zu geben. Alle scheinen Finnlands Grand Prix Sieger Lordi sehen zu wollen, doch wir steuern erst mal auf die Nebenbühne zu ENSIFERUM.
Mit der relativ frühen Spielzeit sind die Bedingungen für eine ausgelassene Show zwar eher mäßig, trotzdem ist eine beachtliche Schar Fans vor der kleinen Bühne als die Kalevala Melody als Intro erklingt. Dann legen ENSIFERUM mit "White storm" los und werden von den Fans warm empfangen. Die Band spielt sich gekonnt und spielerisch durchs Set und erzeugt mit Klassikern wie "Little dreamer", "Hero in a dream" und "LaiLaiHei" gute Stimmung. Den Kracher "Iron" gibt´s dann noch zum Abschluß und nach der Show ist klar, dass ENSIFERUM einfach hervorragend gewesen sind, um auf den gerade angebrochenen letzten Festivaltag einzustimmen.

Danach geht´s zur Hauptbühne. Dieser ist mit Abstand der bestbesuchteste Tag des Festivals. Die Leute stehen gespannt vor der Bühne und warten bei nicht-enden-wollendem Intro auf LORDI. Die Sonne knallt erbarmungslos auf unsere Köpfe hernieder als Lordi mit einem lauten Knall endlich die Bühne betreten. Die Monster, in ihre gewohnten Horrorkostüme gekleidet, passen perfekt ins aufwendige Bühnenbild, das ein Friedhofszenario darstellen soll. Die Keyboarderin hat man hinter eine Art Altar gestellt, welcher von Kerzen umrahmt ist. Auch an Pyro wird nicht gespart- man feuert unentwegt Feuerfontänen in die Luft oder lässt Feuerwerk knallen. Da ich kein grosser Fan ihrer Musik bin, erkenne ich ausser ihren Burnern "Devil Is A Loser", "Bloodred Sandman" und "Would You Love A Monsterman" nicht wirklich viel mehr. Aber das muss man wohl auch nicht, fesselt die Show einen doch schon genug. Gegen Ende kommt Sänger Lordi in Wolfsmaske zurück und die Stimmung im Publikum wird immer besser. Sogar Kleinkinder halten auf den Schultern ihrer Eltern die Hörner in die Luft und viele Nicht-Metaller haben sich in die Reihen gemischt um Finnlands Sieger zu sehen. Die Pyroeffekte am Schluss sprengen alles, scheint die gesamte Bühne in Sprühregen zu stehen. Von der Decke, aus den Gitarren und sogar aus der Mikroständer-Axt sprühen die Funken. Mit welchem anderen Song als dem Siegersong "Hard Rock Halleluja" könnte man diese Show wohl beenden ? Sänger Lordi kommt unter Jubel mit seinem Finnland Hut zurück auf die Bühne und schmettert den Song, der Finnland den ersehnten Sieg brachte- welch ein Abschluss !
STAM1NA habe ich auf allen bisherigen Festivals verpasst und auch heute verpasse ich wieder den Anfang, da man ja auf jeden Fall noch die Lordi Zugabe sehen musste. Die Band, die ihr Debut erst letztes Jahr veröffentlichte, bringt eine gute Show und kann eine beachtliche Fanschar aufweisen. Die in finnisch gehaltenen Texte der Band aus Lemi gepaart mit der progressiven aber doch melodischen Musik finden auch bei mir Anklang, doch da es nun wirklich Zeit ist sich etwas zu Essen zu holen, müssen wir leider vor Schluss der Show gehen.
Von WASP bekommen wir nur die zweite Hälfte mit. Aber die Outfits und die Show der alternden 80´s Rocker ist nicht von schlechten Eltern. Und zumindest "Wildchild" und "I wanna be somebody" sehen wir noch. Die Meute geht ab und das zu Recht. WASP wissen immer noch, wie man die Menge rockt!

Der melancholische Goth-Rock von CHARON verspricht eine nette Abwechslung, die auch beim Publikum sichtlich Zuspruch findet. Die kleine Bühne und intime Atmosphäre ist geradezu perfekt für ihre Musik und die rockige Show, die sich vor allem durch das Charisma des Frontmannes J.P. Leppäluoto auszeichnet. Sie bieten eine gute Darbietung ihrer bisher fünf veröffentlichten Alben, wobei das Debüt jedoch leider vollkommen außen vor gelassen wird. Dafür werden von meinem persönlichen Lieblingsalbum "Tearstained" zu meiner großen Freude "Worthless" sowie "Christina bleeds" gespielt. Kracher wie "Ride on tears" und "In trust of no one" kommen aber auch nicht zu kurz. Bei "Ride on tears" gibt es statt den weiblichen Vocals tiefe Grunts von Basser Teemu, was mir persönlich sehr viel besser gefällt als die Album Version. Insgesamt liefern Charon eine überzeugende Show ab, die sehr gut ankommt. Sehr zu empfehlen!
TWISTED SISTER sollen nun das Festival beenden. Ein bisschen schwermütig sind wir ja schon, dass es fast schon vorbei ist. Aber eben nur fast, denn vorher wird noch mal kräftig gerockt. Obwohl die Herren schon in die Jahre gekommen sind, wird auf die typischen Twisted Sister Outfits nicht verzichtet. An der Vielzahl der Twisted Sister T-Shirts im Publikum kann man zweifelsohne sagen, dass sie die absoluten Headliner des Festivals sind. Doch Dee Snider und seine Mannen geben auch einige Anektoden zum besten zwischen den Songs. So zum Beispiel fragt er, ob dieser Casting Kram denn auch in Finnland liefe und macht ein klares Statement, als er sagt, dass man diesen Mist nicht unterstützen sollte und doch lieber die "real music for real people" supporten solle. Der Applaus, den er darauf hin bekommt zeigt, dass er mit dieser Meinung nicht alleine da steht. Musikalisch gesehen dürfen natürlich die Hits wie "We´re not gonna take it", "You can´t stop Rock´n´Roll" und das gross gefeierte "I wanna rock" auch nicht fehlen, nach welchem die Band von der Bühne verschwindet, bevor sie noch mal für drei Zugaben zurück kommt. Und danach ist es dann wirklich vorbei. Das Gelände wird geräumt und wir machen uns auf den Weg zu unserer letzten Aftershow Party für dieses Festival.
Fazit: Ein wirklich schönes Festival ! Uns hat es 100%-ig zugesagt und wenn das Line-up im nächsten Jahr wieder so gut ist, darf man mit Sicherheit auch 2007 mit uns rechnen !
Nadine S., Daniela S./ V.U. weitere Live-Reviews »»
