Spinefeast 2005 - 18./19.11.2005 Helsinki / Nosturi
FREITAG, 18.11.2005
Einlass 20.00 Uhr
Moonsorrow at 24:00
Rotten Sound at 23:00
Sólstafir (Iceland) at 22:15
Amoral at 21:30
Mygrain at 20:45
SAMSTAG, 19.11.2005
Einlass 20.00 Uhr
Turmion Kätilöt at 24:00
Lullacry at 23:00
Hevein at 22:15
Enf Of You at 21:30
Soulrelic at 20:45
Das vom Plattenlabel Spinefarm ins Leben gerufene Indoor-Festival Spinefeast, welches ganz Festival-untypisch Anfang des Winters im Nosturi in Helsinki stattfindet, war für uns (Daniela, Nadine, Julia) eine nette Gelegenheit, Bands, die man normalerweise nicht zu sehen bekommt, live zu genießen und in netter Atmosphäre ein oder zwei Cider (die man auch normalerweise außerhalb Finnlands leider nicht kaufen kann) zu trinken.

FREITAG, 18.11.05
Als wir am Freitag gegen 21.00 Uhr am Nosturi ankamen, mussten wir mit Schrecken feststellen, dass die Schlange vor der Halle relativ lang war, was für uns bedeutete, endgültig zu Eisklötzen zu frieren. Denn selbst die dicksten Pullis, längsten Schals und wärmsten Socken bringen nicht viel wenn der Wind einem bei gefühlter Temperatur von –20 Grad (wir haben uns ehrlich gesagt ein bißchen angestellt- es waren offiziell nur –1 Grad...) um die Ohren weht. Wie auch immer – als wir an der Bar unseren Cider in der Hand hielten, war alles wieder gut.
Ehrlich gesagt haben wir von My Grain, der ersten Band des Abends, nicht allzu viel mitgekriegt, da sie bereits spielten als wir ins Nosturi kamen und wir erstmal damit beschäftigt waren, unsere Körperteile wieder zum Leben zu erwecken........ Auf jeden Fall ging es mit Amoral weiter, die sich bereits trotz ihrer Jugend einen nicht zu geringen Ruf erarbeitet haben. Kein Wunder, sind die Konzerte doch immer wieder ein Garant für schnellen, harten und guten Metal. Auch diesmal hauten sie voll rein und spielten sowohl Lieder ihres Erstlings, der ja erst letztes Jahr released wurde, als auch ihrer brandneuen Platte „Decrowning“. Auch die Crowd genoß die harte Frische der Jungs und bedankte sich mit Moshpit und Applaus.
Gegen halb elf war es dann Zeit für Sólstafir aus Island. Da Island ja für seine aussergewöhnlichen Musiker bekannt ist, war ich sehr auf diese Band gespannt. Und als der Sänger dann mit einer schwarzen Taucherbrille, welche er während dem kompletten Gig nicht ablegte, auf die Bühne kam, war ich mir sicher, dass ich ein ungewöhnliches Konzert miterleben werde. Die extrem schwer zu beschreibende Musik, eine ganz eigene Mischung aus atmosphärischem Epic Metal, Rock und Indie, hat mich direkt begeistert. Die Band spielte eher neue Lieder, wobei auffiel, dass mehr englischsprachige Stücke vorhanden waren als auf den früheren Releases. Die charismatischen Musiker lieferten einen sowohl energiegeladenen, als auch gefühlvollen Gig ab und bestätigten den Eindruck, dass isländische Bands etwas ganz besonderes sind.
Während des Auftritts füllte sich die Location, und so erwartete ein bis in die letzten Ecken gefülltes Nosturi den Auftritt von Rotten Sound, bereit, die geballte Brutalität ins Gesicht gespielt zu kriegen. Und die Menge wurde natürlich nicht enttäuscht.... die Band gab alles und ich frage mich noch immer, wie man so dermaßen viel Energie besitzen kann. Front- Rhinozeros Keiju Niinimaa zeigte jedem, der dachte, er wüsste, was Aggressivität ist, was dieses Wort wirklich bedeutet und auch der Rest der Band stand ihm in nichts nach. Da die Grindcorer nicht nur aggressiv, sondern auch produktiv sind, bescherten sie dem dankbaren Zuhörer dieses Jahr mal wieder ein neues Album. Und auf dem Spinefeast gab’s Hörproben, die einem die Ohren wegbliesen. Brutalität in ihrer schönsten Form!
Blutbeschmiert betraten die Wegbereiter des Pagan Metal, Moonsorrow, gegen halb eins als Headliner des ersten Abends die Bretter, um durch ihren epischen Folk-Metal die Sagen ihrer Vorväter mitzuteilen. Das einzige, was mich ein bißchen irritierte, war, dass sowohl am Anfang als auch am Ende der Show, wohl zur Unterstützung der Atmosphäre, komische weiße Konfetti-Fetzen ins Publikum geblasen wurden. Aber das nur am Rande, der Auftritt selber war, wie man es von der Band gewohnt ist, mitreißend, einnehmend – einfach genial. Auch wenn man als Nicht – Finne den Erzählungen nicht so ganz folgen konnte, reichte doch allein die Musik aus, um gebannt dem Konzert zu folgen. Nach guten 1,5 Stunden Spielzeit verließen Moonsorrow um viertel vor zwei die Bühne und hinterließen ein müdes, aber glückliches Publikum. Relativ schnell leerte sich nun die Halle und auch wir begaben uns auf die Suche nach einer Bar um einen Gute-Nacht-Drink genießen zu können.
SAMSTAG, 19.11.05
Wie gestern betraten wir heute um ca. 21.00 Uhr das Nosturi, gerade rechtzeitig um die Gothic Rocker von Soulrelic mitzuerleben. Viel hat man von den Jungs noch nicht gehört, brachten sie ihren Erstling „Love is a Lie we both believed“ doch erst in diesem Jahr auf den Markt. Böse Zungen behaupten, hier nur wieder einen HIM / Negative - Abklatsch vorliegen zu haben, der Gig war dennoch nicht übel und es fehlte meiner Meinung nach nicht an Innovation. Sicher erfüllen die Fünf nicht nur äußerlich das Cliché des finnischen Gothic Rockers, musikalisch begabt sind sie trotzdem, und so war es durchaus eine Freude, das Konzert mitzuerleben.
Die folgende Band End Of You bekamen wir leider weder zu sehen noch zu hören, da wir uns für ein Stündchen verzogen um mit selten gesehenen Freunden ein lange fälliges Gespräch zu führen. Ich bin mir aber sicher, dass die Fans der fünf melancholischen Jungs nicht enttäuscht wurden und hoffe, dass sie mit ihrem Debutalbum, welches in Kürze veröffentlicht wird, Erfolge einheimsen können.
Von Hevein hieß es schon des öfteren, sie seien eine Band mit ganz besonderem Sound und nicht zuletzt durch die Szenengröße Max Lilja (Ex-Apocalyptica) besäßen sie einen hohen musikalischen Standart. Das Konzert, welches sie an diesem Tag ablieferten, ließ mich dies nur bestätigen. Das Sextett lieferte vor kurzem ihr Debutalbum „Sound Over Matter“ und demonstrierten das Ergebnis eindrucksvoll auf der Bühne. Einerseits sehr gitarrenlastig und mit der nötigen Härte, komplettieren die Streichinstrumente (Cello und Violine) den Sound mit atmosphärischen Melodien. Da die Musik in keine Richtung einzuordnen ist, sondern die Grenzen sprengt und sowohl Thrash Metal als auch Gothic Rock ist, war das Konzert sehr erfrischend und mitreißend.
Und weiter ging’s in der eher Gothic- orientierten Richtung mit den vier Männern und der Frau von Lullacry, die gerade ihr viertes Album (passenderweise mit Vol. 4 betitelt) auf den Markt gebracht haben. Frontfrau Tanja’s Outfit allein machte den Gig sehenswert, welcher an sich keine großen Überraschungen bereit hielt. Die Songs waren für meinen Geschmack etwas zu schnulzig und unspektakulär, so dass der Auftritt mich eher gelangweilt als begeistert hat.
Jeder, dem wir erzählten, dass unser persönliches Highlight auf dem Spinefeast der Auftritt der „finnischen Rammstein“ Turmion Kätilöt sei, machte uns darauf aufmerksam, dass über ebendiese gerade in jeder Zeitung zu lesen sei, da sie auf einem nicht sehr lange zurückliegenden Festival in Finnland sich wohl Marilyn Manson als Vorbild genommen hatten und einen Blowjob in ihre Show integriert hatten, weshalb sie sich an diesem Abend in dem Sinne dezent zurückhielten, als dass sich Sänger Spellgoth nicht wie sonst komplett entblößte.
Wir brachen auf jeden Fall voller Vorfreude nach Lullacry auf, Richtung Moshpit, um die Show so intensiv wie möglich mitzuerleben. Schon während der ersten Beats rastete das Publikum aus, und als dann die Sänger „Mc Raaka Pee“ in seinem Fleischer-Outfit und „Spellgoth“ in knappem Krankenschwesterntop und seinem obligatorischen Lackröckchen und Corpsepaint auf der Bühne erschienen und auch der Rest der Band wie immer geschminkt und verkleidet als eine Mischung aus truer Death Metaller, Satanist, Perverser, Clown und Außerirdischer, zu sehen waren, gab es kein Halten mehr. Bei jedem Lied grölte das Publikum lauthals mit und das Moshpit war mindestens genauso groß wie bei Rotten Sound. Die stampfenden Techno-Beats, die rockenden Gitarren und die eindringlichen Zwie-„Gespräche“ der beiden Sänger waren schon ohne Show mitreißend genug. Doch Turmion Kätilöt („Hebammen des Verderbens“) wären nicht Turmion Kätilöt, wenn sie nicht eine schlagzeilenverdächtige Bühnenshow liefern würden. Und so machten sie auch auf dem Spinefeast keine Ausnahme. Mc Raaka Pee, welcher als dominanter Herrscher die Aufgabe hatte, Zigaretten auf Spellgoth‘s Körper und Zunge auszubrennen, ihn sowohl mit einem Nietengürtel als auch mit einer Lederpeitsche zu schlagen und die Funken eines Schweißgerätes auf Spellgoth’s mittlerweile nackten Oberkörper zu sprühen, hatte eindeutig die angenehmere Position inne, doch Spellgoth, wessen Körper über und über mit Wunden bedeckt war, schien der Schmerz so oder so nicht viel auszumachen, zumindest verzog er keine Miene bei den ganzen Spielchen.
Dass solch eine Show anstrengend ist, muss nicht extra gesagt werden, und so verließen die gestörten Hebammen schon nach einer knappen Stunde Spielzeit, in der fast alle Lieder des bisher einzigen Longplayers gespielt wurden, die Bühne und hinterließen ein absolut atemloses Publikum. Das Konzert hat all meine Erwartungen erfüllt und so erholten wir uns glücklich und ausgepowert mit ein paar Drinks. Langsam aber sicher leerte sich die Halle, aber da wir im Gespräch vertieft waren, merkten wir überhaupt nicht, wie die Zeit verflog. So wurden wir gegen drei Uhr freundlich gebeten, unser Gespräch auf eine andere Bar zu verlegen und wir machten uns, da unser Rückflug schon für Sonntag morgen gebucht war und so oder so keine Bars mehr Leute einließen, auf den Rückweg.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Spinefeast Festival eine gute Gelegenheit ist, vor allem auch unbekanntere Bands in kleinem Rahmen live zu sehen sowie nette Leute zu treffen und bei ein paar Bierchen die Musik zu genießen. Also falls ihr nächstes Jahr plant, gegen Ende des Jahres Helsinki zu besuchen, guckt beim Nosturi vorbei – es lohnt sich !!!
- Julia / V.U. weitere Live-Reviews »»
