Live Review

V.U.-Site durchsuchen

Ultima Ratio Festival 2 - Kulturfabrik Krefeld

Zum zweiten Mal soll am 06. Mai diesen Jahres, nur knapp einen Monat nach dem Ragnarök Festival, ein weiteres Pagan – Festival stattfinden. Diesmal jedoch nicht im tiefen Süden, sondern in Krefeld in Nordrhein – Westfalen. Ultima Ratio nennt sich das Ganze und ein Teil des Visions Underground Teams hat sich, zusammen mit ungefähr 1300 weiteren Heiden, auf den Weg gemacht, dem Spektakel beizuwohnen. Situiert in der Kulturfabrik verspricht das Festival mit 14 Bands einen ereignisreichen Tag. Im Nachhinein hätte man sich vielleicht überlegen sollen, zwei oder drei Bands weniger einzuladen um so extremen Zeitverschiebungen, Kürzungen und Verwirrungen zu entgehen.
Als wir gegen Mittag auf den Parkplatz vor der Halle einbiegen, schwant uns Übles : Aufgrund einer sehr, sehr lange Menschenschlange befürchten wir zu Recht mindestens eine halbe Stunde Wartezeit. Und so verpassen wir leider die ersten beiden Bands des Tages, STEELPREACHER und MINJAR. Bald sehen wir auch den Grund dafür, dass es so gut wie kein Vorankommen gibt: Nur ein Helfer konnte anscheinend für die Vergabe der Bändchen gewonnen werden. Und zu dem Zeitpunkt, an dem wir in seine Sicht kommen, sind sowohl Bändchen als auch Pässe so gut wie vergriffen. Da stellt man sich doch unwillkürlich die Frage, ob Besucherzahlen und Bändchenzahlen nicht abgeglichen hätten werden können. Nun gut, Hauptsache wir sind da. Vor der Halle sind Bänke und Sonnenschirme aufgestellt, sodass man sein Bier (2 Euro) oder Met (1 Euro) bei wunderbarem Sommerwetter unter freiem Himmel genießen kann. Ein wenig verwundert registrieren wir, dass nur ein Fressstand vorhanden ist, welcher darüber hinaus auch nur halbrohe Würstchen verkauft und gegen 18 Uhr vom Gelände verschwunden ist. Um die Ecke gibt es zwar Pizza usw. zu kaufen, sodass niemand verhungern muss, jedoch mangelt es auf dem Festival selber eindeutig an fester Nahrung.

Wir begeben uns nun auf jeden Fall ins Innere der Location um VARG mitzuerleben. Das Gedrängel am Ein- bzw. Ausgang verursacht bei Einigen garantiert Platzangst, die Halle selber ist jedoch groß genug um alle Zuschauer zu fassen. Dank einer Erhöhung kann man, selbst wenn man nicht in den ersten Reihen steht, einigermaßen gut sehen. Die Viking-Metal-Cover Band VARG verbreitet in der Halle durch ihre gelungenen Cover von Amon Amarth bis Finntroll gute Stimmung und auch das Trinkspielchen kommt gut an. Allerdings gibt es diesmal statt Met (wie noch auf dem Ragnarök) „nur“ Bier. Die Jungs scheinen auf jeden Fall sehr motiviert und geben zum Schluss auch ein eigenes Lied zum Besten, sodass man auf weiteres eigenständiges Material gespannt sein dürfte.

Als nächste Band steht THRUDVANGAR auf dem Programm, und wir sind gespannt auf die Performance der sechs Viking-Metaller aus Sachsen - Anhalt. Obwohl sie erst ein Album veröffentlicht haben, sind Lieder wie „Piraten des Nordens“ und „Einherjer“ bereits Kult. Und das ist kein Wunder, legt die Band doch mit voller Power los und hat die gut gefüllte Halle bis zum letzten Lied voll im Griff. Vor allem Sänger Matze überzeugt durch seinen Elan , doch auch dem Rest der Band merkt man die Spielfreude an. Obwohl sie so früh ran müssen, verbreiten die Jungs mit ihrer professionell gespielten Show eine Bombenstimmung, welche nach ungefähr einer halben Stunde leider viel zu früh ein Ende findet, nachdem sie mit „Walhall“ ein Lied des hoffentlich bald erscheinenden zweiten Albums zum Besten gegeben haben. Es ist immer wieder erfrischend zu sehen, wenn eine Band zu 100% hinter ihren Liedern steht!

Laut Running Order stehen im Anschluss Ordroerir an, doch da diese jedoch noch im Stau stecken, werden die Black Metaller von AASKEREIA vorgezogen. Die Schwarzwäldler um Sänger Grim versprechen heidnischen Black Metal, und zumindest optisch erfüllt die Truppe ihre Versprechungen. Sowohl Akkustikgitarristin Yord als auch Gitarrist Eihwaz und Drummer Fafnir laufen im guten alten Corpse-Paint auf, und Grim steht ihnen natürlich in nichts nach. Leider ist der Sound noch immer nicht der Beste, und so fräst sich Grims, sagen wir einmal „ungewöhnlicher“ Gesang, doppelt fies in alle Gehirnwindungen. Irgendwie erinnert mich das Ganze ein wenig an ein Schlachtfest beim Schweinebauern, aber auch das kann Spaß machen ! Und true ist es allemal. Yord bangt sich die Seele aus dem Leib und bildet einen schönen Kontrast zu dem düster auf seine Klampfe einhauenden Gitarristen an ihrer Seite. Die nicht gerade zum Bersten gefüllte Halle stört die Dunkelmetaller anscheinend nicht sonderlich, denn sie liefern von „Erkenntnis“ über „Aaskereia“ bis zum letzten Lied „Der stille Schrei“ eine leider viel zu kurze, aber verdammt eindrucksvolle Show ab.

Gerade noch im Stau, jetzt auf unserer Showbühne: ODROERIR aus Thüringen dürfen als nächstes auf die Bretter. Die Band, die sich zusammensetzt aus diversen Musikern der Bands Menhir und XIV. Dark Centuries, darf vor gut gefüllter Halle spielen. Sie kann als eine eher ruhige Band charakterisiert werden, die zum männlichen Gesang auch eine weibliche Stimme hinzu zieht. Neben der Show begeistert auch die Bühnendeko: es hängt eine Fahne auf Bühne und an den Mikroständern sind Hörner angebracht, aus denen hin und wieder auch getrunken wird. Auch die Gewänder der Musiker sind schön anzusehen. Die Lieder sind relativ langatmig und teils rein instrumental. Doch die schönen, harmonischen Melodien kommen beim Publikum gut an, singt es doch fast jeden Song lautstark mit.

Dann folgt der Auftritt der Wikinger BLACK MESSIAH aus Dortmund. Mit „Blutsbrüder“ geht’s auch gleich zur Sache. Ihre Kreation aus schnellem Black Metal mit osteuropäischen Folkelementen wird mit scheinbar großer Spielfreude zum Besten gegeben, und Zagan’s Wechsel vom Mikro zur Violine trägt auf jeden Fall zur Unterhaltsamkeit bei. Nach einigen Songs dann werden die Pagan Metaller noch von der optimal zum Sound passenden irischen Folkkapelle Moron’s Dew unterstützt, wodurch die Show zu etwas ganz Besonderem wird. Die Folkelemente von Moron’s Dew mit ihren Flöten und Akustikgitarren ergänzen sich einfach unglaublich gut mit Black Messiah, und so liefern sie alle zusammen eine sehr stimmungsvolle Show ab. Der Fokus liegt hauptsächlich auf dem momentan noch aktuellen Album „Oath of a warrior“, aber es werden auch einige neue Stücke gespielt, die sehr gut ankommen und einem bereits Lust auf das im August erscheinende Album „Of Myths and Legends“ machen. Zum Abschluß gibt’s dann noch eine Coverversion von „Moskau“, das die Fans ziemlich eindeutig zum weitern Trinken anregen soll. Na dann PROST!



Nach dem gelungenen Auftritt von Black Messiah begeben wir uns zum Bierchen genießen nach draußen in die Sonne. Was wir nicht wissen ist, dass kurz vor Stormwarrior, welche wir ab dem zweiten Lied mitverfolgen, die auf den Plakaten groß angekündigte Wikinger Stripperin ihre Show zum Besten gibt. Durch verlässliche Quellen haben wir allerdings erfahren, dass sie wohl ungefähr eine Viertel Stunde lang zur Musik von Moonsorrow die Metaller heiß gemacht hat. Dass sie keine hellhäutige blonde Norwegerin sondern eine braungebrannte Türkin war, dürfte dadurch wieder gut gemacht worden sein, dass sie am Ende splitternackt von der Bühne stolziert sein soll.
Wie auch immer, wir begeben uns zu den Hamburgern von STORMWARRIOR wieder in die Kulturfabrik um uns ihren 80er Metal anzuhören. Und obwohl die Band mit ihrem Heavy Metal, bei dem Bands wie Halloween und Running Wild eindeutig als Vorbilder dienen, nicht in das Gesamtkonzept des Pagan-Festivals zu passen scheint, kommt sie verdammt gut an. Das mag unter anderem daran liegen, dass die Nordmänner auf ihren Gitarren stilvoll und in alter Manier rumschrubbeln. Und dies wiederum regt eindeutig nicht nur die älteren Festivalgänger dazu an, die Matten zu schütteln. Auch wenn wir nicht unbedingt Fans des 80er Heavy Metal sind, so macht dieser Gig doch auf alle Fälle viel Spaß und für die Fans gibt’s demnächst, zumindest wenn alles nach Plan läuft, das vierte Album der Sturmkrieger. Na wenn das kein Grund zum Feiern ist !



Als nächstes stürmen die Thüringer Pagan Metaller von XIV DARK CENTURIES mit einem lauten „WOTAN!“ Schrei die Bühne, um den Fans gleich zu Anfang des Sets zu zeigen, wo der Hammer hängt. Trotz der Soundprobleme kommt der Auftritt aber sehr gut bei den Fans an. Das belohnen die Thüringer dann auch mit zwei neuen Songs. Es wird insgesamt gute Laune verbreitet und sie spielen sich quer durch ihre bisher 4 veröffentlichten Alben. Als beim Song „Jul“ dann zum Schunkeln aufgefordert wird, befolgen das die Fans natürlich gerne, bevor dann aber doch lieber kräftig weitergebangt wird. Das Publikum hat sichtlich Spass und so ist es natürlich umso bedauerlicher, dass der Gig leider viel zu kurz ist, da die Band wegen Zeitdruck regelrecht von der Bühne geschmissen wird und vorzeitig abbrechen muss. Zu schade...

Dann ist es an der Zeit, den extra aus München angereisten EQUILIBRIUM die Bühne zu überlassen. Die Anreise hat sich scheinbar gelohnt, denn die Halle wird knallevoll. Handelt es sich hier etwa um die heimlichen Headliner des Abends? Voller Energie legen sie sofort mit „Wingthors Hammer“ los, meiner Meinung nach die beste Wahl für den Opener, den sie hätten treffen können. Die Halle belohnt das natürlich mit entsprechenden Reaktionen, die dann auch mehr oder weniger die ganze Show lang anhalten. Es wird gebangt, gedived und gemoshed was das Zeug hält, man hat den Anschein als würde die kleine Halle bis in die allerletzte Ecke geradezu explodieren. Obendrauf gibt’s dann mit „Tote Heldensagen“ auch noch eine Live-Premiere der Band. Beeindruckend und mit absolutem Knallersound liefert das Sextett um Sänger Helge eine powervolle Show ab, die dem Publikum ganz mächtig einheizt und nach der Säuferhymne „Met“ mit „Nach dem Winter“ leider viel zu schnell vorüber ist. Definitiv ein ganz großes Highlight an diesem Tag!!



Als MENHIR aus Thüringen nun die Bühne betreten wird es etwas „gemütlicher“. Ihre Musik verzaubert eher durch eine grössere Portion Melodien als durch Moshpit-taugliches Geknüppel. Ich habe sie schon beim Ragnaröck gemocht und auch heute können sie mich wieder begeistern. Leider wird der Band am Ende der Strom gekappt. Nichtsdestotrotz eine kurzweilige Show.

Mit dem schon reichlich verspäteten Auftritt von RIGER kommen auch die Fans wieder in die Halle und es wird zu dieser fortgeschrittenen Stunde wieder relativ voll. Mit „Im Grauen der Nächte“ beginnt das Quintett aus Brandenburg das Set. Obwohl es schon relativ spät ist, wird der heidnische Metal der Band, der auch gute Portionen Death- und Thrashelemente beinhaltet, doch noch ordentlich abgefeiert und die Band weiß insgesamt mit ihrer energiegeladenen Performance zu überzeugen. Allerdings dauert der Auftritt nur knappe vierzig Minuten und wird nach „Des Blutes Stimme“ ebenfalls abrupt abgebrochen. Dennoch ein gelungener Auftritt!

ENSIFERUM betreten nach dem Intro ihrer neuen EP dann die Bühne und rocken direkt los. Es werden nicht nur die Songs der letzten beiden Full Length Alben wie "Tale Of Revenge" und "Hero In A Dream" gespielt, sondern auch alle Songs der neuen EP, darunter "Dragonheads", „Warrior’s Quest“ und das Amorphis Cover "Into Hiding". Ausserdem die beiden bei der Wacken Road Show Tour vermissten Songs "Lai Lai Hei" und "Into Battle", die perfekten Songs für ein Pagan/Viking Festival wie dieses, passen sie doch 1A ins Konzept. Dafür werden Songs wie „Windrider“ oder „Treacherous Gods“ ganz aussen vor gelassen. Überhaupt liegt deutlich zu wenig Augenmerk auf den beiden Full Lenth Alben, für meinen Geschmack zumindest. Obwohl die Band standesgemäss bejubelt wird und direkt nach ihrem Abgang Zugabe-Rufe laut werden, übersteigt ihre Spielzeit nur knapp die 40 Minuten Grenze. Zwar kommen sie zurück auf die Bühne, dürfen aber wegen der enormen Zeitverschiebung nicht mehr spielen und ziehen somit wieder ab, wird hinter ihnen unverschämterweise auch schon mit dem Umbau angefangen. Kaum lohnend, eine Band für eine nicht mal Dreiviertelstunde extra aus Finnland einfliegen zu lassen !!



Was dann folgt, ist eine fast 30-minütige Umbaupause. Ein Grossteil der Leute verlässt deswegen die Halle, oder weil niemand mehr dran glaubt, dass um diese Uhrzeit noch eine weitere Band spielen soll und macht sich auf den Heimweg oder auf ins provisorische Bettchen. Somit ist die Halle dann, als die Belgier ANCIENT RITES endlich anfangen, so gut wie leer. Vielleicht liegt es auch daran, dass es inzwischen 2 Uhr ist und den meisten Besuchern einfach die Kraft fehlt, sich nach diesem langen Tag noch mehr Musik in die Gehörgänge zu ballern. Nichtsdestotrotz wird einem eine heftige Portion Black Metal um die Ohren gehauen. Die Band schafft es trotz der späten Stunde die noch verbliebenen Besucher zu begeistern. Und das über eine Stunde lang. Doch auch hier wird wieder keine Zugabe gewährt. Aber inzwischen ist es auch so spät, dass es verständlich ist, dass man so langsam Feierabend haben will.



Fazit: Trotz einiger negativer Aspekte wie der geänderten Spielfolge, von der man nur wenn man Glück hatte durch Hörensagen mitbekam welche Band nun zu welcher Uhrzeit spielte, war das Ultima Ratio Festival im Großen und Ganzen ein schönes Zusammentreffen Pagan - Begeisterter. Das Wetter spielte mit und verbreitete eine noch authentischere Festival - Stimmung, alle waren friedlich, die Bands waren spitze und Met gab es auch. Und so sollte ein jeder auf seine Kosten gekommen sein. Wir freuen uns auf eine Wiederholung 2007 und wer weiß - vielleicht sogar zweitägig ganz stilecht auf einer Burg ?!

Daniela S., Nadine S., Julia K. / V.U.

weitere Live-Reviews »»
© Visions Underground Heavy Metal Magazin, webdesign by Grit Laskowski